Zeitungssterben? Mediensterben!

In der letzten Zeit ist immer wieder vom Zeitungssterben die Rede, von Journalisten, die ihre Jobs verlieren und wegbrechenden Anzeigeneinnahmen …

Ich selbst habe davon immer nur online erfahren – wenn ich mal eine Nachrichtenseite offen hatte. Aber auch das passiert immer seltener und ich hab mich gefragt, woran das eigentlich liegt und meine Argumente mal in Worte gefasst. Ich würde zudem sehr gern wissen, wie das bei euch aussieht …

Rückblickend stelle ich fest, dass sich mein Zugriff auf alle Medienangebote völlig verändert hat. Während ich damals (locker 20 Jahre her) richtig viel Radio gehört, einigermaßen oft Fernsehen geguckt und sogar lange das Hamburger Abendblatt im Abo hatte, ist es heute so, dass ich diese Angebote vollständig ignoriere.

  • Radio? Ich besitze nicht mal mehr eins. Keine Ahnung, wie lange ich schon kein Radio mehr höre. Täglich zuletzt vor über 10 Jahren, weil da eins auf der Arbeit lief. Inzwischen höre ich nur noch dann Radio, wenn ich mal irgendwo im Auto mitfahre.
  • Fernsehen? Das ist bei mir deutlich kürzer her. Ich glaube vor ca. einem Jahr, als ich mich noch von Dr. House, CSI Miami und Lie to me gut unterhalten fühlte. Aber das waren auch die einzigen Sendungen, die ich mir angesehen habe. Inzwischen habe ich hier keine Möglichkeit mehr, ein Fernsehprogramm anzuschauen.
  • Zeitung? Ich erinnere mich nicht. Aber meine letzte Zeitschrift weiß ich noch: Das war vor einigen Jahren eine c’t und die hab ich dann doch nicht gelesen …

Ich kann mir im Augenblick auch kein Szenario vorstellen, in dem ich zu diesen Angeboten zurückkehren würde. Aber warum eigentlich nicht?

Radio

Ich habe keine Lust …

  • immer dieselben 10 Songs zu hören
  • auf penetrant gut gelaunte Moderatoren
  • auf nur schlechte Nachrichten
  • auf dämliche “Erfolgspropaganda” (weniger Arbeitslose? Selbst wenn dem wirklich so wäre: Nirgendwo ist zu hören, dass die meisten nun für “5 Euro 20″ die Stunde tätig sind
  • immer ganz genau hinzuhören, wenn gerade mal ein interessant scheinender Beitrag gesendet wird, der mir zeitlich nicht passt, weil ich gerade mit etwas anderem beschäftigt bin
  • auf Jingles, in denen mir alle paar Minuten das beste am Norden versprochen wird (oder so)

Fernsehen

Ich habe keine Lust auf …

  • Dauerwerbesendungen / Werbeunterbrechungen
  • Staatsfunk, bei dem missliebige Chefredakteure von Politikern abgesägt werden
  • Zwangsgebühren (die bei mir erst Abneigung und dann Konsumverweigerung erzeugen)
  • Meinungsmache / Boulevard
  • ungleiche Berichterstattung (Medienbarriere für z. B. die Linke)
  • zeitliche Vorgaben (Sendetermine)
  • Nachrichtensendungen, bei denen ich immer den ganzen Inhalt über mich ergehen lassen muss, obwohl mich bestenfalls 10 Prozent davon interessieren

Zeitungen

Ich habe keine Lust auf …

  • Agenturmeldungen Nachrichten von gestern
  • kleine Schrift
  • unhandliche Formate
  • Meinungsmache / Boulevard
  • ungleiche Berichterstattung (Medienbarriere für z. B. die Linke)

Insgesamt sind mir die alten Medien zu passiv und ich möchte mich zeitlich nicht mehr festlegen lassen, wann ich etwas hören, sehen oder lesen will. Hinzu kommt, dass eigentlich alle genannten Angebote entweder gar nicht, oder nur eingeschränkt / nicht ausgewogen und neutral über die Dinge berichten, die mich interessieren (Politik, Fotografie, Musikproduktion, persönliche Beiträge in Blogs, usw.).

Welche Angebote nutze ich denn im Web? Ich halte die Auswahl mal möglichst klein …

Politik

Da mich Politik aus zahllosen Gründen besonders interessiert, nenne ich hier gleich mehrere Seiten, die ich täglich aufrufe (Nachrichtenseiten wie Spiegel Online gehören aber schon lange nicht mehr dazu).

Die folgenden Seiten (Themen) ersetzen herkömmliche Nachrichten-Angebote nicht deshalb, weil ich deren Inhalte für Lügen, Propaganda, Meinungsmache oder schlicht Dreck halte, sondern weil deren Besuch im Web aus den oben genannten Gründen bequemer als eine Zeitung / Zeitschrift ist.

Fotografie / Bild

Technologie

Blogs

  • Da interessieren mich vorwiegend Seiten, die persönlich gehalten sind.

Alle anderen Bereiche nutze ich nur in homöopathischer Dosierung.

Wie ich in der Einleitung schon schrieb – ich würde gern deine Meinung lesen, deshalb freue ich mich hier besonders über Kommentare und (begründete) Empfehlungen für gute gemachte Webangebote.

Jörn Daberkow

  

Veröffentlicht von

www.hamburger-fotoblog.de

Fotografie und Musik sind ein substanzieller Teil meines genetischen Codes und keine freie Entscheidung.

19 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Jörn,

    So ganz pessimistisch sehe ich das ganze jetzt nicht, SPON ist in wenigen Bereichen ok, um sich ein Bild zu machen was gerade überhaupt auf der Welt los ist, gute Berichterstattung sieht aber auch anders aus! Im Fernsehen gibt es nicht wirklich was gutes zu sehen, außer du nimmst dir die paar Brocken auf die spääät am Abend laufen und guckst und spulst dir die Werbung zurecht! Radio sowieso nur im Auto, wobei NDR2 doch völlig ok ist! Ich habe hier 1 Live und das geht mal überhaupt nicht! In den Zeitungen steht immer das gleiche, das liegt daran, das es nur noch eine handvoll Verlage gibt und in vielen Bereichen immer die gleichen Leute in der Redaktion sitzen! Ich habe früher Gitarre und Bass im Abo gehabt und die Gamers das waren noch Zeiten! Heute lese ich was gefällt auf dem iPad nicht im Abo!

    Bis die Tage

    • Hi Dominik,

      pessimistisch sollte das nicht rüberkommen – eher als “so ist es für mich. Was das iPad betrifft: Ja, das hat einen ziemlichen “Impact” erzeugt …

  2. Moin Jörn, mein Medien-Konsum unterscheidet sich doch erheblich von deinem.

    Fernsehen: Ja, aber oft nur aufgezeichnet via eyeTV, so dass ich die Werbung nicht sehen muss und gucken kann, wann ich will. Interessiert mich eine Sendung und ich bin zu Hause, schaue ich aber auch “live”. Und ich finde schade, dass der soziale Faktor des Fernsehens allmählich verloren geht. Ich erinnere mich noch gut daran, als die ganze Nachbarschaft zur gleichen Zeit vor der Mattscheibe klebte und es am nächsten Tag interessante Diskussionen über die Sendung gab. Das gibt es meiner Wahrnehmung nach heute nur noch im Ansatz beim “Tatort”.

    Radio: Nur im Auto, wenn ich gerade keine Lust auf Musik oder Hörbuch habe und dann meist NDR Info, wegen der interessanten Reportagen. Andere Sender ertrage ich meist nur sporadisch ;-)

    Zeitung: Hamburger Abendblatt im Abo, allerdings als PDF, da es hier große Probleme mit der pünktlichen Zustellung der gedruckten Version gibt, sonst habe ich lieber Papier in der Hand ;-)
    Nur wenn ich eine Zeitung lese, kriege ich Infos aus allen Bereichen mit. Würde ich mir die Infos im Internet suchen, würde ich zu stark nach meinen Interessen selektieren.

    Printmedien im Abo: Schwarzweiss, photonews, fine art printer, Photographie. Möchte ich nicht drauf verzichten und kann mir kein Online-Angebot ersetzen. Am meisten schätze ich neben Haptik und visuellem Eindruck, die Möglichkeit, gedruckte Seiten mit Post-it-Zettelchen versehen zu können ;-)

    Online-News lese ich nur selten bzw. suche sie selten aktiv auf, wenn, lande ich meist über einen Suchbegriff in der Suchmaschine bei SPON, Heise & Co.

    Schönen Tag noch und nette Grüße, Conny

    • Hi Conny,

      diesen sozialen Faktor des Fernsehens erinnere ich natürlich auch noch. Ja, früher hatte man auch weniger andere Themen. Das Internet war noch nicht erfunden und auch sonst war das Leben vergleichsweise übersichtlich. Ich habe trotzdem das Gefühl, dass ich mich heute mit viel mehr Menschen als früher austausche – dafür nicht mehr unbedingt im selben Raum / am selben Ort.

      Du hast ja offensichtlich wirklich noch richtig viel im Abo. Ich kenne sonst aber niemanden und glaube auch nicht, dass das wieder zunehmen wird – es sei denn, “die” schalten das Internet ab.

      Dir auch einen schönen Tag!

  3. Interessanter Artikel. Ich merke es ja selbst in letzter zeit, dass ich kaum noch Printzeitungen lese, obwohl ich derzeit noch eine im Abo habe. Meistens lese ich News eh nur noch online, hier aber auch nur ausgewählte Online-Auftritte, wie z. B. ORF, derstandard.at, hin und wieder aber auch die BILD. Andere Portale, auf denen ich quasi täglich unterwegs bin, sind macnews.de (die aber in den letzten Monaten auch nachgelassen haben) und Macuser.de, hin und wieder aber auch die ZEIT.

    Warum? Es wurde ja eh schon erwähnt, so viele unterschiedliche Zeitungen gibt es ja eigentlich nicht mehr. Und die Artikel sind oft ja auch nur mehr Kopien voneinander, tagesaktuell ist ja auch etwas anderes. Und viele Artikel sind ja quasi auch nur mehr irgendwelche bezahlten Anzeigen, bzw. bezahlte Lobpreisungen verschiedener Produkte oder Leistungen…

    Aber damit will ich natürlich nicht sagen, dass mir ein sehr guter und recherchierter Artikel kein Geld wäre …

  4. Seien wir ganz ehrlich: Das Printmedium wird wohl bald aussterben. Und eigentlich nur deshalb, weil die entsprechenden Verlage das Internet mehr oder minder verschlafen haben – viel zu spät eingestiegen und mit komischen Finanzierungsmodellen (z.B. Bezahlabos, obwohl jeder nur mal Google News aufschlagen muss). Die Folge: Stellenabbau ohne Ende, Umstellung auf feste Freie und/ oder Praktikanten, Senkung des Tagessatzes.

    Und TV/ Radio? Ist ein Nebenbei-Medium, das zwar noch seine Daseinsberechtigung hat, aber seit On-Demand-Systemen genauso immer weiter abbaut.

    Und wie nutze ich die Medien? Aufgrund meiner Arbeit als Journalist (Online) habe ich sowieso schon Informationsüberfluss – also habe ich keinen Bedarf an Nachrichten, Hintergrundsendungen etc. Filme konsumiere ich on Demand über iTunes, Radio noch ganz selten digital, Musik on Demand über Spotify.

    Im Print hab ich nur noch die “Happinez” abonniert, alles andere kommt online per Feed/FB/Twitter/500px/Flickr etc. genau auf mich abgestimmt über die Flipboard-App auf mein iPad. Der berufliche Kram neben den üblichen PMs ebenfalls per Feed minutengenau in meinen Reader.

    @Jörn Ab 2013 hast Du eh Zwangsgebühren für’s Fernsehen – egal, ob Du nun schaust oder nicht ;)

    • Hi Mirko,

      glaube ich auch – das mit den Printmagazinen / -zeitungen. Ich denke, dass wir das sogar noch locker erleben werden. Was mich nur immer wundert ist, wenn all diese Redakteure “entsorgt” werden – warum tun die sich dann nicht zusammen und gründen was Eigenes? Kompetenz und Erfahrung sind doch vorhanden.

      Flipboard? Danke für den Tipp. Schaue ich mir an. :-)

      • Puhh, ein eigenes Printmagazin/ -zeitung kostet ja auch ne Stange Geld bei entsprechender Auflage: Druckkosten, Vertrieb, Marketing etc. Tja, und online – braucht es Fachleute zum Gründen und dem Marketing, die eben nicht aus der Print-Szene kommen ;) Zumal, wenn man sich mal die Vergütung der Online-Journalisten/ freien Journalisten anschaut, bekommt man das Grauen. Der DJV macht sich da immer sehr stark, aber letztendlich entscheidet immer der Markt. Die geforderten 12 Cent/ Zeichen im Online-Bereich bekommt keiner, so lange es “Hausfrauen” auf Texterbörsen gibt, die die (qualitativ sehr viel schlechtere) Arbeit für 1-2 Cent/ Wort machen :D

        Du kennst Flipboard nicht? App der 1. Stunde und noch immer auf den ersten Plätzen – ist quasi ein Aggregator durch zahlreiche Online-Dienste, der die Beiträge als “Magazin” aufarbeitet ;)

        • Ich meinte auch nur online. Die Kompetenz für ein Onlinemagazin sollten Redakteure großer Zeitungen haben und wenn die sich ein schönes Konzept überlegen, Dinge vielleicht anders machen, als die Etablierten – warum sollte das nicht funktionieren?

          Schauen wir uns die TAZ an. Die haben auch nicht wirklich viele Mitglieder in ihrer Genossenschaft, dennoch scheint es zu laufen. Dabei scheinen mir die Beiträge nicht übermäßig aufwändig zu sein …

  5. Wirklich ein sehr interessanter Artikel! Hier mal kurz meine Stellungnahme zu einigen Punkten:

    Printmedien
    “Sound & Recording” habe ich abonniert, “Keys” hole ich mir am Kiosk falls mich ein Artikel interessiert. Die Bremer Tageszeitung “Weser Kurier” habe ich im online-Abo, ich lese sie am Mac, meine Frau am iPad.

    Radio
    Gern beim Frühstück. “Morgenshow”, Radio Bremen vier. Viel Gequassel, kann ich aber so nebenbei gut vertragen.

    Fernsehen
    Hier möchte ich mal einen Punkt herausgreifen und richtig meckern! Seit dem Frühjahr haben wir Telekom Entertain SAT. Als Bonus 1 Jahr kostenloser HD-Empfang auch der Privatsender, kostet sonst so um die 50 EUR im Jahr. Wenn man eine Sendung in HD aufgenommen hat, kann man die Werbung nicht vorspulen. Meldung: “Diese Funktion wird vom Anbieter nicht unterstützt.” Angeblich liegt das am Betreiber der Astra-Satelliten. Ich finde es absolut unverschämt, für den HD-Empfang von Pro 7, RTL, SAT 1 usw. jährlich eine Gebühr zu verlangen und zusätzlich das Vorspulen zu blockieren. HD ist der technische Fortschritt, jeder Fernseher, der heute verkauft wird ist HD-fähig. Als das Fernsehen von s/w auf Farbe umgestellt wurde hat das auch nichts extra gekostet!

    • Also wenn ich für so ein Programm zahlen muss und dann nicht nur trotzdem Werbung serviert bekomme, sondern die auch nicht vorspulen kann – dann würde ich das Angebot nicht nutzen.

      Du und ich sind ja mehr oder weniger aus derselben Generation – du bist wie ich mit Print aufgewachsen. Meine Enkel wachsen sozusagen online auf – und bei mir (Opa) liegen auch keine Zeitschriften und Zeitungen mehr – dafür ist Internet permanent an. Es würde mich nicht überraschen, wenn die dann großen Enkel irgendwann mal neugierig auf Printprodukte werden – weil sie mal gucken wollen, wie das früher so war. Ich glaube aber nicht, dass diese Neugier lange anhalten wird.

  6. Ich werde die HD-Karte auch nicht nachkaufen, die genannten Privatsender werden bei uns sowieso selten eingestellt. Ich wundere mich nur, dass man keinen Protest von den Leuten hört, die für HD bezahlen.

    Das Internet ersetzt in meiner Familie auch schon weitgehend die Printmedien. E-Books und online gekaufte Hörbücher gehören dazu.

  7. Interessanter Artikel:

    Fernsehen:
    hab seit 8 Jahren keinen Fernseher mehr und es geht mir trotzdem sehr gut :D

    Radio:
    Hab kein Radio (beim Radiohören muß ich mich sonst nur aufregen über die depperte Moderation, die miese Musikauswahl, das Reingequatsche in die Musik und die 5000 Lieder aus denen ausgewählt wird)

    Print:
    Seit dem Erscheinen in Deutschland hab ich ein Abo des Rolling Stone und die c’t habe ich auch schon seit über 10 Jahren im Abo. Die c’t lese ich immer seltener, die werde ich wohl kündigen. Mich interessieren daraus immer weniger Artikel. Früher hatte ich auch noch den Musik Express, aber nach Erscheinen des RS habe ich dieses Abo gekündigt. Der RS wird immer noch verschlungen. Es gibt zum Thema Musik auch viel im Netz, ganz klar. Aber die hochwertigen Artikel des RS findet man sonst nirgendwo und letztendlich lese ich immer noch viel lieber analog als digital.

    Zeitung:
    Die regionale Tageszeitung lese ich unregelmässig, meist nur am Wochenende da ich sonst keine Zeit und Lust dazu habe.

    Thema Zeitungssterben:
    Mir egal. Und es wird bei der Diskussion immer vergessen, daß die Printmedien sich in den letzten 10 Jahren eine goldene Nase verdient haben und sich dann auf ihren Lorbeeren ausgeruht haben bzw. das immer noch tun. Da hab ich kein Mitleid.

    Gruß
    Karl

Hinterlasse eine Antwort


Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>