Willst du den gelben Senf, oder den dunklen?

In dieser Woche werde ich unglaubliche 49 Jahre alt und anlässlich dieses Ereignisses (oder war‘s das gute Wetter?) bin ich heute mal wieder losgegangen, um im Klövensteen (ein großer Wald bei mir um die Ecke) ein paar Bilder zu machen – Herbstbilder, um genau zu sein. Ich wollte vor allem dieses fantastische Leuchten der gelben Blätter einfangen. Bei einem bestimmten Lichteinfall kann das Gelb der Blätter so intensiv werden, dass es wirklich blendet …

Als ich den Wald dann erreichte, war ich allerdings so in Gedanken versunken, dass ich gerade noch mein recht schweres Fotoequipment bemerkte, aber mir in zweieinhalb Stunden Wanderung (meine Füße tun weh!) kein einziges Motiv begegnet ist. Und wenn doch, habe ich es beim Sinnieren wohl übersehen …

49 Jahre … Unfassbar, dass das mich betrifft! Ich komme mir überhaupt noch nicht so alt vor (währen da nicht meine Füße). Ich hab‘ bei diesem Spaziergang darüber nachgedacht, wo ich jetzt eigentlich stehe und was ich in meinem Alter wohl noch bewegen kann. Ziele habe ich noch einige, aber da ist auch so ein störendes Gefühl, das mir sagt, dass ich eben nicht mehr alle Zeit der Welt habe (wie man das als Teenie bisweilen denkt). Zeit ist nahezu unbemerkt immer kostbarer geworden …

Was hat sich seit meinen eigenen Teeniezeiten verändert? Nun – je älter ich werde, desto genauer weiß ich, was ich will … Aber noch genauer weiß ich, was ich nicht will. Bei manchen Dingen komme ich mir allerdings immer noch wie der besagte Teenie vor. Möchte ich diese Kamera, oder möchte ich jene? Will ich mit Aperture oder mit Lightroom arbeiten. In dieser Art „Problemkategorie“ schaffe ich es auch mit ganz knapp 49 nicht, mich einfach mal zu entscheiden und dann nicht mehr über das Thema nachzudenken …

Kennst du den Film 2010? Das ist der zweite Teil von 2001 Space Odyssee. 2010 ist für meinen Geschmack eine der ganz wenigen Fortsetzungen, die besser als Teil 1 sind. In dem Film unterhält sich Roy Scheider mit John Lithgow über Senf und welcher besser schmeckt.

Roy Scheider:

  • “Iss niemals Hotdogs in geschlossenen Räumen!”

Darauf John Lithgow:

  • “Willst du den gelben Senf, oder den dunklen“?

Die beiden unterhalten sich so entspannt, dass die Szene für mich eine ganz eigene Authentizität bekommt und zu einem zentralen Moment im Film wird. Die Botschaft? Wo immer wir gerade wirken (selbst in in einem hochtechnisierten Raumschiff nahe dem Jupiter) bleiben wir Menschen, die sich vorwiegend mit den kleinen Problemen auseinander setzen und gerade dann besonders menschlich sind. Immer wieder müssen wir uns im Leben entscheiden und als mir das klar wurde, sah ich auch wieder gelbe Blätter.

Das traurige und spannende zugleich ist, dass wir nie wissen, wie viel Zeit uns noch bleibt.

Jörn Daberkow

  

Veröffentlicht von

www.hamburger-fotoblog.de

Fotografie und Musik sind ein substanzieller Teil meines genetischen Codes und keine freie Entscheidung.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das ist es ja gerade! Daß die Zeit, das Leben endlich ist, führt erst dazu, daß wir damit etwas anfangen. Wäre beides unendlich, was hätte es für einen Wert?

  2. Ja, ja – aber es gibt doch diese Menschen die sagen, dass der Tag auch gern 48 Stunden haben könnte – und ich hätte auch gern eine Verlängerung – nicht der Tage, aber – um es mit den Worten von Roy Batty (Blade Runnder) zu sagen: “Ich will mehr Leben, Vater”!

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