Vor kurzem habe ich die Arbeit an meiner Fantasy-Geschichte Strange City wieder aufgenommen. Seit meinen letzten Zeilen sind schon viele Monate vergangen, aber ich hatte einfach nicht mehr die Muße, mich damit zu beschäftigen. Nun, da mangels Software und funktionierendem Audiointerface die Musik vorübergehend ruht, gewinne ich plötzlich etwas Zeit für meine Schreibarbeit.

5 Tonkrieger – Illustration: Karin Kostmann
Was ich nun aber (wieder) feststellen musste ist, dass die Handlung extrem komplex geworden ist. Neben vielen Figuren, die die Handlung maßgeblich bestimmen, stellt das ganze Projekt auch ein Wissens- und Zeitproblem dar. Allein das Kapitel „Geschichte I“ aus dem Abschnitt „Transformation“, in dem es um das alte China (Qin-Dynastie, Kaiser Qin Shi Huang Di, Terrakotta-Armee usw.) geht, erforderte eine umfangreiche Recherche.

Fliegende Felsen - Illustration: Karin Kostmann
Auch galt es bestimmtes Wissen um Orte wie z.B. Xi An in Shaanxi zu erwerben. Hinzu kamen dann noch chinesische Begriffe, die erst „erfunden“ werden mussten – und hier hatte ich eine Menge Glück. Aus China hatte jemand mit mir Kontakt aufgenommen (ja, dort gibt’s Leute, die Deutsch sprechen) und mir nicht nur beim Übersetzen der ganzen Geschichte geholfen, sondern auch dabei, so schräge Ideen, wie z. B. einen Namen für das “dritte Geschlecht der Menschheit” – die Tuan Jie – zu finden. Meine Ansage an meinen chinesischen Kontakt war einen Namen für eine menschliche, vereinigende Kraft zu ersinnen. Genau so war es auch mit anderen Begrifflichkeiten, die aus China kommen sollten, die es so aber nicht gibt. In der Geschichte kommen z. B. Menschen vor, die mehrere Bewusstseine in sich vereinigen. Der gefundene Name trifft genau diesen Umstand mit einem Wort: Qīsī.

Shagan aus dem Volk der Goha - Illustration: Karin Kostmann
Als ich mit dem Schreiben anfing, lag der Beginn von Strange City noch Jahre in der Zukunft – nun liegt dieser Zeitabschnitt schon 4 Jahre in der Vergangenheit …
Heute musste ich erstmals die Notbremse ziehen, weil ich merkte, dass ich hier rein computerbasiert an Grenzen stoße. Hier hilft kein großer Bildschirm und keine Lesezeichenliste, hier hilft (vorerst) nur noch „analog“. Und so habe ich in der Textverarbeitung alle Passagen in druckbare, in sich geschlossene Abschnitte, verschoben und das ganze „Material“ ausgedruckt. Die nächste Zeit werde ich damit beschäftigt sein, alles zu sichten und zu gucken, ob der zeitliche Verlauf der Handlung noch logisch ist und wie er ggf. „optimiert“ werden kann. Wenn ich schon Probleme mit der Handlung habe, wie wird es denn erst einem Leser ergehen …?
Richtig kompliziert wird es im Abschnitt Yangshao, bei speziellen eingeschobenen Parts, die “Aus den Erzählungen des Chong How” berichten. Der dramatische Höhepunkt ist eine Begegnung zwischen Dastromon, einem Qīsī und jenem Chong How. Ihre Begegnung gipfelt in einer Vorhersage des Qīsī (Kapitel “Die Faust des Qīsī”), der dabei auf furchtbare Weise sein Leben verliert, aber gerade noch erkennt, dass die ungefähr 7.000 Jahre entfernte Zukunft gleichzeitig ihre Gegenwart ist. All das spielt aus unserer Sicht ca. 2.000 Jahre in der Vergangenheit.
Glaubst du mir, dass es schwer ist, hier den Überblick zu behalten?


30. Januar 2008 um 11:04 Uhr
Kein Wunder, dass Du in Asien Fans hast ;-)
Chinesische Filme sind ja auch nicht immer stringent “durcherzählt”, sondern überraschen mit unvorhersehbaren Wendungen und eingeschobenen Kapiteln, was uns Europäern doch immer mal wieder Probleme bereitet.
Die kleine Liebesgeschichte in Tiger & Dragon gehört noch zu der harmloseren Sorte ;-)
Grüße,
Heiko
30. Januar 2008 um 13:54 Uhr
Hey Heiko,
das wusste ich gar nicht! Dann sollte ich vielleicht lieber nichts ändern, da der chinesische Mark ja noch etwas größer ist! ;-)
Jörn
30. Januar 2008 um 14:31 Uhr
Da fällt mir eine nette Geschichte zu ein:
ich war in Bangkok mit einer thailändischen Freundin in einem Film, der hieß “The Promise” (Wu Ji im Original).
Abgesehen davon dass der Film auf Mandarin mit thäiländischen Untertiteln lief, hatte ich ab ab einem bestimmten Punkt wirklich Schwieirgkeiten, den Bildern zu folgen.
Meine Freundin bemerkte das wohl und sagte: “Don’t worry, this is chinese” ;-)
30. Januar 2008 um 14:39 Uhr
Na denn … :-D
Schade, dass ich bei Strange City (oder überhaupt beim Geschichten schreiben) auf chinesisch sprechende Übersetzer angewiesen bin – sonst würde ich wirklich diesen “Markt” bedienen wollen.
3. August 2008 um 16:42 Uhr
Hallo Jörn,
kürzlich ist mir Deine StrangeCity CD in die Hände gefallen. Da war ich neugierig darauf was Du momentan so treibst und auf Deine alten und mir noch bekannten beiden Webseiten. Zur Erinnerung: ich habe im Januar 2005 bei Dir die blaue Strat gekauft und diese mit meinem Sohn persönlich in Hamburg abgeholt. Ich hatte in der letzten Zeit das Spielen aus beruflichen Gründen etwas vernachlässigt. Bin heute immer noch ein wenig stolz diese Strat zu haben. Mein Sohn Julian ist immer noch ein eingefleischter Scooter-Fan und macht selbst Techno-Music an seinem PC. Vielleich hast Du mal Interesse. Wenn ja, dann sende ich Dir ein Link oder ein fertiges Stück per Mail.
So, das war’s erstmal, alles Gute und viele Grüße aus Bielefeld,
Waldemar
3. August 2008 um 16:55 Uhr
Hallo Waldemar!
Schön von dir und meiner alten Stratocaster zu hören! Leider geht’s mir mit dem Musikmachen genau wie dir: Ich komme kaum noch dazu und bin ganz schön traurig darüber. :-(
Stolz? Ja, das kannst du auch sein. Deine Stratocaster ist nach wie vor ein tolles Instrument und ich mochte die echt total gerne!
Dir auch alles Gute
Jörn
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