… oder jedenfalls beinahe. Werden Fotos besser, wenn man statt einer Kompaktkamera eine Spiegelreflexkamera einsetzt? Technisch ganz sicher! Aber wie ist das mit der emotionalen Komponente? Spricht mich ein Bild mehr an, weil es technisch besser ist? Was ist es denn eigentlich, was ein gutes Bild ausmacht?
Ein wenig Aufklärung findest du vielleicht im Artikel “Warum die Kamera völlig egal ist“.
Ich finde das meiste richtig, was Ken da sagt, allerdings finde ich auch, dass ein gutes Werkzeug enorm inspirieren kann. Ich spiele nun seit über 30 Jahren Gitarre und ich könnte wahrscheinlich auf so ziemlich jeder Gitarre mehr oder weniger gleich klingen. Es macht mich aber viel mehr an, auf einer Tele- oder Stratocaster zu spielen (oder auf meiner Artcore), als auf irgendeiner anderen Gitarre. Wenn ich ein edles Instrument in der Hand habe, fällt mir schlicht mehr ein, weil das Instrument dann zur Nebensache wird (Ken schreibt in seinem Artikel davon, dass “… es nicht im Weg steht”).
So gesehen ist die Kamera nicht ganz so egal, wie er es darstellt, denn es macht zumindest für mich z. B. einen erheblichen Unterschied, ob ich auf ein Display, einen elektronische Sucher oder in den Sucher einer hochwertigen Spiegelreflexkamera gucke. Mir bringt es auch mehr Spaß, mit einer Kamera zu arbeiten, die ordentlich Gewicht hat und für die mir ein paar nette Objektive zur Verfügung stehen.
Abseits solcher Details ist sicher ein gutes Auge und Erfahrung wichtiger, als eine Kamera, die noch mal 1.000 Euro mehr gekostet hat.
Meine E-3 macht aber z. B. deutlich mehr Spaß, als meine ehemalige Pentax K110D … – und ich glaube, dass ich allein deshalb bessere Bilder mit der Kamera mache, als mit den “kleineren” Modellen, die hier auch noch liegen.
Jörn


4. Juni 2010 um 14:28 Uhr
Komme gerade aus den USA zurück. Meine Tochter hat dort mit einer Kompaktkamera fotografiert, ich mit meiner D700 – da liegen dann doch Welten dazwischen. Von daher finde ich die Aussage, dass die Kamera egal ist, übertrieben.
Klar, man kann auch mit einer Kompaktkamera gute Bilder machen – aber das hängt sehr vom Motiv ab. Schnappschüsse von Menschen und Situationen gehen gut, aber bei Landschaftsaufnahmen mit tollen Farben hast du mit einer Kompaktkamera kaum Chancen. Von schwierigen Lichtverhältnissen mal ganz abgesehen.
Gruß, Ulf
4. Juni 2010 um 14:30 Uhr
Hallo Ulf,
willkommen zurück!
Ganz klar, ich würde auch nicht mit einer Kompaktkamera losgehen (es sei denn, sie heißt Olympus E-P1, aber das ist irgendwie was anderes). Ich fand aber Kens Aussagen im verlinkten Artikel so interessant, dass ich die hier einfach vorstellen “musste”.
4. Juni 2010 um 16:42 Uhr
Der Artikel ist auf eine ganz bestimmte Weise provokant, dadurch aber auch ein wenig engstirnig geschrieben. Die Thematik ließe sich auch in einem Satz abhandeln, dann ist’s natürlich nicht so interessant zu lesen bzw. polarisiert es nicht mehr.
Die Verfügbarkeit von digitalen Fotoaparaten hat die Thematik auch wieder aufgebracht, weil eben viele glauben, das die iA-Einstellung (auf viele Testseiten mittlerweile als Idioten-Automatik beschrieben) und ein entsprechend repäsentatives DSLR-Gehäuse schon die “Macht” ist. In Wahrheit ist es nicht einmal die halbe Miete.
Zu analogen Zeiten hätte sich niemals wer die Kosten aufgehalst, die das Equipment, die laufenden Ausgaben durch Filme, Entwicklung und Ausarbeitung ausgemacht haben, wenn er beim ersten Diaabend nur schlafende Gäste hatte. Ganz viele haben dann nur noch im Urlaub oder zum runden Geburtstag eine Rolle verschossen und gut was. Und die Situationsfotos des speziellen Anlasses schafften dann auch die notwendige Berechtigung: “Mein Gott war da der Onkel noch fett”. ;-)
Wenn man sich die aktuelle Kampagne der Olympus PEN anschaut, kokettiert die ja genau mit dem, was Ken bekrittelt, abgesehen davon, dass die gezeigte Situation überhaupt nicht machbar ist (während dem Überqueren einer Kreuzung quer zur Fahrtrichtung durch das gegenüberliegenden Seitenfenster ein Foto schießen), was mich schon wieder stinkig macht. Die moderne Kamera macht alles für dich und “Nie war es einfacher, großartige Bilder zu machen” – der original Slogan. Wieder zurück zum Motiv der Kampagne: Ein Beatles-Cover nur eben mit Kindern. Wie soll’ ich jemals so ein Foto schießen können, wenn ich weder das Cover kenne noch den “Witz” der Aufnahme wahrgenommen habe?
Ich formuliere mal den Artikel von Ken ganz subjektiv: Wer’s nicht drauf hat, soll’s lassen. Und selbst wenn man sich an genialen Vorbildern orientiert, wird man damit nicht selber genial. Und die Genialität solcher Menschen zeigt sich mitunter darin, dass sie auch mit einer Schuhschachtel und einer Lesebrille als Objekitv gute Bilder machen könne, was nicht heißt, dass sie sich darüber deffinieren.
War es Leonardo da Vinci, der sein Genie unter Beweis stellen sollte, was er mit dem freihändigen Zeichnen eines perfekten Kreises machte (ich müsste googeln, Schande)?
Gutes Material hilft sicher, sei es beim Handling, was einem die Konzentration auf die eigentliche Aufnahme erleichtert, oder was weiß ich. Aber ich weiß sehr gut aus meinen LOMO-Zeiten, dass (subjektiv) gute Bilder mitunter auch mit einem russischen Plastikbomber zu machen sind.
bildhafte Grüße
Erich