4 Wochen USA haben mir ein Land gezeigt, das völlig anders als Deutschland ist. Der Unterschied scheint subtil, aber zwischen Amerikanern und Europäern liegen in Wirklichkeit Welten.
Während die Nationalparks wirklich großartig sind, kann ich das von den Kleinstädten nicht immer behaupten. Orte wie z. B. Ridgecrest, Victorville, Hemet oder Santa Cruz strahlen etwas aus, das ich so in Deutschland noch nicht erlebt habe.
Auch bei uns gibt es „Brennpunkte“, aber was ich diesbezüglich in den USA erlebt habe, fühlt sich anders an – verrückter … In einem Ort stand ich bald zwei Stunden auf einem Parkplatz, der zu einem Einkaufszentrum gehört. Ich wollte mir dort die Zeit im Auto mit lesen vertreiben (keine Lust mit einkaufen zu gehen). Das Ding ist nur, dass ich keine Sekunde dazu kam, weil ich meinen Blick nicht von dieser schon extremen Anhäufung schräger Gestalten und seltsamen Verhaltens lassen konnte.
Gesehen habe ich auch, dass in vielen Orten regelrechte Abschottungen stattfinden. Größere Gebiete mit Häusern wurden durch hohe Wände von den umliegenden, ärmlich ausschauenden Siedlungen getrennt.
Ähnlich wie in Holland wurde ich oft von mir völlig fremden Leuten freundlich begrüßt und in Gespräche verwickelt. Fast jeder Amerikaner, mit dem ich sprach, scheint über deutsche Vorfahren, deutsche Verwandtschaft, oder zumindest über „deutsche Erlebnisse“ (z. B. Urlaub oder Militärzeit) zu verfügen.
Die Polizei ist in den USA übrigens erheblich präsenter und scheint auch ein ganz anderes Standing als in Deutschland zu haben.
Essen und Trinken
Wir haben hier (auf Empfehlung) dreimal „Sizzler“ besucht, was beim ersten mal gut, beim zweiten mal schlecht und beim dritten mal geht so war. Die „Endless Salatbar“ fand ich in allen drei Fällen einfach nur „ungenügend“.
Am Highway One gab‘s Hamburger mit Pommes und dieser Hamburger war der beste, den ich bis heute gegessen habe. Absolut kein Vergleich mit den großen Burgerketten!
McDonalds … Ja, selbstverständlich habe ich die Gelegenheit genutzt, in den USA regelmäßig „originale einheimische Spezialitäten“ zu mir zu nehmen. Bei mir waren das fast jeden Morgen „Two scrambled eggs and one smal coffee with two cream, please”. Üblich ist „refill“. Bei McDonalds USA gibt‘s Dinge, die ich in deutschen Filialen bisher noch nicht sah: Einmal so eine Art Müsli und dann noch „Boritos“ (eine Teigrolle mit Käse und anderem Zeug).
Was Käse betrifft: In den USA kann man Käse mit 2 % Milchanteil kaufen! Wie das geht, bzw. aus was der „Käse“ dann besteht, möchte ich lieber nicht wissen … Im Gegensatz dazu gibt‘s einen Hersteller, der mit 100 % Fleischanteil in der Wurst wirbt. Auch nicht schlecht …
Auch was ich sonst an essbaren Dingen in Amerika sah, hat mich so wenig gereizt, dass ich tatsächlich einige Kilos abgenommen habe. In Hamburg habe ich mich „ausgehungert“ auf Haferflocken mit Milch und auf frisches Graubrot mit jungem Gouda gestürzt! ;-)
Was die Getränke in den USA angeht, kann man mitunter böse Überraschungen erleben, denn das Wasser scheint dort zum Teil heftig gechlort zu werden. Mir ist es mehrmals passiert, dass ich in einem Fastfood-Restaurant Cola bekam, die für für mich schlicht ungenießbar war, weil die intensiv nach Chlor schmeckte.
Äußerlichkeiten
In Kalifornien sah ich mehr dicke Menschen, als in Deutschland – von erheblich bis unglaublich viel dicker. Rauchen scheint kaum ein Thema zu sein – und wenn, dann meist nur irgendwie heimlich und ein bisschen verschämt in irgendeiner Ecke.
Die von uns gebuchten Motels entpuppten sich zum Teil als schedderige aber teure Absteigen unterster Kategorie, scheinbar bevölkert vom Bodensatz der Gesellschaft und manchmal handelte es sich um erstklassige Dreiraum-Suiten zum kleinen Preis (Las Vegas). Leider ist es extrem schwer bis unmöglich das im Vorwege aus Deutschland zu beurteilen. Auch einschlägige Foren helfen da nicht weiter.
In den schedderigen Unterkünften gab es nahezu immer reichlich Lärm (Fortpflanzungsgeräusche, einparkende Trucks, laute Fernseher, oder laute Gespräche).
Die Häuser in den meisten Kleinstädten machten einen überraschend „wackeligen“ Eindruck – was auch für zahllose Highways gilt …
Was mich auch verwundert hat ist, dass die meisten Haushalte in den USA per an Masten hängenden Stromkabeln mit Energie versorgt werden. Das scheint auch für Großstädte zu gelten …
Und sonst?
Jeder kennt wohl die Lieblingslegende der Amerikaner, wenn es darum geht, die Vorteile ihrer „großartigen Nation“ auszudrücken. Sie lautet „Vom Tellerwäscher bis zum Millionär“. Dieser Satz steht wie kein anderer für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, doch wie sich jeder denken kann, ist das nur die halbe Wahrheit und die andere Seite ist leider nicht ganz so enthusiastisch, denn wer es in den USA nicht geschafft hat, steht deutlich schlechter da, als bei uns in Deutschland.
Ich habe hier innerhalb weniger Tage ganz furchtbare Armut gesehen – „abgerissene Gestalten“, die zwischen den Wolkenkratzern nach Essenresten suchen. Menschen, die den Gästen von McDonalds die Tür aufhalten und „Take care“ rufen – in der Hoffnung, wenigstens einen Dollar in die Hand gedrückt zu bekommen.
In San Francisco sah ich aus nächster Nähe einen Mann, der aus einem Mülleimer einen Getränkebecher fischte, in dem noch irgendwas drin war. Er hat den ohne zu zögern mit dem Strohhalm (steckte noch) ausgetrunken.
In Hemet sah ich einen alten Mann, den ich auf um und bei 70 geschätzt habe. Er wirkte reichlich wackelig auf den Beinen, gehörte aber eindeutig zu einer Bauarbeiterkolonne, die gerade zum Frühstücken hereinkam (er trank nur einen Kaffee). Ich weiß nicht, welche Aufgabe dieser Mann noch übernehmen muss, aber selbst wenn er den ganzen Tag „nur“ ein Stopschild hochhält – er muss offensichtlich noch zur Arbeit gehen …
Nach dem Death Valley bin ich mit dem Wagen durch zahllose kleinere Orte gekommen – wobei Orte im Grunde für Slums steht. Da leben Menschen in Häusern, die in Deutschland nicht mal auf einem Abenteuerspielplatz durchgegangen wären.
Unbegrenzte Möglichkeiten beinhalten hier eben nicht nur den Aufstieg zum Millionär, sondern in den allermeisten Fällen den ungebremsten Weg nach ganz unten.
Ich frage mich langsam, ob die überall anzutreffende Freundlichkeit nicht das Resultat einer Maske ist, die schlicht vom Selbsterhaltungstrieb diktiert wird. Wahrscheinlich ist es nur mit so einer Maske möglich, im Supermarkt den ganzen Tag Kunden freundlich lächelnd zu begrüßen und wieder zu verabschieden. Die Alternative heißt hier nicht Sozialhilfe (die gibt es nur insgesamt 5 Jahre im Leben eines Amerikaners), sondern im Straßengraben schlafen. Da fällt das Lächeln für einen 2 Dollar 50- Job doch gleich viel leichter.
Amerika – das ist mir hier klargeworden – ist keine großartige Nation und ganz gewiss kein Vorbild für Europa. Bei aller Schönheit der Nationalparks: Ich möchte hier nicht mal begraben sein. Dennoch werde ich die USA auf jeden Fall wieder besuchen, denn ich kann diese Weite einfach nicht mehr vergessen … Wer in den USA einmal stundenlang durch ein einziges Tal gefahren ist weiß was ich meine.
Natürlich könnte ich mich in Nordfriesland auf einen Deich stellen und dann weit gucken, aber das ist einfach nicht dasselbe. Der Himmel – so scheint es – ist in den USA viel höher, nur zeigt er dir nicht wie klein du bist – er verspricht dir neue Möglichkeiten. So sehr ich mein zu Hause liebe – Hamburg ist mir irgendwie zu klein geworden.
Jörn Daberkow


























19. März 2010 um 09:29 Uhr
Fortpflanzungsgeräusche … *grins*
Ansonsten finde ich deine abschließende Zusammenfassung deiner Beobachtungen und deine Bewertung sehr interessant. Sehr schön.
Gruß, Ulf
19. März 2010 um 13:50 Uhr
Sehr schöner Abschluss einer tollen Serie von Fotos und Berichten. Vielen Dank dafür! :-)
23. März 2010 um 16:12 Uhr
Ganz tolle Fotos! Den Text lese ich noch…
4. Juli 2010 um 11:56 Uhr
Hallo Joern
Sack starke Bilder, die Du hier präsentierst CHAPPEAU!!
Darf ich Dich fragen, mit welchem Werkzeug Du die tollen Himmel (Blau) Verläufe machst, wie auf dem ersten Bild ganz oben?
Gleiche Möglichkeiten wie in Lightroom bestehen ja meines Wissens in Aperture 3 nicht oder irre ich mich da?
Wäre Dir sehr dankbar, wenn Du mir ganz kurz einen kleinen Tip zu dieser Bearbeitung geben könntest.
Herzlichen Dank schon jetzt und
Freundliche Grüsse aus der Schweiz
Ruggero
4. Juli 2010 um 12:01 Uhr
Hallo Ruggero,
danke.
Lightroom kam hier nicht zum Einsatz. Ich fotografiere mit einer Olympus E-3 und bearbeite meine Bilder mit Aperture. Viel musste ich hier aber gar nicht machen.
Jörn
4. Juli 2010 um 12:11 Uhr
Ooh herzlichen Dank Joern für die schnelle Antwort!
Aberder geniale Himmel Verlauf, wie hast Du den hingekriegt?
Was hast Du da in Aperture verwendet?
4. Juli 2010 um 12:15 Uhr
So, ich habe das besagte Bild eben noch mal in Aperture aufgemacht. Für den Himmel habe ich lediglich die Tonwerkte angepasst – aber wirklich nur ganz vorsichtig. Das Foto kam fast genau so aus meiner E-3.
4. Juli 2010 um 13:19 Uhr
Toll, wirklich genial Deine Bilder echt!
Habe mir diese Woche einen iMac 27″, mit i7 Prozessor bestellt und bin schon ganz gespannt.
Trete nach ca. 15-Jähriger Windows Abhängigkeit ;-) jetzt endlich auch ins Apfel-Lager über.
Liebäugle deshalb ernsthaft mir auch Aperture 3 zuzulegen.
Dein Review, vor allem aber Deine Bilder haben mich eigentlich restlos überzeugt.
4. Juli 2010 um 13:21 Uhr
Willkommen im Club! Dann kannst du jetzt ja regelmäßig mitlesen. ;-)
Der 27″-iMac ist schon klasse …
4. Juli 2010 um 13:31 Uhr
Na klar doch habe hier manch spannenden Artikel entdeckt.
Ja, der iMac hat’s mir wirklich auch angetan.
Ganz besonders freue ich mich wie gesagt auf Aperture 3.
Lese schon seit längerem Test’s, Usermeinungen und dergleichen.
Der Grossteil ist mit diesem Programm scheinbar sehr glücklich.
4. Juli 2010 um 13:46 Uhr
Ja, das bin ich auch. Mir fehlt zwar eine schöne Webgalerie-Funktion a la Lightroom, aber ich habe eben auch Lightroom und nutze dann halt die Galerien daraus.