Test: Sony NEX-5

Am 16. September ist Sonys Beitrag zum Thema „Systemkamera“ bei mir eingetroffen. Der freundliche TNT-Mann brachte sie gegen Mittag vorbei und gleich nachdem er mir das kleine Paket in die Hand drückte, bemerkte ich mit einer gewisse Verwunderung das hohe Gewicht.

Sony NEX-5

Sony NEX-5 – fotografiert mit Olympus E-P1

Sony hatte mir das Kit mit dem 16 mm und dem 18-55 mm geschickt. Aber auch direkt ausgepackt lag (mit dem 18-55 mm) immer noch eine überraschend schwere Kompaktkamera in meiner Hand. Ich konnte natürlich nicht widerstehen und hab’ die kleine Sony sofort neben meine PEN gestellt, die immer eine Armeslänge von mir entfernt auf dem Schreibtisch liegt.

Da es schon den einen oder anderen NEX-Test gibt, werde ich auch mal vergleichend zur PEN hinübersehen. Ach ja: „hinübersehen“. Im Test kommen keine Messgeräte zum Einsatz. Alle Bilder werden in Aperture 3 geöffnet und auf meinem 24 Zoll iMac beurteilt.

Äußerlichkeiten

Optisch machen beide Kameras eine gute Figur, wobei die PEN in ihrem silbernen Metallgehäuse noch etwas mehr hermacht – wenn man auf den Retrolook steht, den die „Oly“ zur Schau trägt. Die kleine Sony ist trotz des darin verbauten APS-C-Sensors noch mal eine ganze Ecke kleiner – ohne, dass sie das wirklich „hosentaschen-kompatibler“ machen würde, als es die PEN mit dem 14-42 mm Glas schon (nicht) ist.

Sonys NEX-5 bietet nur wenige Knöpfe. Oben rechts und somit knapp hinter dem Auslöser, befindet sich der Ein- / Ausschalter. Links daneben gibt’s die Taste, mit der man sich die geschossenen Fotos anschauen kann. Die Gehäuserückseite zeigt von oben nach unten:

  • Die Menütaste
  • Ein Funktionswählrad und
  • Ein Knopf für Aufnahme-Tipps

Ich stehe ja bekanntermaßen auf Minimalismus – nur nicht in der hier gebotenen Form, weil er dazu führt, dass man öfter mal das Menü aufrufen muss, um z. B. den ISO-Wert wie gewünscht zu ändern, oder die Speicherkarte zu formatieren. Die Bedienung über das Display geht allerdings sehr gut, da die Struktur logisch ist und man die benötigten Funktionen zügig findet.

Am Rand des Displays gibt es leider einen kleinen Aufkleber, der darüber informiert, dass hier 921.600 Pixel Auflösung geboten werden. Ich kann es überhaupt nicht leiden, wenn ich von Kameras, Notebooks oder sonst was erstmal diverse Aufkleber entfernen muss.

Mit diesem (nur hochklappbaren) Display …

… lässt sich die Kamera sehr schön bedienen und konfigurieren und letzteres habe ich dann als erstes getan.

Konfiguration

Die oberste Menüebene zeigt 6 fein aufgelöste Symbole, über die dann die korrespondierenden Unterpunkte erreicht werden.

Das Menü ist übersichtlich und man findet schnell die gesuchten Punkte.

Dinge wie eine Gesichtserkennung schalte ich grundsätzlich aus, weil ich bis ins Detail bestimmen will, wie die Kamera arbeitet. Sony legt auf Wunsch in Sachen Automatismus sogar noch nach. Es gibt den Punkt „Lächelerkennung“. Damit lässt sich definieren, ob die Kamera bei starkem, normalem oder leichtem Lächeln auslöst. Das ist abgefahren. Ich versuche mir das gerade vorzustellen: Da stehen 3-4 Leute vor der Kamera, die alle wissen, dass die NEX ein entsprechendes Feature hat. Der Fotograf ruft dann („starkes Lächeln“ ist eingestellt): „Mehr lächeln, mehr lächeln! Sie löst noch nicht aus! Lächelt noch mehr!“ Und nein, ich habe es nicht ausprobiert.

Der kleinstmögliche ISO-Wert liegt bei 200 – das kenne ich schon von Pentax. Ich vermag nicht zu beurteilen, ob ISO 100 bessere Bilder geliefert hätte.

Der Farbraum war auf sRGB eingestellt – was ich auf RGB umgestellt habe (RGB bietet den größeren Farbraum). Zudem ist mein ganzer Workflow in RGB eingerichtet. Da die Hilfeanzeige bei jedem Menüpunkt automatisch aufpoppt, habe ich sie deaktiviert.

Ich fotografiere fast immer im manuellen Modus, deshalb galt es erstmal (wenn möglich ohne Anleitung) herauszufinden, wie man zwischen Belichtungskorrektur und Blendeneinstellung umschaltet. Das geht super simpel über das Funktionswählrad. Einfach mit dem Finger auf den unteren Rand des Rades drücken. Damit wechselt man zwischen den beiden Punkten.

Per Menüpunkt lässt sich noch wählen, ob man im 3:2 oder 16:9-Format fotografiert. Ich mag das 16:9 Format überhaupt nicht, da es mir im Vergleich zur Breite nicht genug Höhe bietet. Klar, dass ich mich für das 3:2-Format entschieden habe. Zu guter Letzt habe ich dann noch das RAW-Format aktiviert, denn nur damit habe ich bei der anschließenden Bildoptimierung alle Reserven in der Hand.

Es wird Zeit für erste Fotos. Ich gehe dann mal raus …

Praxiseinsatz

Auf der Suche nach Motiven, habe ich mich dabei erwischt, dass ich nicht recht wusste, wie ich die NEX tragen soll. Sicher, die Kamera verfügt über einen Griff, der an derselben Stelle angeordnet wurde, wie es auch bei Spiegelreflex-Modellen der Fall ist, hier ist er nur viel zu klein. Ich habe die Sony dann einfach am Objektiv getragen. Bei der Olympus PEN ist das übrigens nicht anders, wobei ich es von Olympus irgendwie konsequenter finde, den Griff dann ganz wegzulassen.

Bildqualität

Was mir beim Fotografieren und anschließenden Betrachten der Bilder aufgefallen ist: Die NEX 5 neigt zur Überbelichtung. Ich habe die Belichtung dann immer ein bisschen in den Minusbereich (-0,3 bis -0,7) korrigiert. So oder so kann man – wenn die Überbelichtung nicht zu stark war – die Details bei der anschließenden Bildoptimierung zurückholen.

Das 18-55 mm Objektiv (3,5-5,6), das Bestandteil dieses Kit-Angebotes ist, gefällt mir äußerlich sehr gut. Es macht mit seinem Gewicht und dem Metallfinish einen hochwertigen Eindruck. Fotografisch kämpft es allerdings mit sichtbaren geometrischen Verzerrungen, die bei 18 mm deutlich tonnenformig sind …

und bei 55 mm sichtbar in den kissenförmigen Bereich gehen.

Somit wäre dieses Glas für Architektur-Fotografie unbrauchbar. Bei Landschaftsfotos wird man diese Verzeichnungen naturgemäß kaum wahrnehmen.

Das 16 mm Objektiv (ebenfalls Kit-Bestandteil) ist leider auch nicht frei von geometrischen Verzerrungen, die hier vor allem in den Ecken auftreten.

Gerade Elemente werden in den oberen Ecken nach oben gezogen. In den unteren Ecken entsprechend nach unten. Auch das 16 mm Objektiv ist somit – in meinem Augen – nicht für Architektur-Fotografie geeignet.

Hier gibt es RAW-Dateien als Download. Dann kann jeder selbst schauen, wie es um die Bildqualität bestellt ist.

Abschließend

Die NEX-5 (und nur die wird hier bewertet) bietet eine Bildqualität, die wegen des großen APS-C-Sensors Meilen von Kompaktkameras mit Minisensor entfernt ist. Leider wird dieses Potenzial von den mitgelieferten Objektiven der NEX bei weitem nicht ausgereizt. Ich hoffe deshalb, dass Sony bald bessere Objektive für die Hauseigene Systemkamera herausbringt, denn grundsätzlich bietet die kleine NEX eine sehr gute Bildqualität.

Meine Meinung

Das Gehäuse der NEX-5 ist mir irgendwie zu klein. Und egal, welches Objektiv man jetzt oder in Zukunft ansetzt: Die Kamera wird niemals Hosentaschentauglich sein. Der Griff auf der rechten Seite hat zumindest für mich keinen praktischen Nutzen – er stört sogar. In Schwarz gefällt mir die kleine Sony zudem nicht, weil dadurch ein „günstiger“ Look entsteht. Aus der geringen Größe ergibt sich, dass nicht mehr Knöpfe mit eigenen Funktionen aufs Gehäuse passen. Schade.

Die Bildqualität ist wirklich exzellent und die große Auflösung bietet schöne Reserven für Auschnittsvergrößerungen. Das ausklappbare Display hilft auch aus bodennahmen Positionen zu Fotografieren.

Jörn Daberkow

Preis (Sony NEX-5 + 18-55 mm + 16 mm)

  • 749 Euro

Hersteller

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Fotografie und Musik sind ein substanzieller Teil meines genetischen Codes und keine freie Entscheidung.

26 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Bei diesen Verzerrungen die Testnote 1 zu vergeben, halte ich dann doch für übertrieben – da sollte man die Kamera dann doch etwas abwerten. Die Verzeichnungen sind auf den Beispielbildern schon sehr extrem. Da darf ja keine gerade Seite oder Kante am Rand im Bild sein.

  2. Hallo Ulf,

    schau in die Überschrift. Da steht “Test: Sony NEX-5″.

    Die Schwächen der Objektive habe ich hier trotzdem deutlich genannt und gezeigt, aber das macht die grundsätzliche Bildqualität der Kamera nicht schlechter. Ein vernünftiges Glas darauf und dann ist die kleine NEX wirklich gut.

    Jörn

    • Hey … Ist doch nix los. Die Gläser sind wirklich schlecht und so lange Sony da nichts besseres anbietet, kann man die Kamera trotz der gebotenen Bildqualität nicht wirklich empfehlen. Es sei denn, man kauft gleich den Adapter dazu und nimmt die “großen” Objektive der DSLRs. Aber damit wäre die NEX dann schon sehr unhandlich.

  3. Die Verzerrungen sind schon recht heftig. Hast Du mal versucht, was die Korrektur in der EBV da richten kann? Die drei Bilder sind ja leider nicht im Download-Pack dabei, sonst hätte ich mal die Objektivkorrektur von Bibble und Lightroom probiert…

    Gruß
    Andreas

    • Hi Andreas,

      darum ging’s (mir) hier nicht. Sicher kann man mit irgendeiner Software jede Verzerrung aus einem Bild herauskorrigieren, aber das kann hier ja nicht das Ziel des Tests sein. Hier wollte ich einfach nur zeigen, was die Kit-Objektive “abliefern”.

      Jörn

  4. Schöner Test – mit unerwarteter Testnote 1. Dachte nicht, dass du dich dazu durchringst, die NEX tatsächlich so gut zu bewerten. :)

    Design ist bekanntlich Geschmacksache – ich finde die NEX-5 in schwarz wesentlich wertiger und schöner als in silber, und dass ich retro nicht mag, weißt du ja auch. Der Griff ist wirklich praktisch – vorausgesetzt, man ist bereit, sich komplett umzugewöhnen – man muss mit der Hand so weit zurück rutschen, bis die Finger am Griff sitzen, und sie dann mehr wie eine Kompaktkamera als eine SLR halten.

    Verzeichnung und Objektive: Stimmt leider völlig, ich verlasse mich da aber auf meine Quelle, dass zur Photokina die vier besagten Objektive erscheinen, die dann wohl bessere Leistung bringen sollten.

    Hosentaschentauglich: Mit dem 16mm Objektiv und ‘ner Outdoor-Hose z.B. beim Wandern hat die ganz leicht in der unteren Tasche platz – ohne beim Gehen zu stören. Muss man halt “kompatible” Hosen haben. ;)

    Hannes

    • Doch, warum nicht? Die kleine NEX könnte qualitativ sehr gute Bilder machen – wenn die Gläser mitspielen würden. Da sollte Sony unbedingt nachlegen. Wenn da was gutes kommt, bin ich neugierig, wie viel Euros dafür aufgerufen werden.

  5. Hallo Jörn, bei deinen deutlichen Kritikpunkten kann ich die 1 nicht nachvollziehen. Allein die Verzeichnung ist ein Minuspunkt……

    • Moin Walter,

      gleiche Antwort, wie weiter oben an Ulf: Hier wurde die NEX-5 getestet – nicht die Objektive. Die Kamera ist in der Lage, exzellente Bilder zu machen, nur sind die aktuellen Gläser dazu nicht im Stande. In diesem Test ging es aber nur um die Kamera. Zitat aus meinem ersten Satz unter “Abshließend”: “Die NEX-5 (und nur die wird hier bewertet) …”.

      Jörn

  6. Ein recht kurzer Test. Wolltest du nicht die beiden Kameras vergleichen, nicht nur in Gehäusegröße, Gewicht und Tragekomfort/Westentaschentauglichkeit (habe auf side-by-side gehofft)? Wie siehst mit der Bildqualität oder der Alltagstauglichkeit/Bedienung aus im direkten Vergleich aus?

    Ich muss mich den beiden Herren (Andreas, Walter), selbst mit der mehrfachen Betonung darauf, dass es hier NUR um den NEX-Body geht, anschließen: Note 1 bei all’ der Kritik an Optik, Griff, fehlender Knöpfe, und einem “möglichen” Potenzial, wenn denn dann mal gute Linsen kommen, ist seeeehr wohlwollend ausgedrückt.

    • Hi Erich,

      ja, der Test ist kurz. Ich hatte eigentlich einen umfangreichen Vergleich im Sinn, das hat sich für mich allerdings während des Tests immer mehr relativiert, weil ich finde, dass man beide Kameras nicht wirklich gut miteinander vergleich kann – zumindest konnte ich es nicht so, dass ich mich damit wohl gefühlt hätte.

      Meine PEN hat mit dem 14-42mm ein so viel besseres Glas, dass einfach keine Vergleichbarkeit da war. Ich finde auch, dass die Konzepte sehr unterschiedlich sind. Aus vielen geplanten Gegenüberstellungen ist letztlich nur ein sehr kleines Häufchen von vorsichtigen Vergleichen geworden.

      Die PEN ist deutlich größer und hat viel mehr Bedienknöpfe. Sie macht mindestens ebenso gute Bilder bei gutem Licht, rauscht aber bei wenig Licht früher. Irgendwie sind beide Kameras zwei Seiten ein und derselben Münze.

      Was die Gewichtung und die sich daraus ergebende Note angeht: Für mich ist immer noch die Bildqualität das wichtigste Kriterium. Das mag nicht für jeden so sein – aber zumindest ist es meine Wertung und meine Gewichtung. Ansonsten standen meine übrigen Vorbehalte im Test. Wer anders gewichtet, kann sich denken, dass seine eigene Note vielleicht keine 1 geworden wäre.

      Jörn

  7. Ich hab mir heute mal die NEX-5 und die NEX-3 angeschaut und war erschrocken, wie “billig” und wenig wertig beide Kameras auf mich wirkten.

    • Die NEX-5 wirkt auf dich billig? Kann ich überhaupt nicht nachvollziehen … Das Gehäuse finde ich klasse!

      Und weil’s mir grade aufgefallen ist: Jörn, das Display lässt sich auch runterklappen! Musst du im Test korrigieren.

      • Ich kann mit diesem “Plastikbomber”-Gehäuse nicht wirklich. Das wirkt auf mich immer minderwertig und lieblos.
        Wenn man mal das Objektiv anfasst, hat man das Gefühl, dass selbiges gleich auseinander fällt.
        Ist etwa wie der Unterschied zwischen Sony Vaio mit Hartplastikgehäuse und einem Unibody MBP. Auch hier finde ich das MBP rein von der Verarbeitung wertiger und “vertauenserweckender”. Aber generell fällt mir auf, dass auch DSLRs in der 1000 Euro-Klasse mitunter sehr “billig” daherkommen.

        • Du sagst zum Magnesium “Plastikbomber”? Hattest du auch wirklich die NEX-5 und nicht nur die NEX-3 in der Hand? Ich zumindest konnte vom Gehäuse her nichts hochwertigeres unter 1000 Euro finden als die NEX-5. Die Aluobjektive wirken auf mich auch total stabil – klar, nichts im Vergleich zu High-End, aber in der Kameraklasse doch etwas vom Besseren.

          • Ich hatte beide Kameras, NEX-3 und NEX-5 neben einander, bei beiden dass gleiche “billige” haptische Erlebnis.
            Ich hatte ganz ehrlich bei der NEX-5 mehr erwartet.
            Und ich gehe nicht davon aus, dass es sich um ein “Magnesium”-Gehäuse handelt (das gehört ins Land des Marketingsprechs), sondern wohl eher um Gehäuse aus einer Magnesium-Legierung im Druckgusssverfahren gefertigt.
            Reines Magnesium reagiert ziemlich schnell mit Sauerstoff und oxidiert (Opferanode).

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