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Test: Sony 70-400 mm f4-5,6 G SSM

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Im August des vergangenen Jahres hat Sony mich mit drei Objektiven ausgestattet in den Urlaub geschickt. Neben dem Carl Zeiss Vario Sonnar 24-70 mm 2,8 ZA SSM und dem Sony 70-300mm f4,5-5,6 G SSM, war auch das zu dem Zeitpunkt wegen seines silberfarbenen Designs vielgescholtene Sony 70-400 mm f4-5,6 G SSM dabei. Über das 24-70 mm 2,8 ZA gibt es ja bereits einen Praxistest; hier möchte ich nun das große Telezoom vorstellen. Auch ich musste mich erstmal an die Farbe gewöhnen, aber das 70-400 hat mich schnell von seinen Vorzügen überzeugt …

Überblick

Ich habe das gute Stück jetzt bald gute 9 Monate lang in Betrieb und es dürfte in dieser Zeit wohl das meistgenutzte Objektiv sein. Es hat inzwischen sogar mein immer sehr geschätztes 4,5/500er ins Exil befördert, da ich trotz der etwas geringeren Brennweite mit dem Silberling meine Bildausbeute deutlich steigern konnte und zwar schlicht und einfach, weil ich das 70-400er meistens dabei habe, wenn es etwas abzulichten gibt. Das 500er hingegen war so groß und schwer, dass ich es nicht ständig „mal so eben“ in den Rucksack gepackt und in die Pampa geschleppt habe.

Damit habe ich auch schon einen der großen Vorteile des 70.400ers genannt: Es ist relativ leicht und handlich, und darum (fast) immer dabei, wenn ich es brauche. Dazu fiel mir bereits beim Auspacken auf, dass das Objektiv leichter ist, als es aussieht, was auf den klugen, aber nicht übermäßigen Einsatz von Kunststoff zurückzuführen sein dürfte.
Trotz besagtem Kunststoffeinsatz ist das Objektiv überaus solide gebaut und macht von der Verarbeitung einen hervorragenden Eindruck, auch wenn das „Anfassgefühl“ nicht ganz an das Zeiss Vario Sonnar herankommt. Ich möchte allerdings gar nicht wissen, wie viel das Ding in Vollmetallausführung auf die Waage bzw. die Schultern bringen würde.

Außerdem fährt beim Zoomen Richtung 400 mm Brennweite der Tubus des Objektives ziemlich weit aus, so dass die Kamera-Objektiv-Kombi dabei sehr kopflastig werden würde. Ich finde hier zeigt sich, dass der Einsatz von Kunststoffen manchmal auch sinnvoll sein kann.

Das 70-400er verfügt über eine solide gefertigte Stativschelle, deren Stativgondel schön dicht am Tubus liegt, so dass man diese zwar nicht als Handgriff missbrauchen kann, sie damit aber ihren eigentlichen Zweck viel besser erfüllt. Die Stativschelle lässt sich bei Bedarf abnehmen, allerdings nicht bei angesetzter Kamera. Leider verfügt die Schelle nicht über Rastpunkte, die ein Ausrichten des Objektivs im Quer- oder Hochformat erleichtern würden. So muss man sich immer an den Markierungen an Schelle und Tubus orientieren, welche aber zum Glück nicht nur aufgemalt, sondern auch leicht versenkt ausgeführt sind, so dass sie als dauerhafte Hilfe erhalten bleiben werden.

Weiterhin finden sich am Tubus des Objektives zwei griffgünstig gelegene Fokus-Stop-Tasten sowie ein Schiebeschalter für die Fokusbereichsbegrenzung, mit deren Hilfe sich das unnötige Durchfahren des gesamten Entfernungsbereiches verhindern lässt. Leider lässt sich diese jedoch nicht so einstellen, dass sich die Fokussierung auch nur auf den Nahbereich einschränken lässt, was ich bei der durchaus guten Naheinstellgrenze des Objektivs von 1,5m für ganz sinnvoll halten würde. So kann man lediglich zwischen den Bereichen unendlich bis drei Meter wählen – und dem gesamten Fokusbereich, der sich dann von unendlich bis 1,5 m erstreckt. Mit dem Schiebeschalter des Bereichsbegrenzers lässt sich das Objektiv auch auf manuelle Fokussierung umschalten, was ich aber nicht benötige, da dies an meiner Alpha 900 mit dem genialen AF/MF-Knopf schneller und noch einfacher möglich ist.

Der Autofokus des Sony 70-400 mm f4-5,6 G SSM wird (wie der Name schon vermuten lässt) durch einen Ultraschallmotor angetrieben, bei Sony eben SSM genannt. Dieser Antrieb ist einerseits nahezu lautlos und andererseits sehr schnell und sicher.

Ein weiterer Vorzug des SSM-Antriebs besteht darin, dass es jederzeit möglich ist, manuell in den Scharfstellvorgang einzugreifen um den Autofokus sozusagen zu „überstimmen“ oder letzte Feinkorrekturen vorzunehmen, nachdem der AF die Vorarbeit erledigt hat. Allerdings ist letzteres kaum nötig, da die Kombi mit der Alpha 900 sehr exakt und zügig scharf stellt.

Was ich im Zusammenhang mit dem Ultraschallantrieb der Fokussierung etwas gewöhnungsbedürftig fand ist die Tatsache, dass es keinen deutlichen Anschlag bei Erreichen der Naheinstellgrenze oder der Unendlicheinstellung gibt. Man kann den Enfernungseinstellring ganz einfach über diese beiden Grenzen hinaus weiterdrehen, was zumindest mich anfangs etwas irritiert hat. Ebenfalls gewöhnen musste ich mich daran, dass Sony den Entfernungseinstellring nicht, wie üblich vorne am Objektiv platziert hat, sondern die Positionen von Zoom- und Fokusring vertauscht hat. Nach kurzer Zeit fand ich das so aber viel praktischer, weil man beim normalen Halten der Kamera-Objektivkombination automatisch den Zoomring in der Hand hat und so viel schneller auf Motivveränderungen reagieren kann. Der Scharfstellring befindet sich also nah am Gehäuse und auch dieser lässt sich nach meinem Empfinden hier deutlich genauer und feinfühliger bearbeiten, als wenn er sich vorne am Objektiv befände. Inzwischen frage ich mich tatsächlich, warum da erst Sony darauf gekommen ist.

Mit im Lieferumfang befindet sich eine per Bajonettanschluss zu befestigende, tulpenförmige Streulichtblende aus Plastik, die zwar gut einrastet und fest sitzt, mir persönlich aber etwas „spiddelig“ scheint. Andererseits ist sie so schön leicht und belastet den in Telestellung weit ausfahrenden Tubus des Objektivs nicht unnötig. Immerhin lässt sie sich umgekehrt auf dem Objektiv befestigen und somit platzsparend transportieren. Zudem bringt die Streulichtblende eine kleine, per Schieber verschließbare Aussparung zu Bedienung eines Polfilters mit.

Alles in Allem erfüllt sie ihren Zweck, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass wenigsten hier eine etwas weniger auffällige Farbe, meinetwegen auch optional, zur Wahl stünde. Ich muss gestehen, dass ich das gute Stück (zu Jörns Entsetzen) schon mit einer Tarnfolie beklebt hatte, die sich allerdings in der sommerlichen Hitze Südfrankreichs als nicht allzu standhaft erwies. Als Nächstes werde ich mal bei einem Folienbeschrifter nachfragen, ob der mir das Teil mit schwarzer Folie „einwickeln“ kann. Und wer weiß: Vielleicht bringt mir das ja auch das letzte vermisste Quäntchen an zusätzlicher Stabilität?

Zusammen mit der Alpha 900 habe ich eine rund fünf Pfund wiegende, vernünftig ausbalancierte und noch gut aus der Hand zu nutzende Einheit, die sowohl vom Handling als auch von den Ergebnissen viel Spaß macht.

Die Einstellringe laufen weich und satt und haben kein Spiel. Die Schalter und Knöpfe sitzen dort, wo die Finger sie suchen und beim Tragen der Kombi fiel mir positiv auf, dass der Objektivtubus nicht selbständig ausfährt, selbst wenn die Frontlinse nach unten hängt. Ich finde, dass dieses Stück sich die „G“-Klassifizierung redlich verdient hat. Zumindest, was die mechanischen Belange betrifft.

Alpha 900, Sony 70-400mm f/4-5.6 SSM G @ 400mm bei f5,6, ISO 200

Bildqualität

Und wie sieht es mit der optischen Qualität aus? Als ich die ersten Bilder auf dem Monitor sah war mein erster Gedanke: „ der Hammer“, oder wie Lena sagen würde: „ voll fett!“.

Ich meine das Sony 70-400 mm F4-5,6 G SSM ist ein Zoomobjektiv mit einem nicht gerade kleinen Brennweitenbereich und ich behaupte jetzt, dass es sich hier um die in diesem Bereich beste Konstruktion handelt, die man derzeit kaufen kann. Die Schärfe- und Kontrastleistung ist schon bei Offenblende hervorragend und CAs produzierte es so gut wie gar nicht.

Nach inzwischen neun Monaten Erfahrung mit diesem Teil habe ich festgestellt, dass es nicht (wie so viele Konkurrenten) am langen Brennweitenende leistungsmäßig nachlässt, sondern über den gesamten Brennweitenbereich eine gleichmäßig hohe Leistung abliefert. Sicherlich ist eine maximale Öffnung von f5,6 bei 400 mm Brennweite nicht der Kracher, aber das Sony-Glas bleibt dadurch tragbar und ist in Verbindung mit dem im Kameragehäuse integrierten Bildstabilisator sogar gut freihandtauglich. Auch Freistellen ist mit f5,6 und 400 mm noch gut möglich, wobei ich auch das Bokeh dank der gerundeten Blendenlamellen als recht angenehm empfinde. Man kann das 70-400 mm wirklich bei f5,6 benutzen und muss auch bei höheren Qualitätsansprüchen nicht abblenden.

100 %-Ausschnitt aus dem oben gezeigten Bild

Für mich steht eindeutig fest, dass sich der Silberling auch in optischer Hinsicht das “G” redlich verdient hat.

Das gefällt mir nicht

Eine etwas weniger auffällige Farbgebung würde dieses Objektiv für den Wildlife-Fotografen perfekt machen. Wenigstens die Streulichtblende sollte es in schwarz geben.

Das gefällt mir

Insbesondere natürlich die Bildqualität und gleich danach die hervorragende Verarbeitung. Beides ließ keinen Zweifel an der Qualität dieses Objektivs aufkommen. Außerdem finde ich ausnahmsweise mal den Preis für dieses Super-Objektiv mehr als angemessen. Auch die gute Naheinstellgerenze finde ich außerordentlich nützlich.

Andreas Lettow

Preis

  • ca. 1.400 Euro

Hersteller

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9 Kommentare

  1. Ein wirklich beeindruckendes Spielzeug. :D
    Vor allem die Detailtreue bei 400mm Brennweite ist schon der Knaller. Die Preisklasse ist dann natürlich gerechtfertigt.

  2. Naja, ich finde es ehrlich gesagt noch recht günstig.
    Das Canon EF 100-400 1/4.5-5.6L IS USM ist nicht billiger, und das Nikon AF VR Zoom-Nikkor 80-400 mm 1:4,5-5,6D ED liegt eher leicht d’über.
    Mal abgesehen davon, daß die beide nicht an meine Kamera passen ;-)
    Und besser sind die sicherlich nicht.

    Gruß
    Andreas

  3. Hallo Andreas,

    danke für diesen umfangreichen und ausführlichen Testbericht. Ich selbst hatte mir das SIGMA 150-500 ausgesucht, aber SIGMA hat Lieferprobleme mit der Sony-Variante und nun werde ich mir das Sony 70-400 auch zulegen. In Verbindung mit der Alpha 900 bin ich hoffentlich ebenso begeistert wie Du selbst…

    Liebe Grüße und danke,

    Rene

  4. @ Das wird so sein, da bin ich sicher :-)
    Gruß
    Andreas

  5. Schade nur, dass Sony SLRs und Objektive noch nicht so verbreitet sind, wie Canon oder Nikon. Da gilt es für Sony, noch etwas aufzuholen.

  6. Ich denke da arbeiten die weiter d’ran … ;-)

  7. Ich habe mir das Objektiv ebenfalls heute gekauft und bin absolut begeistert. Ich verwende es in Verbindung mit der Sony Alpha a55 und ich muss sagen, dass die beiden super zusammenarbeiten. Meiner Meinung nach gibt es nur einen Begriff der das Sony 70-400 G SSM korrekt und angemessen beschreibt: “Phantastisch” ;)

    Gruß,

    Olli

  8. Hallo,

    super Testbericht.
    Falls ich das nötige Gleingeld zusammen bekomme, werde ich mir das Objektiv auch zulegen.
    Eine Frage nebenbei: ab welcher Kamera lohnt sich das Objektiv denn? Macht es also Sinn das Objektiv an einer Einsteiger Kamera (a300er Serie) zu betreiben, oder sollte es da doch eher eine höher wertigere Kamera sein?
    Ich danke schon mal für eine Antwort,

    Phil

  9. Natürlich kannst Du das 70-400er gut auch an der a300 oder a350 nutzen. Ich verwende es selber manchmal noch an meiner 100er und habe absolut keinen Grund zu klagen ;-)
    Aber Achtung: aufgrund des kleineren Sensorformates entspricht das 70-400er an Deiner Kamera in etwa einem 105-600er… auch nicht schlecht, oder?

    Gruß
    Andreas

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