Alte Zeiten … Ich kenne noch die Skoda 105 Modelle und als kleiner Junge waren die für mich das Maß der Dinge – weil ich mich da so schön hinter den klappbaren Rücksitzen verstecken konnte. Wenn ich es recht erinnere, hatten die da einen kleinen extra Stauraum, zusätzlich zum Kofferraum (der glaube ich vorne war). Mein Vater hatte natürlich ganz andere Gründe für seine Begeisterung. Für ihn zählte schlicht, dass das Auto einfach zu reparieren war und möglichst keine elektrischen Fensterheber, keine Servolenkung und keine Transistorzündung verbaut worden ist („das geht alles nur kaputt“). Als ich dann den Testwagen in Empfang nahm, stellte sich bei mir tatsächlich ein gewisses Retrofeeling ein, aber bestimmt nicht wegen der alten Zeiten, sondern wegen des weiß lackierten Daches. Auf den zweiten Blick fragte ich mich unwillkürlich, wo denn die Weißwandreifen sind …

… nun, Weißwandreifen gibt es leider nicht und beim anschließenden in-Augenschein-nehmen vermisst man sie auch nicht wirklich (obwohl ich mir ganz sicher welche bestellen würde). Was zählt, ist eine gelungene Form und Eigenschaften wie das Preis-Leistungsverhältnis, der Verbrauch, das Platzangebot und so weiter … Und all das schauen wir uns jetzt mal an.
Formensprache
Äußerlich ist der Fabia definitiv ein Hingucker, denn obwohl dieser Wagen schon „ein paar Tage“ auf unseren Straßen unterwegs ist, schauen ihm immer noch viele Leute hinterher.
Die Form ist recht eigenständig, erinnert aber den Hauch eines Bisschens an den Mini. Vielleicht liegt‘s daran, dass das Pendant von BMW auch mit einem weißem Dach zu haben ist? Egal …

Von vorne und von der Seite betrachtet, zeigt der Fabia eine recht dynamische und kraftvolle Linie. Die Türgriffe stammen aus den Regalen des VW-Konzerns und dagegen ist auch nichts einzuwenden, denn die sind sehr gut gemacht. Mir gefällt es in jedem Fall besser, einen Türgriff umfassen zu können, als ihn hochklappen zu müssen. Die Außenspiegel sind zu zwei Dritteln in Wagenfarbe lackiert – das untere Drittel ist in schwarz gehalten. Hier hätte es mir besser gefallen, wenn die durchgängig in Wagenfarbe ausgeführt worden wären.
Unterhalb des Nummernschildes erinnert die Front fast schon an „gewisse italienische Sportwagen“. Zusammen mit meinem roten Testfahrzeug macht das richtig was her!

Die Leichtmetallräder zeigen ein schönes Design – aufgezogen sind bei diesem Auto Niederquerschnittreifen, was dem Fabia das letzte Quentchen optischer Sportlichkeit verleiht.

Aufgefallen
- Sehr gelungen finde ich den herabhängenden Gummigriff der Hecklappe. Kleinere Fabia-Fahrer/innen brauchen sich dann zum Schließen des Kofferraums nicht auf die Zehenspitzen zu stellen.

- Auf der rechten Seite Gepäckraum ist ein kleiner „Gartenzaun“, der Kleingepäck auf engem Raum so weit fixiert, dass es nicht herumfliegt.


- Die Frontscheibe bietet einen winzigen, transparenten Halter für Parkscheine

- der Wagenschlüssel lässt sich einklappen.

- Schade, dass die Sonnenblende auf der Fahrerseite keinen Spiegel hat – es soll ja auch Frauen geben, die den Wagen fahren (ich gucke auch gern mal nach, ob meine Augenbrauen noch “sitzen”!). Dafür hat man auf der Beifahrerseite wieder mitgedacht: Der in der Sonnenblende integrierte Spiegel lässt sich per Schieber verstecken – so muss man sich bei Gegenlicht nicht ständig anschauen.
- Auf der Beifahrerseite gibt es zwei Handschuhfächer – schön!
- Nicht so gelungen finde ich die Form der Handbremse. Die ist unten rund und oben eckig.
- Wenn man von irgendwoher kommt und den Schlüssel aus dem Zündschloss abzieht, geht automatisch das Deckenlicht an. Gute Idee!
Musik
Der Testwagen kam mit einer integrierten Audioanlage, die einen sehr guten Sound bietet.

Radio / CD-Kombi “Dance”
Die in Türen (Bässe) und Dachstreben (für die Höhen) eingesetzten Lautsprecher liefern satte Bässe und klare Höhen. Da bringt das Autofahren noch mal so viel Spaß!
Verarbeitung
Die Verarbeitungsqualität ist exzellent. Die Karosserie zeigt schön schmale Fugen und alles sitzt gerade und passt.
Der äußere Schein trügt? Kein Bisschen, denn auch innen macht das Auto einen hervorragenden Eindruck. Die Farbgebung der Sitze und Seitenverkleidungen ist recht zurückhaltend. Alle Bezüge sind in dunklen, dezenten Grautönen gehalten. Ich mag das sehr.

Die Skoda-Sitzbezüge
Auch die im Innenraum verwendeten Kunststoffe hinterlassen einen guten Eindruck. Dazu trägt nicht nur die Oberflächenstruktur, sondern auch die Passgenauigkeit bei. Ich habe schon Autos gesehen, bei denen das Plastik wellig und schief war. Einzig im Bereich der Mittelkonsole bietet der verwendete Kunststoff eine etwas weniger hochwertige Anmutung – wohl deshalb, weil hier auf eine Strukturierung verzichtet wurde.
Schön auch hier: bestimmte Bereiche wurden mit einer silbernen Umrandung versehen …


Das verleiht dem Innenraum eine edle Optik.

Seitenverkleidung Tür vorne
Technik
Skoda hat mir den Fabia HTP in der Version „Sport“ zum Test überlassen. Das Auto verfügt über einen Dreizylinder Benzinmotor mit 51 KW (70 PS). Das höchste Drehmoment von 112 Nm wird bei moderaten 3.000 Umdrehungen in der Minute erreicht.

Laut Werk ist das Auto in 14,9 Sekunden auf Tempo 100 und kommt auf rund 160 Kilometer Höchstgeschwindigkeit. Ich habe beides nicht nachgemessen, finde es aber glaubhaft. Was mich als lebendes Verkehrshindernis (50 km/h rules!) viel mehr interessiert ist das …
Fahrgefühl
Reinsetzen und wohl fühlen? Bei mir ist das so. Die Sitze passen wie angegossen. Meine Statur ist (inzwischen wieder) recht schlank. Ich bin 179 cm groß und 86 kg schwer. Aus meiner Sitzposition habe ich alle Hebel und Schalter in perfektem Zugriff. Der untere, linke Rand der Mittelkonsole liegt weit genug außerhalb der Reichweite meiner Knie. Das Lenkrad selbst hat genau die Griffigkeit, die ich mir wünsche – nicht klebrig, sondern griffig. Dennoch ist das Lenkrad noch so „glatt“, dass man es (aus einer Kurve kommend), von den Rückstellkräften noch schön durch die Hände gleiten lassen kann, damit es sich wieder gerade stellt. Sehr gut! Die Servounterstützung der Lenkung ist für meinen Geschmack optimal gewählt, da sie einerseits sehr leichtgängig ist, aber andererseits auf geraden Strecken nie ständiges Korrigieren erfordert.
Der Motor gibt beim Fahren einen relativ kernigen Sound von sich, der im Stadtverkehr jedoch nie störend wird. Es stellt sich eher das Gefühl ein, das in Sachen Vortrieb noch mehr geht – und tatsächlich: Beim Überholen lassen sich noch eine ganze Menge Reserven abrufen, was (im Wortsinn) leicht von der Hand geht, denn mit dieser Schaltung lassen sich alle 5 Gänge butterweich einlegen. Sehr gut!
Das Auto selbst liegt satt und solide auf der Straße. Nichts klappert – auch nicht auf einer extra für diesen Artikel gefahrenen Pflastersteinstraße. Die Federung des Fabia (ich mag es lieber weich) halte ich für einen akzeptablen Kompromiss aus Sportlichkeit und nicht zu hart abgestimmten Fahrwerk. Man nimmt nicht gleich jedes Schlagloch mit und Kopfschmerzen bekommt man auch nicht. Gut!
Zu wem passt der Fabia?
Ich finde, dass das der Fabia familientauglich ist. Der Innenraum bietet sowohl vorne, als auch hinten …

… mehr als ausreichend Platz und der Kofferraum sagt auch bei ein paar Gepäckstücken über dem Durchschnitt nicht nein – und für nur eine/n Fahrer/in ist dieser Wagen noch nicht überdimensioniert.
Während des Tests (beim Fotografieren) bin ich immer wieder von vorbeikommenden Menschen angesprochen worden. Meist ging es darum, dass das Auto eine schöne Farbe hat, um das weiße Dach (und die fehlenden Weißwandreifen), vom welcher Firma der Wagen ist („Skoda? Das hätte ich nicht gedacht“). Zwei Nachbarn haben es sich während meines Shootings nicht nehmen lassen, einmal auf dem Fahrersitz Platz zu nehmen. Ich habe deren Gesichter beim Einsteigen beobachtet und sah ernste Mienen. Alles wurde genau unter die Lupe genommen, die Schaltung ausprobiert, der Blinker betätig und die Sitze vor und zurück geschoben. Es dauerte nicht lange und in den Augen leuchtete jede Menge Begehren …
Fazit
Der hier getestet Skoda Fabia in der Sportversion hat mit dem seligen Modell 105 wirklich nichts mehr gemein – auch von den Vorgängermodellen Favorit und dem Felicia ist er Meilen entfernt. Das Auto ist rundum solide und macht einen hochwertig Eindruck. Ich hatte wirklich jede Menge Fahrspaß und gebe das Auto nur schweren Herzens zurück.
Jörn
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Plus
- Eigenständige Form
- Verarbeitungs- und Materialqualität
Minus
- Keine Weißwandreifen zum weißen Dach (ist nicht ganz ernst gemeint)
Ausstattung (Sport)
- ABS
- Bordcomputer
- Elektrische Fensterheber vorne
- Geschwindigkeitsregler
- Getönte Scheiben
- Höhen- und tiefenverstellbares Lenkrad
- Klimaanlage
- Pollen- und Staubfilter
- Radio mit CD und 8 Lautsprechern
- Seitenschutzleisten
- Zentralverriegelung mit Fernbedienung
- 6 Airbags (vorne, seitlich vorne, Kopfbereich Rücksitze)
Garantie
- 3 Jahre auf den Lack *
- 10 Jahre Anti-Rost *
- 12 Jahre gegen Durchrostung *
- unbegrenzte Mobilitätsgarantie *
* Voraussetzung sind Wartung und Inspektion beim autorisierten Skoda Partner nach den vorgeschriebenen Intervallen der Vorgabe des WIV-Systems



6. Juni 2008 um 12:19 Uhr
Sehr interessanter Test! Mal was völlig anderes, Autotests in dieser Form zu lesen. Macht Lust auf mehr!
Die Fotos: Einfach nur geil!
6. Juni 2008 um 15:51 Uhr
Fantastisch!!!
Diese Art von Testbericht finde ich wirklich sehr gut gelungen. Da ließt man von Anfang bis Ende alles durch. Auch die Vorgehensweise wie das Auto bis ins Detail beschrieben ist, ist dir sehr gut gelungen.
Zu den Fotos muss ich nichts sagen. Man merkt, dass du weißt, wie man den Wagen in Szene setzen muss. Erste Sahne!
Ich freue mich auf weitere Berichte. :)
6. Juni 2008 um 15:57 Uhr
Mensch Erich,
mein Gesicht nahm gerade Testwagenfarbe an – so ein fettes Lob … Danke dir (und Markus) – und freut mich sehr, dass der Test gefällt.
7. Juni 2008 um 08:43 Uhr
Hallo Du,
liest sich klasse, sehr interessant gemacht, und die Photos hast Du ja sogar ohne mich super hingekriegt ;-), Gratulation zu Deinem ersten Autotestbericht!
Haben die Leute von Skoda schon Bescheid gesagt, daß Du den Wagen jetzt behalten kannst? Würde mich nicht wundern…
Andreas
7. Juni 2008 um 08:48 Uhr
Wenn Skoda mir den Wagen wegen des Tests überlassen würde, wäre keiner überraschter als ich …
Aber auch keiner erfreuter! :-D
7. Juni 2008 um 12:03 Uhr
Hoffentlich hat dir dein Muskelfaserriss nicht zu schaffen gemacht, das unendliche Gasgeben tut der Heilung nicht gut. Na ja mußt du wissen, wenn du nächstes Jahr wieder mit dem Training von vorne beginnen willst. Mein Lieblingswort: Kondition. Gruß, der Steuermann.