Täglich sehen wir die Welt in Farbe. Der grüne Rasen, der blaue Himmel und die weißen Wölkchen sind allgegenwärtig und bei passendem Wetter (gemeint ist „spannendes“ Licht) sehen Fotos noch mal so gut aus. Für Schwarzweiß-Bilder gelten hingegen andere Gesetze …
Bei Schwarzweiß-Bildern zählt das Motiv und eine gelungene Umsetzung der Bildidee – sonst nichts. Da wir das gestalterische Element der Farbe nicht nutzen können, ist es egal, wie blau der Himmel war, es ist auch gleichgültig, wie türkies-farben das Meer in der Karibik geleuchtet hat – das Motiv an sich muss stimmen.
Ich mag Schwarzweiß-Bilder, aber so richtig zufrieden war ich bisher weder mit den Ergebnissen aus Aperture, noch mit denen aus Lightroom. Es wurde Zeit sich mal umzusehen, was es sonst noch für Möglichkeiten gibt. Fündig wurde ich dann bei Nik Software. Nik Software bietet mit Silver Efex Pro ein Plug-in für Aperture, Lightroom und Photoshop an, das auf das Thema Schwarzweiß-Foto(grafie) optimiert ist.
Installation
Es ist lediglich das Installationsprogramm zu starten und den “Ansagen” zu folgen.
Autorisation
Nach der Installation ist die Seriennummer / der Produktschlüssen einzugeben und dann kann Silver Efex Pro aktiviert werden. Beim nächsten Aperture-Start ist das Plug-in verfügbar.
Oberfläche
Öffnet man ein Foto mit Silver Efex Pro (über das Kontextmenü …

… oder über das Menü Fotos / Mit Plug-In bearbeiten, geht ein separates Fenster über Aperture auf, das auf der linken Seite Presets für unterschiedliche Bearbeitungen bietet.
Tipp
- Nik Software bietet auf der eigenen Webseite weitere Presets zum kostenlosen Download an.
Am oberen Rand hat man die Möglichkeit, die Presets ein- oder auszublenden …

… und z. B. den Bildhintergrund in drei Farb-Varianten (hell, mittel, dunkel) einzustellen. Von diesen Hintergrundfarben gefällt mir leider keine. Schöner wäre, wenn man diese stufenlos abdunkeln könnte.
Rechter Hand hat man Regler und Buttons für individuelle Anpassungen im Zugriff. Optisch fühlt man sich ein wenig an den Bearbeitungsmodus von Lightroom erinnert, denn die Adobe-Software ist recht ähnlich strukturiert.

In Silver Efex Pro verbergen sich jedoch die meisten Einstellmöglichkeiten und müssen mit einem Mausklick „freigelegt“ werden.
Helligkeit, Kontrast, Struktur
Ganz oben lassen sich die Helligkeit, der Kontrast und die Struktur anpassen. Während Helligkeit und Kontrast bekannt sind, gilt das nicht unbedingt für Struktur. Struktur ist kein Schärfe-Tool, wirkt optisch aber ganz ähnlich. Im Gegensatz zur Photoshop-Version (unscharf maskieren) kann man mit Struktur auch in den Minusbereich gehen und damit die Detailtiefe verringern. Die Ergebnisse sahen in meinen Tests immer noch gut, oder wenigstens interessant aus. Im Plusbereich kann man den Wert weit hochziehen, ohne dass es zu störenden Artefakten kommt. Sehr gut!
Kontrollpunkte
Unmittelbar darunter befindet sich der Button „Kontrollpunkt hinzufügen“. Mit diesem werden die besagten Kontrollpunkte aktiviert …

Nik Software U Point Technologie
… um sie dann mit dem Mauszeiger im Bild zu platzieren. Mittels dieser Kontrollpunkte, deren „Wirkbereich“ in der Größe frei einstellbar ist, lassen sich in Silver Efex Pro die Helligkeit, der Kontrast und die Struktur an die eigenen Wünsche anpassen. Masken – so Nik Software – sollen damit überflüssig werden. Ich finde, dass das großartig funktioniert. Mit den Kontrollpunkten lassen sich tatsächlich einzelne Bildbereiche wie gewünscht anpassen. In meinen Augen ist das hier eleganger gelöst, als mit den neuen „Quick-Brush“-Pinseln in Aperture, da sich deren Wirkung vor dem Einsatz nur schwer abschätzen lässt. Die Kontrollpunkte in Silver Efex Pro lassen sich zumindest so lange editieren und der gewünschte Bereich so lange verschieben, bis man zufrieden ist und das Bild gespeichert hat.
Weiter geht es mit „Schatten und Spritzlichter“, was in Aperture die Entsprechung für „Glanzlichter und Schatten“ ist und auch so funktioniert. Auf Wunsch lässt sich ein Histogramm einblenden, das mit dem Helligkeitsregler, oder den zum Histogramm gehörenden Schiebern bewegt werden kann. Über-, bzw. unterbelichtete Bereiche werden in rot und gleichzeitig in Prozentwerten angezeigt.
Farbfilter
Die Farbfilter sind beim Start von Silver Efex Pro sofort zu sehen …

… und lassen sich auch ohne weiteres einsetzen. Wer hier weitere Einstellungen vornehmen möchte, klickt auf den Pfeil „Details“ und hat dann Zugriff auf den zu editierenden Farbton und die Stärke der Bearbeitung. Hier sollte jeder erstmal ausprobieren, wie die einzelnen Farbfilter auf ein Foto wirken. Der Rotfilter macht z. B. einen blauen Himmel sehr dunkel und z. B. eine ehemals dunkle, sandige Fläche heller.
Mit diesen Farbfiltern lässt sich ein Schwarzweiß-Foto schon sehr schön gestalten.
Filmtypen
Da die alten Analogzeiten komplett an mir vorbeigegangen sind, kann ich nicht beurteilen, wie gut die einzelnen Filmtypen, deren Korn, Empfindlichkeit und deren Tonkurven getroffen sind. Als Kind der Digitalfotografie beurteile ich diese Filmsimulationen nur nach dem Look, den sie erzeugen und da gefallen mir vor allem 2 so gut, dass ich sie bereits auf diverse Bilder angewendet habe. Gemeint sind:
- Kodak ISO 32 Panatonic X und
- Fuji Neopan ACROS 100
Letzterer hat eine sehr nützliche Eigenschaft: Wenn ein mit Rotfilter behandelter Himmel einmal ein wenig stufig ausschaut (kann unter bestimmten Umständen vorkommen), hilft der Fuji Neopan ACROS 100 diese Struktur perfekt zu “glätten”. So oder so denke ich, dass hier jeder Filmfan fündig wird, denn es stehen ganze 18 zur Auswahl …

… (gestaffelt vom niedrigsten ISO-Wert von 32, bis zum höchsten ISO-Wert von 3200).
Stilisieren

Hier verbirgt sich eine bildgestalterische Waffe! Unter dem Klappmenü „Einfärben“ werden dem Fotografen diverse „Tonungen“ angeboten, deren bekannteste sicher „Sepia“ ist.

Ich bin total begeistert von den hiermit erzielbaren Ergebnissen … – so begeistert, dass ich zahllosen schwarzweiß-Fotos einen Hauch von Sepia verliehen habe. Bei den richtigen (geeigneten) Bildern gibt das derartig eindrucksvolle Ergebnisse, dass ich völlig in Verzückung geraten bin.
Bis zu diesem Punkt bin ich mit Silver Efex Pro schon sehr, sehr glücklich, doch es gibt noch weitere Möglichkeiten, am Look zu feilen – zum Beispiel indem man die (virtuelle) Papierfarbe und die dazugehörige Farbintensität wie gewünscht einstellen kann – oder eine Vignetierung (ist nicht so meins) hinzugibt bzw. herausnimmt.
Das gefällt mir nicht
Schade finde ich, dass Silfer Efex Pro noch nicht 100 % Aperture 3-kompatibel ist und derzeit nur im 32 Bit-Modus funktioniert. Man muss Aperture 3 deshalb ebenfalls als 32-Bit-Version nutzen. Auch schade ist, dass man an einem TIFF arbeiten muss, wenn man über Silver Efex Pro ein Schwarzweiß-Foto erzeugen möchte. Etwas umständlich finde ich, dass man eigene Presets grundsätzlich per Mausklick aufrufen muss, weil sich Silver Efex Pro die letzte (diesbezügliche) Einstellung nicht merkt.
Das gefällt mir
Trotz der zuvor genannten Einschränkungen: Mit Silver Efex Pro lassen sich berückend schöne Schwarzweiß-Bilder erstellen. Ich habe die Software noch am Tag der Installation ausprobiert und damit den Rest des Tages vergessen … Stundenlang habe ich mich durch meine Bilderlibrary “gewühlt” und immer wieder Fotos ausprobiert. Ich bin schlicht überwältigt, welche Ergebnisse Silver Efex Pro abliefert.
Mit wenigen Einstellungen gelingen Bilder, die wirklich wunderschön sind. Die Software ist dabei so übersichtlich in der Anwendung, dass ich zu keiner Zeit eine Anleitung vermisst habe. Wer mit Aperture oder Lightroom umgehen kann, wird sich hier sofort zurecht finden.
Ich bin hin und weg. Mehr Begeisterung geht nicht.
Für all jene, die sehen möchten, wovon ich hier rede: Ich habe eine kleine Bilderstrecke vorbereitet, in der ich Schwarzweiß-Fotos und Bilder mit Sepia-Tonung zeige, die alle mit Silver Efex Pro entstanden sind.
Jörn
Systemvoraussetzungen Mac OS X
- Mac OS 10.4
- G4, G5, Intel® Core™ Solo, Intel Core Duo, Intel Core 2 Duo, Intel Xeon®
- 1 GB RAM
- Adobe® Photoshop® CS2 bis CS4, Adobe Photoshop Elements 4.0, 6.0, und 8.0; weitere Adobe Photoshop-Plug-in-kompatible Anwendungen*
- Adobe Photoshop Lightroom 2.3 oder höher
- Apple® Aperture™ 2.1.x (für Aperture 3 Kompatibilität hier klicken)
Systemvoraussetzungen Windows
- Windows XP mit Service Pack 3, Windows Vista, und Windows 7 (32-bit und 64-bit kompatibel)
- Pentium III 1GHz oder schneller
- 1 GB RAM
- Adobe Photoshop® 7 bis CS4 (32-bit), Adobe Photoshop Elements 2.0 bis 8.0; oder weitere Adobe Photoshop-Plug-in-kompatible Anwendungen*
- Adobe Photoshop Lightroom® 2.3 oder höher
Preis
- 199,95
Hersteller
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20. Juni 2010 um 13:02 Uhr
Hallo Joern,
kann Dir nur zustimmen, das Tool ist klasse. Leider ist das Plug In sündhaft teuer, wenn man es nicht professionell einsetzt sind 200 Tacken schon viel Geld.
Super wäre auch, wenn man das PI auch in den neuen GraphicConverter einbinden könnte……
LG
20. Juni 2010 um 13:06 Uhr
“Billig” ist das wirklich nicht, aber ich finde die Software schon extrem gut und möchte auf keinen Fall darauf verzichten!
Das mit dem GraphiConverter ist ‘ne gute Idee! Thorsten Lemke hat hier ja ein eigenes Blog und eine eigene Gruppe. Schlag’s ihm vor! Ich fänd’s Klasse!
20. Juni 2010 um 13:13 Uhr
Hi Joern,
da ich gerade die Version 7 teste, schreib ich ihm das gerne in meinen Bericht.
20. Juni 2010 um 13:17 Uhr
Das ist doch mal eine interessante Entwicklung!
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