Nik Software ist eine der Software-Schmieden, die nicht ganz günstige, aber sehr effektvolle und kreative Plug-ins für Digitalfotografen anbieten. Zu den bekanntesten dieser Plug-ins gehören der Sharpener Pro (ein Tool zum Schärfen von Fotos) sowie Silver Efex Pro, dessen Version 3.0 das Werkzeug der Wahl ist, wenn man ansprechende Schwarzweißbilder aus seinen Digitalfotos machen möchte. Mit Silver Efex Pro kommt schon fast so etwas wie Dunkelkammerfeeling auf, weil man nicht nur Teilbereiche von Bildern beeinflussen kann (wie in der Dunkelkammer durch Abwedeln und Nachbelichten), sondern auch verschiedene Filmsorten (darunter Infrarot-Filme) und Techniken digital simulieren kann.
Silver Efex Pro 3.0 wurde übrigens auch in unserem Aperture 2-Buch “Bildbearbeitung und -verwaltung mit Aperture 2” auf einigen Seiten vorgestellt.
Color Efex Pro 3.0 (im Folgenden in der Complete-Edition, Version 3.101 getestet) ist so etwas wie das Pendat zu Silver Efex Pro, wenn es um die digitale Bearbeitung von Farbfotos geht. Das Plug-in läuft nicht nur in Photoshop, sondern inzwischen auch in Adobes Lightroom und Nikons Capture NX 2 – und natürlich in Apples Aperture ab Version 2.1. Von mir wurde das Plug-in mit Aperture 2.1.3 getestet.
Gestartet wird das Plug-in, indem man in Aperture ein oder mehrere Bilder auswählt und dann über den Menüeintrag “Bilder > Bearbeiten mit” den Eintrag “Color Efex Pro 3.0 Complete …” aufruft. Schneller geht es über das Kontextmenü, indem man mit der rechten Taste auf eines seiner Fotos klickt. Es öffnet sich daraufhin das Plug-in-Fenster und man kann mit der Bearbeitung seines Bildes loslegen. Nach der Bearbeitung des Fotos im Plug-in-Fenster beendet man diese mit einem Klick auf den Speichern-Button, das bearbeitete Bild wird in Aperture im tif-Format in einem Stapel mit dem unangetasteten Originalbild abgelegt.
Die Benutzeroberfläche

Links neben dem Vorschaubild in der Mitte sieht man zunächst die einzelnen Filtermöglichkeiten, die über seitlich angebrachte Reiter gruppiert werden können (im Screenshot werden alle der 52 Filter von Color Efex Pro 3.0 Complete aufgelistet). In der oberen Fenster-Zeile, einer Art Symbolleiste, lassen sich verschiedene Bearbeitungsmodi auswählen: So kann man die Filterliste ausblenden und das Bild splitten, um in einer Hälfte die bearbeitete, in der anderen die Originalversion des Fotos zu sehen – es lassen sich aber auch beide Bildversionen vollständig nebeneinander anzeigen. Schließlich enthält die Symbolleiste Buttons zum Hinein- und Hinauszoomen sowie zum Einstellen der Helligkeit des Bildhintergrunds – wahlweise helles, mittleres oder dunkles Grau.
Rechts neben dem Vorschaubild schließlich ist die eigentliche Bearbeitungsliste zu finden, die je nach ausgewähltem Filter unterschiedliche Schieberegler und Auswahlmenüs beinhaltet. Bei dem Filter “Polaroid Transer”, der später in einem Bearbeitungsbeispiel verwendet wird, sieht die Bearbeitungsleiste z. B. wie folgt aus:

Zu erkennen ist, dass hier das Feintuning vorgenommen werden kann – u. a. die Sättigung bei der Farbveränderung des Effekts, die Größe des Rands oder der Grad des Verschmierens (also der Unschärfe).
Unter den ersten sechs Schiebereglern ist ein weiteres bei allen Filtern anwendbares Feature zu erkennen: Mit den Schiebereglern “Schatten” und “Spitzlichter” kann man abgedunkelte Bildstellen aufhellen bzw. überstrahlte Bildteile abdunkeln.
Unter diesem Bereich ist dann der Eintrag “Kontrollpunkte” zu finden. Darunter versteht Nik Software eine Technologie, die die Firma “U Point-Technologie” nennt. Hier kann man kreisrunde Stellen im Bild definieren, für die man eine für vom restlichen Bild abweichende Filterstärke definieren kann. Die Größe des Kontrollpunkts kann dabei eingestellt werden, bleibt aber immer kreisrund (außer man lässt den Kreis aus dem Bild herausragen).

Am unteren Ende der Bearbeitungsleiste schließlich findet man noch einen Lupenausschnitt, der wieder im Screensplit-Verfahren die Bildstelle, an der sich gerade der Mauszeiger befindet, in Originalgröße anzeigt.
Ein Beispiel
An einem kurzen Beispiel sei der oben schon erwähnte Filtereffekt “Polaroid Transfer” vorgestellt. Über die Wirkung des Effektes gibt das pdf-Handbuch, das man mit Color Efex Pro erhält, wie folgt Auskunft:
- “Simuliert den Effekt von Polaroid-Abziehfarbfilmen und der Übertragung des entstehenden Bildes auf Papier, bevor es vollständig entwickelt ist. Das Ergebnis ist eine Version des Bildes mit niedrigem Kontrast und geringer Sättigung sowie subtilen Verschiebungen der Farben im gesamten Bild, was an diese beliebte Fototechnik erinnert.”
Anschließend werden die einzelnen Schieberegler ausführlich erklärt.
Das Foto eines Baumes (in Griechenland bei leicht gewittriger Stimmung aufgenommen) sieht im Original wie folgt aus:

Nach Anwendung des Effekts “Polaroid Transfer” mit den Standardeinstellungen bekommt das Foto folgendes Aussehen:

Das Bild wirkt durch den Effekt fast, als wäre es gezeichnet: Die Konturen und Kanten verlieren ihre Schärfe, und sehr deutlich ist die Farbverschiebung ins Gelbe zu bemerken.
Für die dritte Version wurden einige der Regler in Color Efex Pro angepasst: Um die Konturen wieder etwas herzustellen, wurde der Schieberegler “Verschmieren” von 70 auf 30 % zurückgefahren. Der zweite wichtige Bearbeitungsschritt war, dass ein Kontrollpunkt definiert wurde, der fast die ganze obere Bildhälfte abdeckt. Hier wurde die Wirkung des Filter auf den Wert Null zurückgesetzt, so dass die Farbverschiebung und das Verschmieren nur den unteren Bildbereich, nicht jedoch den Himmel betreffen. Version 3 des Fotos sieht dann wie folgt aus:

Weitere Filter
Es ist nicht ganz einfach, in Kürze zusammenzufassen, welche Filter Color Efex Pro alles mitbringt. Am besten informiert man sich auf der Webseite über das Plug-in – dort kann man auch das deutschsprachige Handbuch (sowie eine 15 Tage lauffähige Demoversion) herunterladen.
Grundsätzlich decken die Filter im Wesentlichen folgende Bereiche ab:
- Schwarzweiß-Konvertierung
- Solarisationseffekte
- Weichzeichnung
- Kontrast- und Belichtungsveränderungen
- Farbveränderungen und Tonungseffekte
- Simulierung bestimmter Filmsorten (Körnung, Farbverschiebungen) und Objektivfilter
- (De-)Vignettierung
- Einfärben (auch partiell) von Bildern sowie
- künstlerische Effekte.
Eigentlich ist hier für jeden Geschmack und für jede Farbbearbeitungsmöglichkeit etwas vorhanden.
Zwei weitere kurze Beispiele
An dem Foto eines Wracks vor der griechischen Küste sollen noch zwei weitere Effekte von Color Efex Pro kurz vorgestellt werden. Zunächst die Wirkung eines simulierten Polarisationfilters auf das Foto. Links ist die Originalversion, rechts die bearbeitete Version zu sehen:

Durch den Polfilter werden die Farben kräftiger – vor allem der blaue Himmel wird akzentuiert und bekommt einen etwas kälteren Blauton verliehen.
Das gleiche Bild sieht mit dem Filter “Detail Stylizer”, einem künstlerischen Effekt, dann so aus – nämlich eher wie ein modernes Popart-Gemälde:

Fazit
Color Efex Pro 3.0 Complete ist kein billiges Bildbearbeitungs-Plug-in für Farbfotos, aber eines, das viele Möglichkeiten bietet und von daher durchaus sein Geld wert ist. Für Hobbyfotografen, die nur ab und zu mal ein Bild bearbeiten, dürfte das Produkt von Nik Software (zumindest in der Complete-Variante) jedoch etwas zu teuer sein, kostet es in der Version für Photoshop und Aperture mehr als Aperture 2. (Unverständlich ist übrigens, warum die Version für Nikons Capture NX 2 deutlich billiger zu bekommen ist, nämlich für den halben Preis.)
Doch vom Preis abgesehen ist Color Efex Pro ein hervorragendes Werkzeug, das durchdacht ist und reichhaltige Bearbeitungsmöglichkeiten bereitstellt. Hier ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei: seien es Porträt-, Landschafts- oder künstlerische Fotografen.
Besonders hervorzuheben ist die mittels der “U Point Technologie” bestehende Möglichkeit, partiell Filter auf Fotos anzuwenden, wenngleich hier für zukünftige Versionen durchaus noch Verbesserungsmöglichkeiten bestehen. Toll wäre es z. B., wenn es nicht nur kreisrunde Kontrollpunkte gäbe. Doch ansonsten gibt es – ebenso wie schon an Silver Efex Pro 3.0 – an Niksoftwares Farbbearbeitungs-Plug-in wirklich nichts zu bemängeln. Im Gegenteil: Das Plug-in macht Spaß, ist im Großen und Ganzen selbsterklärend und lässt einen ungewöhnliche Bilder kreieren.
Ulf Cronenberg
Nachtrag (16.06.2009)
- Nik Software hat mich darauf hingewiesen, dass es im eigenen Store inzwischen die “Complete Collection – Aperture Edition” gibt, die alle fünf Aperture-Plug-ins von Nik Software (Dfine 2.0, Viveza, Color Efex Pro 3.0, Silver Efex Pro sowie Sharpener Pro 3.0) enthält. Für 299,95 Euro bekommt man alle fünf Plug-ins – allerdings nur für Aperture. Das ist doch schon mal ein gutes Angebot für Aperture-User! Wer die fünf Plugins auch in Photoshop verwenden will, muss 599,95 Euro zahlen.
Preis
- Aperture und Photoshop 250 Euro (im Web)
- Nikon Capture NX 2 149 Euro
Hersteller
Mehr von
Nachtrag: Am besten gefällt mir übrigens das Baumbild von oben in einer Schwarzweiß-Version, die ich mit Silver Efex Pro 3.0 erstellt habe:


6. Juni 2010 um 19:35 Uhr
Hi Joern!
Sieht echt beeindruckend in der scharz-weiß Version aus!
Ich bin ja auch ein Nik User, aber es ärgert mich etwas, dass es immer noch keine 64bit Version gibt! :(
LG Tino
6. Juni 2010 um 19:37 Uhr
Hi Tino,
danke.
Ich bin sicher, dass die 64-Bit-Version bald kommen wird! Und ja, das ist wirklich eine tolle Software!
Jörn
18. Juni 2010 um 18:55 Uhr
Inzwischen sind die 64-Bit-Versionen der NikSoftware-Plugins angekündigt. Sie sollen nichts kosten. Ein Erscheinungstermin ist aber noch nicht bekannt.
@ Tino: Testbericht, Bilder und Bearbeitungen sind übrigens von mir … :-) Aber trotzdem danke!
Gruß, Ulf