Was ging mir beim Anblick des Testwagens nicht alles durch den Kopf: sportlich, retro, Rennsemmel … und ganz nebenbei zauberte mir das Auto nahezu unbemerkt ein Lächeln auf die Lippen – und das nicht nur bei mir, sondern bei nahezu allen Freunden und Bekannten, denen ich davon erzählte, dass ich demnächst den neuen Fiat 500 im Test haben würde. Die Kommentare reichten von „DEN finde ich auch klasse!“ über „DER ist süß!“, bis hin zu „GEILES Auto“.
Bezeichnend war ein Erlebnis, das ich mit Andreas am 30. Juli anlässlich eines Fotoshootings in der HafenCity in Hamburg hatte. Wir waren gerade auf dem Rückweg und befanden uns in Höhe der Gruner und Jahr-Häuser. Die Ampel zeigte Rot und vor den Häusern hielt eine Frau mit ihrem Mann an und zeigte auf meinen Testwagen. Sie stampfte lachend mit einem Fuß auf und zerrte dabei an ihrer Begleitung. Gedacht haben Andreas und ich, dass zwischen den beiden wohl der Kauf eines Fiat 500 zur Diskussion steht …
Ganz offensichtlich ist der kleine Fiat also ein ganz Großer, wenn es um Sympathiepunkte geht. Schauen wir doch mal, wie es um die tatsächlichen Eigenschaften des Turiner Retro-500ers bestellt ist.

Formensprache
Der Fiat 500 transportiert auf äußerst gelungene Weise das Design des originalen 500ers ins Jahr 2008. Das Auto hat mit dem Vorbild von damals (außer den optischen und emotionalen Anleihen) allerdings nichts mehr gemein. Zu groß ist der Sprung aus dem Jahre 1957 (bis dahin wurde der alte 500 gebaut) bis zum aktuellen Testwagen. Die Form wurde ganz offensichtlich im Windkanal optimiert, dennoch ist dieser Fiat nicht „glattgebügelt“. Er unterscheidet sich wohltuend von anderen Autos dieser Klasse.
Die Instrumententafel ist in Wagenfarbe lackiert und zusammen mit den „cremweißen“ Kunststoffteilen …

… ergibt sich ein sehr stimmiges, modernes Design mit vielen Anleihen an die alten Zeiten – ohne jedoch deren Nachteile zu übernehmen. Überhaupt ist das Design dieses Wagens extrem gut gelungen. Vom Äußeren, bis hin zu den Kleinteilen ist die ganze Optik schlicht fantastisch. Im Automobil-Bereich habe ich noch nichts gesehen, was mir auch nur annähernd so gut gefallen hätte wie hier. Wäre es mein Auto, würde ich ihn in mein Wohnzimmer stellen (andere gucken Fernsehen, Jörni guckt Fiat).

Herzlichen Glückwunsch Fiat! Das hat euere Designabteilung wirklich sehr, sehr gut gemacht!
Gleich geht‘s los …
Ein so schönes Auto schraubt die Erwartungshaltung hinsichtlich der Fahreigenschaften recht hoch … Also einsteigen und die korrekte Sitzposition einstellen.
- Spiegel? Passt.
- Sitzhöhe? Passt.
- Schaltung? Leichtgängige und präzise 6-Gang-Schaltung.
- Rundumsicht? Geht so …
Man sollte nicht nur in die Außenspiegel sehen, sondern sich auch noch mal umdrehen. Allerdings ist der Testwagen mit Parksensoren ausgestattet, was ich sehr praktisch finde. Verlassen würde ich mich allerdings nicht darauf – jedenfalls nicht sofort …
Bella Machina!
OK, dann wollen wir mal den Motor starten. Der Testwagen wird von einem 100 PS Motor mit 1,4 Litern Hubraum angetrieben und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 182 Km/h. Im Stadtverkehr ist der Fiat 500 so lebendig, dass es sogar für einen notorischen 50-Fahrer wie mich eine Herausforderung ist, das Gaspedal …

… nicht doch mal ein bisschen durchzudrücken – und ich muss gestehen, dass ich mehr als einmal schwach geworden bin. Der 16-Ventiler sorgt auf Wunsch für eindrucksvollen Vortrieb. Mit dieser Maschine dürfte es kein Problem sein, an der Ampel so mancher großen (und langweiligen) Limousine die schicken Rücklichter zu zeigen.
Der eingebaute Bordcomputer bietet per Knopfdruck eine Übersicht über den aktuellen, oder den durchschnittlichen Verbrauch (und noch diverse andere Größen). Wer das Auto mit rund 1500 U/min bewegt, kommt (laut Bordcomputer) mit deutlich unter 4 Litern auf 100 Kilometer aus. Cool!
Fahrwerk, Fahrgeräusche, Fahrgefühl
Mag sein, dass das Geschmacksache ist. Ich finde die Federung des Testwagens etwas zu hart abgestimmt. Der 500 gibt nahezu jede Straßenunebenheit an den Fahrer weiter. Jemand anderes würde vielleicht sagen, dass er einen fantastischen Kontakt zur Fahrbahn hat. Was ist dir wichtig? Gut dabei ist, dass das Auto nicht klappert, sondern sich jederzeit solide anfühlt.
Der Testwagen wurde mit 195er Niederquerschnittreifen auf einer schicken Leichtmetallfelge …

… ausgeliefert, welche hörbare Abrollgeräusche produzieren. Auch der Motor brummt vernehmlich, aber nie unangenehm.
Die Lenkung erforderte bei mir einiges an Gewöhnung und bis heute konnte ich mich nicht entscheiden, ob ich die Normalstellung beim Fahren giftig, oder einfach nur extrem leichtgängig finde. Stellt man die Servounterstützung auf Sport, macht die Lenkunterstützung einen deutlich angenehmeren Eindruck.
Aufgefallen
- Bei den Rücksitzen fehlt mir auf deren Rückseite eine rutschfeste Beschichtung, denn wenn man z. B. nach dem Einkauf Selterkisten darauf abstellt, „schliddern“ die beim Fahren hin und her (mit umgeklappten Rücksitzen passen übrigens 6 Selterkisten in den Kofferraum).
- 6 Gänge in einem Kleinwagen – irgendwie cool!
- Die Sitze sind im Schulterbereich mit einem glatten Material überzogen, auf dem man früher oder später zu schwitzen beginnt
- Die Hutablage ist wirklich putzig. In der Tiefe – also von der Heckklappe bis zur hinteren Kante der Rücksitze misst sie maximal 10 cm – ein Hut passt da jedenfalls nicht drauf.
Wo wir gerade von Hüten sprechen: Der Fiat 500 kann auch Fahrgäste mit Hut transportieren – mit aufgesetztem Hut wohlgemerkt! Herr Adenauer hätte seine helle Freude gehabt!
Musik / Computer / Blue & Me

Mein Testwagen wurde mit Blue & Me ausgestattet. Blue & Me ist ein Paket, das mehrere Möglichkeiten in Sachen Kommunikation und Musikhören miteinander verbindet.
Ein kompatibles Bluetooth-Telefon vorausgesetzt (Liste bei www.fiat.de) soll man mit der eigenen Stimme und ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen, telefonieren und sich sogar eingegangene SMS-Nachrichten vom Auto vorlesen lassen können. Laut Anleitung werden sogar Abkürzungen und Smileys berücksichtigt. Solche Möglichkeiten finde ich als geborenes Spielkind natürlich klasse!
Wer ein kompatibles Handy einsetzt (bis zu 5 unterschiedliche lassen sich mit dem Auto verwenden), muss sein Telefonbuch nur einmal ins Auto übertragen. In Zukunft wird das Telefon (vorausgesetzt, Bluetooth ist eingeschaltet) automatisch erkannt – egal, wo sich das Handy im Auto befindet. Wenn der 500er von mehreren Familienmitgliedern gefahren wird, erkennt das Auto immer das Modell das aktuellen Fahrers. Wenn zwei oder mehr bekannte Telefone gleichzeitig im Auto liegen, wird automatisch das am häufigsten benutze Modell verwendet. Erstaunlich, was heutzutage so geht!
Ich habe mich ehrlich gesagt nicht getraut das zu testen, weil ich nicht gewusst hätte, wie ich meine Kontakte da wieder raus kriege … Nehmen wir einfach mal optimistisch an, dass das funktioniert.
In der Mittelkonsole direkt vor der Handbremse befindet sich ein USB-Anschluss, an dem sich USB-Sticks, MP3-Player (mein iPod touch wurde leider nicht erkannt) und sogar Festplatten anschließen lassen. Nachdem ein solches Medium / Gerät mit dem Auto verbunden wurde, soll der Mediaplayer sofort mit dem Abspielen der gespeicherten Musik beginnen.
Mediaplayer – ah ja. Als ob ich es geahnt hätte … Wo Microsoft draufsteht, erwarte ich nahezu zwangsläufig Schwierigkeiten – und ob es jetzt eine sich selbst erfüllende Prophezeiung war – oder einfach nur Zufall. Der Microsoft Mediaplayer spielte zwar sofort die Musik auf meinem USB-Stick ab – aber leider immer nur den ersten Titel. Nun gut, vielleicht liegt’s ja an meinem Mac. Bestimmt funktioniert Blue & Me bei Leuten, die einen Windows-Computer einsetzen müssen …
Jeder 500-Fan sollte sich auf der Fiat-Webseite die Möglichkeiten von Blue & Me genauer anschauen. Zumindest die versprochenen Features machen einen ausgezeichneten Eindruck.
Der Klang der eingebauten Anlage ist gut.
Verarbeitung
Hier kann ich nur Bestnoten vergeben. Im Gegensatz zu Fiat-Modellen, die ich vor Jahren gesehen habe (Panda 1, Tipo, Uno 1 und Bravo), sitzt hier alles schön gerade. Die verwendeten Materialien machen einen exzellenten Eindruck und das Anfassgefühl die Haptik der Schalter und Drehregler ist ganz hervorragend!
Zu wem passt der Fiat 500?
Beinahe 16.000 Euro gilt es über den Tresen des Hauses zu reichen, wenn man den kleinen Flitzer sein eigen nennen möchte (können Sie ihn bitte als Geschenk einpacken?).
Auf den ersten Blick ist das verdammt viel Schotter für so wenig umbauten Raum. Tatsache ist aber, dass der hier getestete 500 eine sehr komplette Ausstattung mitbringt und noch mehr Spaß bringt. Zudem kann man sich entscheiden, ob man wenig verbrauchen, oder hurtig ans Ziel kommen will. Wählt man Möglichkeit 2, kann man immer noch von einem moderaten Verbrauch ausgehen.
Als Kunden sehe ich Singles, oder Paare. Der Platz auf den Rücksitzen ist – Überraschung – deutlich größer, als es aus Fahrersicht scheint. Ein Fahrgast versicherte mir auf Nachfrage, dass es hinten durchaus kommod zuginge – und ich habe mehrmals gefragt, weil ich es kaum glauben konnte. Auch ein Kindersitz lässt sich ohne Probleme unterbringen.

Fazit
Der Fiat 500 besitzt trotz kleiner Schwächen einen enormen “Haben-woll‘n-Faktor”, der mich ein bisschen an die Produkte von Apple erinnert. Auch dort ist nicht alles perfekt, aber das komplette Paket ist so überzeugend, dass die positiven Werte klar überwiegen. Wohl deshalb war ich enttäuscht, dass Fiat sich für die Anschlussmöglichkeit eines Windows-Mobile-Gerätes entschieden hat. Mir wäre ein iPod-Connector, bzw. ein Anschluss für ein iPhone deutlich lieber gewesen.
Der iPod und das iPhone sind Lifestyle-Produkte und auch der Fiat 500 passt für mich in diese „Ecke“ – nicht aber ein so langweiliges Windows-Mobile-Gerät. Ich vermute eh’, dass der Großteil der Fiat 500-Interessenten einen iPod oder ein iPhone in der Hosentasche trägt. Wo wir gerade beim Tragen sind: Ich fühle mich mit dem neuen 500 blendend angezogen und den Blicken nach zu urteilen, die dieses Auto bekommt, geht es nicht nur mir so.
Das Auto mag äußerlich klein sein, ist aber ganz große Klasse.
Jörn Daberkow
Plus
- Sehr agil
- Bietet innen und außen ein wunderschönes Design
- Sehr gute Verarbeitung
- Sehr gute Materialqualität
- Sehr gute Ausstattung
- Verbrauch
Minus
- Blue & Me mit Windows Mobile
- Nervöse Lenkung in der Normalstellung
- Harte Federung
- Schlechte Sicht nach hinten
Serienausstattung
- ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung
- Fahrer- und Beifahrerairbag (7 Airbags)
- Elektronische Servolenkung Dualdrive
- Höhenverstellbares Lenkrad
- Radio mit CD- und MP3-Player
- Stoßfänger in Wagenfarbe
Sonderausstattung (beim Testwagen)
- Manuelle Klimaanlage und Pollenfilter
- Elektrische und beheizbare Außenspiegel
- Nebelscheinwerfer
- Ablagefach unter dem Beifahrersitz
- Lederlenkrad mit Radiobedienung
- Tasche an der Rücklehne
- Blue & Me
- 16“ Leichtmetallfelgen mit 195/45 R16
- Sonderlackierung
- Parksensoren
- Höhenverstellbarer Fahrersitz
Garantie
- Herstellergarantie 24 Monate
Preise
- Grundversion ab 10.500 Euro
- Testwagen 15.900 Euro


6. August 2008 um 18:09 Uhr
Lach!
Hallo Erich! Man, du hast echt ‘n Bier oder einen Kaffee bei mir gut!
Glaub’s mir, der Fiat ist echt so toll und wenn sich deine Frau da durchsetzen könnte, würde dir das sicher auch gefallen – spätestens dann, wenn du dich in das Auto setzt und damit losfährst!
Jörn
6. August 2008 um 18:04 Uhr
Mmmhhh, außerordentlich lecker geschrieben.
Da steigt der Haben-Wollen-Faktor extrem.
Die Bilderserie ist wirklich sehr gut geworden. Man, was die von Fiat dazu wohl sagen würden. Evtl. stellen sie dich als offiziellen Autotester u. Berichteschreiber ein.
Du machst das richtig gut mit den Artikeln zu einer Autotestphase!!!
Hast du dich mal bei Automagazinen beworben, solche Artikel dort anzubieten? Genau so muss eigentlich ein Testbericht aussehen und zu lesen sein. Die Artikel die ich bisher in den Hochglanzmagazinen gelesen habe, waren wirklich nicht der Renner. Da überfliegt man eh die hälfte, weil nur so unsymphatisch geschrieben wird….
Oh man, hoffentlich sieht meine bessere Hälfte die geilen Fotos vom 500 nicht, sonst will die wirklich noch so ein Auto haben u. ich muss meinen noch dafür in Zahlung geben.
8. August 2008 um 09:09 Uhr
Hi Jörn,
ganz ehrlich: Die Fotos könnten gut und gerne in das Verkaufsprospekt!!! Superschön und edel. Schade, dass ich mir letztes Jahr erst ein neues Auto gekauft habe (also ein neues Gebrauchtes…).
Gruß
Markus
23. August 2008 um 19:21 Uhr
Hallo Peter,
willkommen auf moodway!
Danke für dein Lob. Was euren 500 betrifft: Neid! Ich hätte den auch total gern behalten. Das ist ein ganz tollen Auto!
Jörn
23. August 2008 um 19:58 Uhr
Grins … auch noch Apple-Fan – das passt ja!
23. August 2008 um 20:02 Uhr
Natürlich kenne ich die Seite!
Da schaue ich auch jeden Tag vorbei.
Macht viel Spass.
Mal schaun ob der Touch meiner Frau im 500 funktioniert.
23. August 2008 um 20:05 Uhr
Oh! DAS würde mich interessieren! Ich hab’ das nämlich nicht hinbekommen.
Hältst du mich auf dem Laufenden? Schreib mir doch mal direkt, wenn ihr das Auto habt und berichte mal!
23. August 2008 um 19:13 Uhr
Hi Jörn
Toller Bericht!
Deine Fotos sind Supertoll.
Meine Frau bekommt ihren 500 im September (Gelb)
Mittlerweile habe ich mich auch in den kleinen verliebt.
Gruß
Peter
23. August 2008 um 19:53 Uhr
Hallo Jörn,
Bin gern und oft hier auf RAY.
Hoffentlich kommt der kleine bald (Bestellt im Mai)
Dann kommt gleich ein kleiner Apfelaufkleber drauf.
Viele Grüsse von Applefreaks aus Bayern!
23. August 2008 um 20:12 Uhr
Bekommst einen Bericht von uns.
Wir haben die ersten 3 Septemberwochen Urlaub,da haben wir viel Zeit.
2. Juni 2009 um 08:16 Uhr
Hallo Zusammen,
einen 500er gekauft habe (himmelblau mit Chrompaket – yeah), bin ich ja fast neidisch! Der Wagen ist wirklich schnuckelig und fährt sich schön! Die Schwächen mit dem Blue Me kann ich auch bestätigen… Immerhin erkennt das Auto mein Handy und Telefonbuch und spielt Musik vom Memory-Stick!
Nachdem ich meiner Frau – aus den oben genannten Gründen
Nicht angesprochen wurde in dem “Test” der Diesel:
Ich finde diesen noch durchzugsstärker und vom Geräusch sogar angenehmer als den 100PS Benziner!!
Apropos Geräusch: Will versuchen durch bessere Dämmung der Türen, die Klangqualität der Anlage noch zu verbessern… hat da jemand Erfahrung!?
F.S.
2. Juni 2009 um 09:33 Uhr
Hallo Fridjof,
herzlichen Glückwunsch zum neuen Wagen! Ich bin auch neidisch!
Jörn