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Test: Bibble 5 Lite unter Linux

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Das neue Bibble 5 wurde hier bereits getestet – allerdings in der Pro-Version und auf einem Mac. Für manch einen mag jedoch die Lite-Version dieses RAW-Konverters nach Aperture / Lightroom-Muster bereits ausreichend sein, und genau diese Frage soll in diesem erneuten Test näher beleuchtet werden. Meinem derzeitig starken Interesse für Linux kam natürlich außerdem entgegen, dass dieser Test unter Linux stattfinden sollte, was in meinem Fall Ubuntu bedeutet, das für mich derzeit mit Abstand beste Desktop-Linux.

Zunächst noch ein paar Vorbemerkungen: Auf meinem MacBook Pro (2009) befindet sich zwar eine native Ubuntu-Partition (evtl. kommt auf meinem Blog noch mal ein Artikel über Linux auf dem Mac …), der Test findet jedoch in einer virtuellen Maschine unter Parallels statt. Da dieser Umstand in erster Linie die Disk-Performance einschränkt und flüssiges Arbeiten mit Bibble dennoch problemlos möglich ist, wäre damit auch gleich bewiesen, dass es sich um eine sehr flinke Software handelt. Sogar mit einer Probeinstallation auf meinem Netbook (Atom N450, 1 GB RAM) kann man leidlich arbeiten, gefühlt ist das nicht wahnsinnig viel langsamer als das alte Aperture 2 auf meinem Mac.

Der Test an sich soll keine Kopie des Bibble 5 Pro Tests sein, sondern eher eine Ergänzung um Aspekte die aus meiner Sicht erwähnenswert sind. Um Redundanzen zu vermeiden, wird deshalb an passender Stelle auch mal auf den Test von Andreas Lettow verwiesen.

Installation

Da wir uns unter Linux befinden, gehe ich an dieser Stelle auch auf die Installation ein – ich muss fast, da damit die Linux-Spezifika eigentlich praktisch schon abgehandelt sind – die Software an sich funktioniert und sieht absolut identisch aus wie auf dem Mac.

Damit kann aber vielleicht auch dem immer noch verbreiteten Vorurteil entgegen gewirkt werden, Linux wäre kompliziert. Nach dem Download des Programmpakets öffnet sich automatisch der grafische Installer und einen Klick später läuft die Installation.

Es mag banal klingen, aber wie gesagt um den gängigen Vorurteilen entgegen zu wirken – und, da es sich ja schliesslich um eine unfreie Fremdhersteller-Software handelt, die das Linux-System evtl. nicht so ganz verstanden haben könnte, sieht man ja gerne mal – sei auch extra darauf hingewiesen, dass sich Bibble hübsch ins Startmenü einträgt.

Damit wäre zum Aspekt “Bibble unter Linux” im Prinzip bereits alles gesagt. Der erste Start der Software verläuft nun wie auch auf dem Mac – man wird gefragt, wo der Katalog und die Einstellungen gespeichert werden sollen – that’s it. Das ganze bezieht sich wie gesagt auf Ubuntu, wer die suboptimale Wahl (*hust*) einer RPM-basierten Distribution getroffen hat, bei dem wird es vermutlich recht ähnlich ablaufen.

Bibble 5 Lite – Unterschiede zur Pro-Version

Bei Bibble 5 – egal ob Lite oder Pro – handelt es sich um Software zur RAW-Konvertierung, Organisation und Verwaltung großer Bildbestände sowie zur Bildbearbeitung. Damit spielt Bibble 5 in einer Liga mit Adobes Lightroom oder Apples Aperture. Die Lite-Version ist für 69 Euro zu haben, die Pro-Version schlägt mit 149 Euro zu Buche. Das ist ein Aufschlag um mehr als das Doppelte, man könnte also durchaus gewichtige Einschränkungen erwarten. Dies ist aus meiner (Amateur-)Sicht jedoch nur bedingt der Fall. Die meisten Einschränkungen betreffen den Bereich Workflow. So kann man z. B. nur einen Katalog gleichzeitig öffnen, anstatt 20 wie bei Bibble 5 Pro. Eine Sortierung an Hand von Metadaten bereits beim Import ist bei Bibble 5 Lite nicht möglich. Ebenfalls nicht unterstützt wird die Ordner-Überwachungs-Funktion, bei der Änderungen des Inhalts eines definierten Ordners automatisch eine Aktion in Bibble zur Folge haben. Weitere Einschränkungen betreffen dann das Farbmanagement, erweiterte Ausgabeoptionen, Metadatenbearbeitung und ähnliches. Aus meiner Sicht für den Nicht-Profi alles nicht wirklich tragisch.

Erwähnenswert ist noch, dass sich nur in Bibble 5 Pro zusätzlich zu  den Standard-Entrauschungsfunktionen die volle Detailkontrolle bei der Entrauschung mittels Noise Ninja freischalten lässt. Dazu genügt eine beliebige Lizenz für Noise Ninja. Bibble Lite bietet zwar die gleiche standardmäßig verfügbare Noise Ninja-Entrauschung, erlaubt aber nicht die Freischaltung der weitergehenden Funktionen. Besitzt man also bereits Noise Ninja als eigenständige Software oder als Plug-in für Photoshop oder Aperture, wäre das vielleicht ein weiterer Grund, direkt Bibble 5 Pro zu kaufen.

Die komplette Liste der Unterschiede kann hier nachgelesen werden. Meiner Meinung nach sollte man sich drei Mal überlegen, ob man die Pro-Version benötigt. Für mich wären am ehesten noch die Beschränkung auf einen Katalog, die eingeschränkte Sortierung beim Bilderimport und vielleicht die Beschränkung auf eine Plattform relevant. Allerdings ist man bei anfänglicher Wahl von Bibble 5 Lite auch keineswegs in einer Sackgasse gelandet: Ein späteres Upgrade auf Bibble 5 Pro kostet praktisch nur so wenig wie die anfängliche Preisdifferenz zwischen beiden Produktvarianten. Man wird also für eine vorsichtige Annäherung an die Pro-Version nicht “bestraft”.

Erste Schritte in Bibble 5 Lite

Nach dem ersten Start begrüsst mich Bibble 5 mit einem Katalog (= Bibliothek) namens “Bibble Catalog 2010″. Es wird also offenbar suggeriert, seine Bilder jahresweise zu organisieren, was sicherlich keine allzu schlechte Idee ist. Gleichzeitig ist dies allerdings auch schon so in etwa die letzte Benutzerführung, die in Sachen Bilderorganisation vorgesehen ist.

Möchte ich nun RAW-Dateien importieren, stehe ich vor der Entscheidung, ob Sie in den Katalog kopiert, verschoben, oder ob auf den originalen Speicherort verwiesen werden soll. Letzteres ist vor allem interessant, wenn man eine bestehende Ordnerstruktur hat, die man weiterverwenden und auch nicht verändern möchte. Dies ist einerseits also ziemlich flexibel, andererseits wird es an dieser Stelle schnell komplex. Denn die weiteren Optionen des Importdialogs sind keineswegs selbsterklärend. Hier wünschen ich mir mehr an die Hand genommen zu werden, dass die Software weiß was gut für mich ist und dies entsprechend anbietet. So muss ich erstmal alles ausprobieren und habe nach 10 Probeimporten vielleicht eine Ahnung, wie ich in Zukunft arbeiten will. Oben gezeigte Einstellungen resultieren beispielsweise in folgender Struktur, wenn ich Bilder meines Urlaubs importiere:

Dies ist ganz sicher nicht der Weg, wie ich arbeiten möchte, und an dieser Stelle vermisse ich schmerzlich Aperture, welches mir einfach ein Projekt für den Import anlegt, dieses kann ich dann bei Bedarf auf einfache, intuitive Art und Weise aufsplitten oder mit anderen zusammenführen. Hier muss ich selbst Entscheidungen treffen, kann innerhalb des Katalogs beliebig verschachtelte Ordnerstrukturen anlegen (ja, das geht bei Aperture natürlich auch, es sieht dort aber einfach viel intuitiver aus), dabei wollte ich doch eigentlich nur meine Bilder zum Bearbeiten und Verschlagworten verfügbar machen. Und über die Möglichkeit, auf die Katalogsfunktion ganz zu verzichten, und direkt via dem Reiter “Dateisystem” die Bilder zu bearbeiten, haben wir dabei noch gar nicht gesprochen.

Hat man diese Hürde aber einmal überwunden, geht das weitere Bearbeiten ganz wunderbar. Die aus anderen Programmen bekannten Möglichkeiten „Entsorgen“, „Auswählen“, Farbmarkierungen, Sternchen-Bewertungen, das Anlegen von Stapeln etc. sind auch hier vorhanden. Über die Reiter am rechten Bildrand können die einzelnen Bildkorrekturen vorgenommen werden, hier sollten keine Wünsche offen bleiben (für Details sei auf den Test von Bibble 5 Pro verwiesen). Auch wenn Bibble im Hintergrund noch importiert, Vorschauen erstellt oder sonstige Operationen vornimmt, das Blättern wie auch das Bearbeiten von Bildern geht sehr performant. Der Slogan „at speed of light“ ist hier also gemessen an der Konkurrenz wirklich absolut wahr. Angenehm finde ich, dass direkt im Dialog „Basiskorrekturen“ auch Schlagwörter eingegeben werden können, so geht dies direkt „in einem Rutsch“. Sämtliche Dialoge können ausgeblendet, festgepinnt oder auch als schwebende Paletten völlig vom Hauptfenster abgelöst werden, was auf allen Bildschirmauflösungen eine optimal ausgenutzte Arbeitsfläche ermöglichen sollte.

Ist das fertige Bild schliesslich „im Kasten“, kann der Reiter „Ausgabe“ in Aktion treten. Im Prinzip handelt es sich dabei um verschiedene Batch-Jobs, die jeweils viele Schalter zum Drehen haben, und die einzelne Bilder oder ganze Ordner bzw. Selektionen als TIFF oder JPEG sowie auch als Printvorlage exportieren. Hat man das Prinzip erst mal verstanden, lässt sich damit sehr flexibel arbeiten.

Das gefällt mir nicht

Dem Verwaltungs- und Organisationsteil der Software merkt man noch recht deutlich an, dass er in Version 5 der Software neu hinzugekommen ist. Teilweise sehen die Dinge hier noch etwas unfertig aus. Dieser Metadaten-Browser beispielsweise ist so ungefähr die minimalst sinnvolle UI, die man sich für eine Funktionalität vorstellen könnte, die z. B. bei Aperture durch flexibel zusammenstellbare intelligente Ordner keinerlei Wünsche offen lässt. Manches sieht so aus, als hätte jemand noch schnell die UI für die vorhandene Programmlogik zusammengeklickt, da ist noch viel Spielraum für eine Version 6.

An anderer Stelle sieht es dann aber auch so aus, als wären gewisse Dinge absichtlich so wie sie sind. Die schon angesprochene Flexibilität und daraus resultierende Komplexität und auch Unklarheit beim Import ist – meine Unterstellung – wohl mehr gewollt als verunglückt. Man will dem Benutzer hier größtmögliche Freiheit lassen, an einer Stelle wo sie mich persönlich nur stört, weil ich mir um genau diese Dinge schlichtweg keine Gedanken machen müssen will – wahrscheinlich bin ich da mittlerweile auch von der Apple-Philosophie des „alles-technische-vor-dem-Nutzer-verstecken“ verdorben, oder verwöhnt, wie man es nimmt …

Das gefällt mir

Bibble 5 Lite ist eine umfangreiche und auch gemessen an der Konkurrenz von Aperture und Lightroom absolut „vollständige“ Software zur Verwaltung und Bearbeitung der digitalen Bildbestände. Begeistern kann dabei insbesondere die Geschwindigkeit, die das Programm an den Tag legt. Da hat die Konkurrenz subjektiv ganz klar das Nachsehen. Hervorzuheben ist auch die Plattformunabhängigkeit. Sollte es Apple morgen nicht mehr geben, könnte ich problemlos alle meine Tätigkeiten am Rechner auf Linux verlagern, da es mit Bibble 5 dort nun auch eine ernstzunehmende Alternative in Sachen Bildverwaltung gibt.

Im Gegensatz zur Konkurrenz kann der Einstieg in die digitale Fotowelt bei Bibble in einer etwas abgespeckten Version bereits für den Schnäppchenpreis von 69 Euro erfolgen. Auch für ambitionierte Amateure könnte diese Version bereits sämtliche Wünsche abdecken, und selbst die Pro-Version ist ja noch deutlich günstiger als die Programme der Mitbewerber.

Auch neben aller Kritik sei zum Abschluss nochmals ganz klar gesagt, dass ich Bibble 5 Lite persönlich bedenklos einsetzen würde, spätestens wenn ich endgültig auf Linux umsteigen sollte. Es wäre vielleicht hier und da mit ein paar Schmerzen verbunden, aber es ist ja andererseits auch nicht so, dass ich mich noch nie über Aperture geärgert oder dieses etwas komisches gemacht hätte. Ich finde es toll, dass es diese Software auch für Linux gibt, und Linux somit wieder ein Stückchen weniger zum vollwertigen, professionellen Betriebssystem mit umfassendem Softwareangebot fehlt. Ein Häkchen hinter den Punkt Bildverwaltung und -bearbeitung unter Linux!

Thomas Sturm

Ergänzende Links

Systemvoraussetzungen Mac OS X

  • OSX 10.4 oder höher
  • Intel Mac
  • 1 GB RAM, 2 GB oder mehr empfohlen

Systemvoraussetzungen Windows

  • Windows 7, Vista, XP
  • Pentium III mit SSE, 1.0 GHz. oder Intel Core 2 oder besser empfohlen. Athlon XP+ 1.0 GHz. oder schneller mit SSE2. Phenom 2 oder 4 Kern empfohlen
  • 1 GB RAM, 2 GB oder mehr empfohlen

Systemvoraussetzungen Linux

  • Fedora Core 6 oder später, Ubuntu 6.06 oder später
  • Pentium IV mit SSE2. Intel Core 2 oder besser empfohlen. Athlon 64, Athlon Neo, Sempron, Turion, Opteron, oder Phenom 1.0 GHz oder besser mit SSE2. Phenom 2 oder 4 Core empfohlen
  • 1 GB RAM, 2 GB oder mehr empfohlen
  • Zusätzlich empfohlen: “enable desktop compositing & freedesktop.org-compliant window manager (KDE, Gnome, and others)”
  • 64-Bit Distributionen erfordern 32-Bit kompatible Libraries (ia32-libs)

Preis

  • 69 Euro

Vertrieb

Hersteller

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2 Kommentare

  1. “Bei Bibble 5 – egal ob Lite oder Pro – handelt es sich um Software zur RAW-Konvertierung, Organisation und Verwaltung großer Bildbestände sowie zur Bildbearbeitung”

    Hätte ich ganz an den Anfang gestellt. Ich kannte das Produkt nicht und hab jetzt drei Minuten drüber gerätselt was das überhaupt ist und wozu ich das brauche… :-)

  2. Hi Stephan,

    ich habe das Intro mal entsprechend ergänzt.

    Jörn

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