Es war klar, dass die photokina früher oder später als weiterer, regelmäßiger Termin in meinen Kalender einziehen würde. Ich hab’ mich sehr darauf gefreut, erstmals durch die Messe zu stromern und all die Leute in echt zu treffen, die ich bisher nur aus Maildialogen oder Telefonaten kannte.

Wir sind dann schon am Montag nach Köln geflogen und haben uns in Ruhe die Stadt angesehen. Aus Hamburger-Sicht versprüht Köln geradezu „mallorquinisches Flair“, denn das Wetter war einfach umwerfend. Während man in Hamburg nicht ohne dicke Jacke und Regenschirm vor die Tür konnte, war’s in Köln so warm, dass ich den Tag im T-Shirt draußen (!) verbringen „musste“. Unglaublich, was so ein paar Kilometer doch ausmachen können …
Köln selbst hat mir gut gefallen – vor allem diese Brücke, auf der sich Paare mit Vorhängeschlössern verewigen. Ich finde, dass das eine schöne, romantische Idee ist.



Der photokina-Morgen war dann allerdings etwas kühler, im Gegensatz zu Hamburg aber immer noch trocken. Markus und ich haben die Messe dann über den Westeingang betreten. Vorweg: Die photokina ist eine wirklich gigantische Veranstaltung. Ein Tag reicht einfach nicht für eine vollständige Berichterstattung aus und so kann unser Messerundgang bei weitem nicht vollständig sein.
NIK Software
Der Westeingang führt direkt in die Halle 4.1 Kurz hinter dem Eingangsbereich sind wir bereits in den NIK Software Stand „gefallen“. NIK Software sitzt „bei mir um die Ecke“ in Hamburg und so konnten wir gleich einen Blick auf deren neues HDR-Plug-in werfen. Manuel Wille, Vice President Engineering bei Nik Software, hat uns dann vor der Kamera (hier Canon EOS 550D) erklärt, was das Besondere von HDR Efex Pro ist.
Thema war dann natürlich auch noch, wann denn die neuen 64 Bit Plug-ins fertig werden. Antwort: Silver Efex und Color Efex im Oktober. Dfine und Sharpener Mitte bis Ende November.
Alpa
Beeindruckt war ich von den Alpa-Kameras, die einfach wunderschöne – im Wortsinn – Fotoapparate sind.

Alpa bietet ein faszinierendes modulares System, mit dem sich die eigene Alpa optimal an die eigenen Bedürfnisse anpassen lässt. Hier ein Film zur Alpa 12 TC, der eigentlich alles erklärt.
Canon
Am Canon-Stand habe ich sogleich die Gelegenheit ergriffen (im Wortsinn), um endlich mal eine 7D und eine EOS-1Ds Mark III in die Hand zu nehmen. Während die 7D im Vergleich zu meiner E-3 immer noch zierlich ist, lag Canons Dickschiff 1Ds Mark III dann doch um einiges „wuchtiger“ in meinen Händen. Die Kamera fühlt sich klasse an und hat einen wirklich tollen Sucher. Da hat sich gleich wieder so ein nerviger G.A.S.-Anfall abgezeichnet … ;-)
Ganz ähnlich erging es vielleicht auch Markus, nachdem er in der Schlange …

… endlich das 24-70 mm an seiner EOS 550D ausprobieren konnte. ;-)
Um mich abzulenken, habe ich auf einem anderen Stand erstmal ein Tele ausprobiert, das man unterwegs wahrscheinlich mit Anhänger transportieren wird – oder mit einem eigenen Angestellten …

Olympus
Bei Olympus hatten wir dann die Gelegenheit, uns die neue E-5 anzuschauen.

Die Kamera unterscheidet sich auch in der Hand kaum von einer E-3. Das folgende Testfoto zeigt eine (leider unscharfe) Aufnahme mit ISO 6400:

… und hier die 100 % Ansicht

Nils Häussler erklärt uns die Vorteile der E-5
Zusätzlich konnten wir uns das Modell einer kommenden Kompaktkamera anschauen, das über einen kleineren Sensor als FourThirds verfügen wird. Der Sensor soll allerdings immer noch größer sein, als die üblicherweise in Kompaktkameras verbauten Chips. Ich bin unsicher, welche Marktlücke Olympus da sieht …

PEN Freunde können ihre Kamera nun mit Skins „aufpeppen“. Es gibt Oberflächen vom Kroko-Look …

… bis hin zum schlichten schwarzen Überzug. Damit das auch wirklich schick aussieht, sollte man sehr genau arbeiten.
Leica
Am Leica-Stand nutzte ich die Gelegenheit, endlich mal eine M9 in die Hand zu nehmen …

… denn diese Kamera ist der Grund für so manche schlaflose Nacht. Das Gehäuse fühlt sich absolut hochwertig an und der Sucher ist im Wortsinn großartig. Das Messersuchersystem funktioniert ja völlig anders als die üblichen Spiegelreflex Modelle. Autofokus ist bei Leicas Messsucherkameras nicht dabei. Fokussiert wird immer manuell und indem zwei identische Bildelemente so übereinander verschoben werden, dass sie deckungsgleich sind. Das ist zumindest für mich eine ganz neue Erfahrung. Schnell ist sicher anders, aber zum Glück geht’s bei der Fotografie ja nicht nur um Schnelligkeit.
Ich hatte zwar eine eigene Speicherkarte am Start, aber die Fotos sind mir derartig misslungen, dass ich sie hier nicht zeigen kann. Es gehört defiitiv Übung dazu, mit einer solchen Kamera gute Bilder zu machen.
Pearl
Pearl zeigte eine „Performance“, bei der eine „sehr nett“ anzusehende junge Frau eine Ganzkörper-Bemahlung erhielt. Der Stand war recht stark von männlichen Zuschauern frequentiert – ob aber das hier beworbene Produkt (welches eigentlich?) als solches wahrgenommen wurde, vermag ich nicht zu sagen … ;-) Wir haben aus betriebstechnischen Gründen auf die Veröffentlichung eines Fotos verzichtet. :-)
Pentax
Ich habe viele Jahre eine Pentax K110D eingesetzt und für mich war’s die erste Kamere, mit der man richtig gute Bilder machen konnte. Als ich meine E-3 bekam, habe ich sie schweren Herzens verkauft – dann aber auch schnell vergessen … Doch so ganz ging mir Pentax nie aus dem Kopf, denn ich mag Underdogs … Auf dem Messestand hatten Markus und ich die Gelegenheit, die K5 in die Hand zu nehmen. Die neue – oberhalb der K7 angesiedelte – Kamera macht einen ausgezeichneten Eindruck. Sie hat ein vergleichsweise hohes Gewicht und fühlt sich nicht nach Plastik an. Wolfgang Baus hat uns die Kamera vorgestellt.
Fujifilm
Auf den Fujifilm-Stand habe ich mich sehr gefreut, denn die X100 macht auf Fotos einen wirklich ausgezeichneten Eindruck. Das reale Produkt fand ich von der Anmutung nicht mehr ganz so edel, wie auf den Pressebildern. Die Einstellräder sahen z. B. nicht mehr ganz so teuer aus. Aber da die X100 erst viel später lieferbar sein soll, kann man hier keine Bewertung abgeben.
Das Konzept ist schon ein bisschen eingeschränkt, aber wir alle wissen, dass Einschränkungen in den Möglichkeiten auch ihre guten Seiten haben können. Die X100 bietet mit 23 mm nur eine einzige Brennweite und wer damit leben kann, erhält eine wunderschön designte Kamera, die um die 1.000 Euro kosten soll.
Stimmt, es wäre noch netter gewesen, wenn hier Wechselobjektive möglich gewesen wären. Das ist aber nicht so. Diese Tatsache wird den Kundenkreis einschränken, weil viele Fotografen in dem Preisbereich eben nicht auf die Möglichkeit andere Brennweiten einzusetzen, verzichten wollen. Wer sich die X100 kauft, weiß vorher um diese Einschränkung.
Wir haben die X100 intensiv begutachtet und sie machte auch außerhalb der Pressefotos einen wunderschönen Eindruck.

Der Sucher ist eine Klasse für sich – sozusagen “ganz großes Kino”! Das, was später auf dem Foto zu sehen sein wird, wird noch einmal von einem ca. 5mm breiten Rand umrahmt, der den Sucher wirklich gigantisch erscheinen lässt. Damit macht Fotografieren noch mal so viel Spaß.
Markus Nierhaus von Fujifilm sagt noch ein paar Worte zur X100
Hier noch der Teil des Photo-Redaktionsteams, der am 21. auf der photokina sein konnte.

Von links nach rechts: Markus Cremer, Jörn Daberkow, Walter Hörnig
Das war’s so weit von unserem Messebericht.
Beim abendlichen Abflug hatte ich dann noch ein recht spezielles Erlebnis …
Wir sind in den Flieger eingestiegen und als alle saßen, erklang eine unerfreuliche Durchsage: Der Abflug würde sich aufgrund eines technischen Problems (ganz woanders) erheblich verzögern. So weit, so schlecht.
Nicht viel später – alle Passagiere saßen bereits und längst war Ruhe eingekehrt, wurde ich per Lautsprecher namentlich gebeten, nach vorne zu kommen. Mein Erstaunen spottete jeder Beschreibung …
Vorne angekommen, wurde ich ins Cockpit weitergeleitet. Ich dachte die ganze Zeit, “Was zum Teufel wollen die von mir?”. Im Cokpit wurde ich dann freundlich vom Flugkapitän und seiner Copilotin empfangen – man hätte Grüße für mich … “Äh – ja …?” Kurz darauf erklang ein Fröhliches “Hallo Jörn” über das Funkgerät und ich musste total loslachen. Elke – moodWay-Leserin und auf dem Tower beschäftigt – hatte sich von Ihrer Intuition leiten lassen und darauf spekuliert (ich hatte ihr erzählt, dass ich zur photokina bin), dass ich in eben diesem Flieger sitzen würde. Gute Nachrichten hatte sie dann auch noch: Ein paar Telefonate später, konnten sie und ihre Kollegen, uns dann doch noch nahezu pünktlich gen Hamburg fliegen lassen. Cool!
Von mir – mit Sicherheit im Namen aller Passagiere – noch mal ein ganz dickes Dankeschön! :-)


22. September 2010 um 20:02 Uhr
Danke für den tollen Bericht! Aber eine Frage muss dann doch erlaubt sein: Nikon??? ;-)
22. September 2010 um 20:04 Uhr
Hast absolut Recht, aber genau wie z. B. Sony nicht mehr geschafft. Auf der nächsten photokina muss ich dann mehrere Tage dabei sein – oder ein größeres Team mitbringen. Markus und ich konnten einfach nicht mehr in einem Tag schaffen.
22. September 2010 um 20:35 Uhr
Bei Canon gewesen und mir keine 60D geklaut. Ich könnt heulen!
BTW: ich bin offenbar der einzige im ganzen Web, der die haben will.
22. September 2010 um 20:37 Uhr
Die Kameras waren alle mit einem recht stabilen Draht verkabelt. Da hätte schon Hulk kommen müssen, um die abzureißen …
Die D60 … Tja, was ist an der besser, als an einer 550D? Warum nicht gleich eine 7D?
Während Apple ab und an etwas zu große Lücken in Produktangebot hat, scheinen mir die von Canon sehr eng beieinander zu liegen …
22. September 2010 um 20:43 Uhr
Ich habe die 500D, die ist in Sachen Video sehr eingeschränkt. Die 60D bietet da wesentlich mehr und hat ein schwenkbares Display.
22. September 2010 um 20:44 Uhr
Na ich glaube, die 550D, die ja Markus hat und mit der hier die meisten Videos gedreht wurden, ist da nicht schlechter als die 60D – oder täusche ich mich da?
22. September 2010 um 20:59 Uhr
Die 500D ist – was die manuelle Bedienung betrifft – im Videomodus recht eingeschränkt. Die 550D ist da schon wesentlich weiter.
Das Ergebnis hängt letztendlich, wie bei Fotos, zum einen vom Glas und zum anderen vom Videografen ab.
22. September 2010 um 21:00 Uhr
Dann könntest du dir doch locker die 550D holen. Die ist ja doch ein Stückchen günstiger, als die 60D … In der Qualitätsklasse machen die Gläser bestimmt den größten Unterschied.
22. September 2010 um 21:32 Uhr
Gerade bei Video weiß man so’n Schwenkdisplay zu schätzen. Daher versteh ich auch nicht, warum die 60D neben der Nikon D7000 so untergegangen ist. Ich fand die Panasonic GH1 (bzw. ihre soeben vorgestellte Nachfolgerin, die GH2) deswegen schon klasse. Aber nun gibt’s fürs annäherend gleiche Geld ‘ne richtige Canon! (horch, der Fanboy spricht)
Da ich die 500D habe, kann ich in aller Ruhe abwarten, bis der Preis dort angekommen ist, wo ich ihn OK finde.
22. September 2010 um 21:33 Uhr
Womöglich gibt’s bis dahin ‘ne 70D ;-)
22. September 2010 um 21:44 Uhr
“Daher versteh ich auch nicht, warum die 60D neben der Nikon D7000 so untergegangen ist.” – Naja, abgesehen vom Schwenkdisplay hat die 60D aber kaum Vorteile. Mir kommt es so vor, als hätte Canon die 60D voll auf die D90 ausgerichtet und wurde jetzt ganz schön kalt erwischt, indem man bei Nikon die ganze Palette völlig neu ausrichtet…
22. September 2010 um 21:47 Uhr
Könnte ich mir auch vorstellen!
22. September 2010 um 22:02 Uhr
Da bist du wohl recht nah dran.
Andererseits: die 60D ist wesentlich kleiner als die 50D. Sie hat kein Magnesiumgehäuse mehr. Das stört natürlich viele, man kann es fast als Downgrade bezeichnen. Vermutlich wollen sie die 7D nicht kannibalisieren und deswegen platzieren sie sie eine Etage unter ihr und eine über der 550D.
Da Nikon ihnen die Show gestohlen hat, kann’s sein, dass der UVP schnell fällt, was mich dann wiederum freut.
Canon hat(te) ohnehin einen schweren Stand: die G12 interessierte kaum jemanden, weil es da kaum Änderungen zur G11 gab. Und angesichts der Systemkameras hat es so eine teure Kompakte gewiss auch schwer. Die neue Bridge – die SX30 IS – macht munter beim Megapixel- und Megazoomrennen weiter. Die wird’s wahrscheinlich auch nicht leicht haben. Trotzdem bin ich auf erste Tests gespannt, denn die Zahlen (24-840mm!) sind erst mal beeindruckend.
22. September 2010 um 20:40 Uhr
Die Bilder mit den Schlössern kommen mir irgendwie bekannt vor…
Ich bin am Sonntag auch auf der Photokina…
Hattet ihr auch diese komischen Bastel-Eintrittskarten?
22. September 2010 um 20:40 Uhr
Nein, wir waren eingeladen.
22. September 2010 um 21:22 Uhr
Hi Aaron,
noch vergessen: Diese Schlösser sind schon ‘ne Attraktion. Wer immer nach Köln kommt und auf diese Brücke gelangt, wird die fotografieren. Das ist einfach was Besonderes.