meinung

Kamerakauf: Vom allgegenwärtigen Kompromiss

| 2 Kommentare

Mit jeder halbwegs aktuellen Spiegelreflex-Kamera lassen sich Bilder in sehr guter Qualität aufnehmen. Dabei ist es gleichgültig, ob diese Kamera 6, 8, 10 oder noch deutlich mehr Megapixel bietet. Aber ist es deshalb egal, was man kauft? Ganz so einfach ist es dann doch nicht, denn Unterschiede sind durchaus vorhanden …

Jeder Kamerahersteller bringt ein paar Eigenheiten in die Ehe, mit denen sich der eine gut und der andere gar nicht arrangieren kann. Die Rede ist vom Kompromiss, den man entweder in Sachen Rauschen, oder beim Detailreichtum eingehen muss. Dabei ist es egal, ob ein Hersteller womöglich schon in die RAW-Dateien eingreift, oder erst „dahinter“ – je mehr das Rauschen unterdrückt wird, desto mehr geht das auf Kosten der Detailzeichnung. Je weniger das Rauschen unterdrückt wird, desto mehr Details zeigen die Aufnahmen (zumindest so lange sie nicht vom Rauschen überlagert werden), nur rauschen sie dann auch mehr. „Was ist besser?“ ist hier nicht die Frage. Die Frage lautet: „Was will ich und was fotografiere ich vorwiegend?“. Falls du also gerade vorm Kauf einer Spiegelreflex-Kamera stehst, solltest du genau wissen, was du brauchst und welcher Kompromiss für dich der beste ist.

Wer in der Hauptsache bei Nacht, in Räumen, oder einfach schlechten Lichtverhältnissen arbeitet, sollte wirklich eine Kamera wählen, die Reserven in Sachen Rauschfreiheit bietet, denn unter diesen Umständen ist man zwingend auf höhere ISO-Werte angewiesen (es sei denn, man arbeitet mit einem Stativ und alle Bilder entstehen per Langzeitbelichtung). Das gilt natürlich nur bei unbewegten Objekten!

Wer hingegen bei meist guten Lichtverhältnissen fotografiert, sollte möglichst hohen ISO-Werten weniger Gewicht beimessen und eine Kamera wählen, die in Sachen Detailzeichnung punkten kann.

Zwischen den Extrempostitionen lassen sich ggf. schöne Kompromisse finden. Ein Modell mit gerade noch guter Detailzeichnung kombiniert mit sehr lichtstarken Objektiven kann unter Umständen die bessere Wahl sein, als eine Kamera, deren einzige Stärke die Rauscharmut (bei hohen ISO-Werten) ist (überspitzt formuliert).

Was ich eigentlich sagen möchte: Schau‘ genau hin, was du mit der Kamera machen möchtest und wähle dann das für dich passende Modell. Die beste Kamera gibt es zumindest meines Wissen nicht wirklich – nur den besten Kompromiss für einen selbst. Hier spielen dann auch noch andere Faktoren eine Rolle. Was muss ich für gute Objektive zahlen? Möchte ich den Wackelschutz im Gehäuse, oder in den Objektiven?

Der beste Kompromiss für mich

Ich setzte seit einer ganzen Weile eine Olympus E-3 ein, für die ich zwei extrem gute Gläser habe. Meine lange Brennweite (100-400mm aufs Kleinbildformat umgerechnet) kommt bei 400mm immer noch auf eine Lichtstärke von 3,5. Der Detailreichtum ist enorm. Rauscharm ist die Kamera jedoch nicht – jedenfalls nicht bei ISO-Werten, die über 400 hinausgehen. Allerdings nutze ich höhere Werte so gut wie nie, weil meine Bilder meist bei gutem Licht entstehen. Sollte sich mein Schwerpunkt irgendwann verlagern, würde ich wahrscheinlich ein zweites Modell von einem anderen Hersteller dazu kaufen, das mir die nötigen Eigenschaften bietet.

Zum Thema Rauschen …

Das Rauschen der E-3 empfinde ich als sehr harmonisch. Es ist kein unangenehmes, sondern ein „sanftes“, „gleichmäßiges“ Rauschen, das Bildern den Hauch von „Körnung“ verleiht. Ein Foto, das mein Motiv ganz und gar „glatt“, also völlig rauschfrei zeigt, hätte für mich (zum aktuellen Zeitpunkt) etwas künstliches im Sinne von „Plastikbild“.

Und schon sind wir inhaltlich wieder bei meiner Einleitung: Fotografie ist etwas höchst individuelles. Die Anforderungen können schon bei zwei Fotografen so weit wie nur irgendwas voneinander entfernt sein. Die beste Kamera ist zumindest mir nicht bekannt. Es gibt nur eine, die für dich passt. Wenn du die gefunden hast, kannst du dich einfach auf gute Bilder konzentrieren und brauchst nicht mehr über eine bessere Kamera nachzudenken.

Jörn

Autor: Joern

Fotografie und Musik sind ein substanzieller Teil meines genetischen Codes und keine freie Entscheidung.

2 Kommentare

  1. Jörn,
    Danke für den Artikel. Ich werde das dann nächste Woche Berücksichtigen :D.

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*