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Interview: Tanja Ganzer

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Vor kurzem bin ich über Google+ auf Tanja Ganzer aufmerksam geworden. Ihre Bilder haben mir so gut gefallen, dass ich sie um ein Interview bat. Tanjas Spezialität sind Hochzeitsreportagen. Sie fotografiere aber auch Familien, Kinder, Neugeborene, Schwangere und Natur.

Tanja Ganzer Wie bist du zum Fotografieren gekommen?

Eigentlich über meinen Vater. Er hat zwar seit ich mich erinnern kann nicht mehr aktiv fotografiert, sich aber früher viel damit beschäftigt und sich auch einige analoge Spiegelreflexkameras zugelegt. So habe ich immer wieder mit ihm im Keller gestanden und er hat mir etwas über die Kameras erzählt. Irgendwann durfte ich eine ausprobieren, eine Halbautomatik. Ich war ganz stolz, wenn ich hinterher festgestellt habe, dass das mit der Belichtung auch tatsächlich geklappt hat. So kam ich dann immer öfter zum Fotografieren. ’99 habe ich mir dann von meinem Ersparten meine erste eigene Spiegelreflexkamera gekauft und seitdem war ich nur noch mit ihr unterwegs. Es hat einfach Spaß gemacht, Momente einzufangen, schöne Städte oder Personen zu fotografieren. Immer mehr kamen dadurch auch meine Freunde und Verwandte auf den Geschmack, es hingen immer mehr meiner Bilder in ihren Wohnungen und somit wusste ich, ich habe es richtig gemacht.

Arbeitest du mit einer analogen oder einer digitalen Kamera?

Ich fotografiere digital, und zwar mit einer Canon 50D und einer 5D Mark II. Meine Canon 350D liegt aber immer noch bei mir im Schrank – ich konnte mich noch nicht von ihr trennen :-)

Welches Objektiv verwendest du am Häufigsten?

Ich arbeite sehr gerne mit Weitwinkelobjektiven, je Lichtempfindlicher umso besser. So habe ich für die 50D ein 17-55mm 2,8 und für die 5D Mark II das 24-70mm 2,8. Da ich gerne auch die Umgebung miteinbeziehe. Was ich aber auch immer dabei habe, vor allem bei Hochzeiten und Detailaufnahmen ist das 50mm 1,4. Es ist einfach unschlagbar und unumgänglich in meiner Fotografie, da es einfach so vielseitig einsetzbar ist, vor allem auch bei schweren Lichtverhältnissen.

Wie wichtig ist dir eine hohe Lichtstärke?

Wie bereits erwähnt ist Lichtstärke für mich das A&O. Dadurch dass ich viele Hochzeitsreportagen fotografiere und es in den Kirchen meist dunkler ist, ist es ein Muss ein gutes lichtstarkes Objektiv zu haben, damit man die Stimmung richtig einfängt und vor allem nicht blitzen muss. Ich versuche den Blitz zu vermeiden, wo es nur geht und dafür benötigt man eben Lichtstärke.

Welchen Wunsch hast du an die Hersteller von Kameras?

Das ist schwer zu sagen, da es eigentlich fast alles gibt, man muss nur das nötige Kleingeld dafür ausgeben. Z. B. wäre es ganz toll, wenn sie bereits bei der 5D die doppelte Speichermöglichkeit (2 Speicherkarten) einbauen würden, so dass man entweder Fotos und Film separat abspeichern oder was für mich wichtiger wäre, alles doppelt abspeichert, so dass man gleich ein Back-up von allen Bildern hat.

Rauschreduzierung könnte auch noch verbessert werden bei Canon. Welchen Wunsch ich aber an alle Hersteller habe? Sie sollen sich auf das Wesentliche reduzieren, dass Kameras bessere Bilder machen, wie gesagt Rauschreduzierung, einfache Menüführung, größere Sensoren … und nicht, mit immer mehr Pixeln Werbung machen, nur damit die Leute ihr Produkt kaufen, weil es gut klingt.

Wie gehst du bei Portraitfotos vor?

Bei Portraitfotos treffe ich mich mit meinen Kunden entweder bei Ihnen zu Hause, oder irgendwo draußen an einem Ort ihrer Wahl. Falls beides nicht möglich ist, aufgrund von Wetter, zu kleiner Wohnung etc. können sie gerne auch zu mir nach Hause kommen. Ich habe ein mobiles Studio, das ich vor allem bei Schwangerschaftsbildern und Neugeborenenbildern anwende, ansonsten greife ich viel lieber auf die natürliche Umgebung, bzw. freie Natur zurück. Die Bilder bekommen dadurch einen ganz anderen Touch, viel natürlicher, vor allem aber auch anders im Gegensatz zu reinen Studioaufnahmen.

Es geht mir darum, dass sich meine Kunden wohl fühlen, gerne gehen wir auch erst mal spazieren, trinken einen Kaffee … um uns kennenzulernen, und dann fange ich nach und nach an die Bilder zu schießen. Immer wieder zeige ich ihnen die Bilder auf der Kamera, damit sie das Ergebnis vor Augen haben, begeistert weiter machen wollen und auftauen. Die meisten von uns stehen eben nicht täglich vor einer Kamera und somit ist das ein ganz neues ungewöhnliches und unbehagliches Gefühl, das es gilt umzuwandeln in Begeisterung, Spaß und Freude, die man dann auch auf den Bildern sehen kann.

Dein interessantester Auftrag?

Es war im Frühjahr diesen Jahres als die Idee aufkam, dass ich doch bei einer Cycle-Car Ausfahrt über die Schwäbische Alb mitfahre und dabei die stolzen Autobesitzer fotografieren soll. Ich bin über einen ehemaligen Klassenkameraden darauf gekommen, da sein Vater diese Ausfahrt jedes Jahr veranstaltet. Morgens kamen wir an und überall standen die wunderschön herausgeputzten Oldtimer liebevoll hergerichtet. Teilweise waren die Besitzer auch stilgetreu (20er Jahre) angezogen und natürlich voller Stolz.

Ich wusste gar nicht wo ich anfangen sollte zu fotografieren, da es einfach so viele tolle Motive gab. Und dann ging es auch schon los. Wir sind dann immer ein Stück vorausgefahren, um sie beim Vorbeifahren zu fotografieren, während der Fahrt und wie sie so vorbeigeflitzt sind. Ich wusste gar nicht dass sie so schnell fahren. Das lustige war, dass man denkt, dass die Besitzer übervorsichtig mit Ihren Oldtimern umgehen und möglichst nie die asphaltierten Straßen verlassen, aber dem war nicht so. Bei jeder Gelegenheit, wo es irgendwo einen Feldweg lang ging, der Abenteuer versprach, sind wir dort eingebogen, egal ob vereiste Fahrbahn, verschlammter Boden, oder Sackgassen … es war alles mit dabei. Teilweise hat sich auch so viel Schnee im Motor angesammelt, dass Fahrzeuge stehen geblieben sind und sie es vor Ort erst einmal auftauen mussten … Alles in allem ein spannender Tag.

Kunst entsteht im Auge des Betrachters. Ist eine gute Ausbildung wirklich nötig, um ein gelungenes Foto zu machen?

Wie du sagst: Kunst liegt im Auge des Betrachters. Ich denke, dass man auch ohne Ausbildung gute Bilder fotografiere, malen, Skulpturen erstellen … kann. In jedem Fall ist natürlich fachliches Know-How von Vorteil, weil man dadurch weiß, wie man mit den Kameras bzw. Materialien umgehen kann um das Beste für sich rauszuholen.

Bei der ganzen Technik heutzutage ist es notwendig sich mit dem Gerät zu befassen, um überhaupt das Bild zu bekommen, so wie man es haben möchte, sonst macht die Kamera was sie will und man ist unzufrieden mit dem Ergebnis. Aber ich bin überzeugt, dass wenn man sich genügend damit auseinander setzt und Sachen ausprobiert, keine umfangreiche Ausbildung benötigt um gute Ergebnisse zu erzielen und erfolgreich zu sein. Ich selbst habe mir auch alles beigebracht. Ich habe zwar Workshops besucht und Bücher gelesen, aber studiert habe ich es nicht. Vielleicht gehe ich dadurch auch viel ungezwungener an die Sache ran, weil man es eben vom Gefühl her macht.

Welche Fehler fallen dir bei den Fotos anderer Fotografen als erstes auf?

Fehler … Ich denke jeder interpretiert das anders und jedem gefallen die einen Bilder mehr als andere. Wie gesagt, ich habe es nie gelernt, von dem her sehe ich mir Bilder nicht danach an, ob sie technisch perfekt sind, sondern ob sie mich berühren. Für mich müssen Bilder ein Gefühl vermitteln, eine Geschichte erzählen … ist schwer umzusetzen – ich arbeite da selbst noch dran, nur dann finde ich ein Bild gut. Von Fehler würde ich vielleicht sprechen, wenn die Komposition zu viel unnützer Sachen mit einbezieht, Dinge, die vom eigentlichen Bild ablenken, die nicht mit dazugehören.

Ist die Verfremdung deiner Bilder mittels Software aus deiner Sicht ein legitimes Stilmittel?

Auf jeden Fall. Es wurden früher die Bilder ja auch auch schon analog bearbeitet, damit das gewünschte Ergebnis rauskommt. Durch die Bearbeitung kann man eben heutzutage noch viel mehr aus den Bildern herausholen und dadurch gewünschte Stimmungen erzeugen. Ich finde da nichts Falsches daran. Es geht darum ein gutes Bild noch besser zu machen. Wenn ein Bild nichts geworden ist, kann man da auch mit Bildbearbeitung nichts mehr herausholen.

Welche Software setzt du warum zur Bildverarbeitung ein?

Hauptsächlich arbeite ich mit Lightroom. Ich habe es einmal ausprobiert und sofort lieben gelernt. Es macht allen die viele Bilder machen und bearbeiten das Leben leichter. Man kann darin nicht nur die Bilder bearbeiten, man kann sie auch organisieren, aussortieren, drucken, Slideshows erstellen … Und wie ich finde ist es sehr intuitiv, vieles findet man durch probieren selbst heraus, man kann alles personalisieren, wie es einem am besten passt und es arbeitet schnell. Wenn ich bei Lightroom an meine Grenzen stoße, greife ich auf Elements 9 zurück, was für mich und meine Bilder ausreichend ist.

Wie gehst du bei der Bildoptimierung vor?

Erst einmal gehe ich durch alle Bilder und sortiere sie gleich schon mal aus, oder bewerte sie, je nachdem, wie gut sie mir gefallen. Danach gehe ich alle bewerteten Bilder durch und suche mir die besten raus, die ich weiterbearbeiten möchte. Bei Lightroom habe ich mittlerweile verschiedene Vorlagen zur Bearbeitung von Bildern, die abgespeichert sind. Meistens habe ich schon eine bestimmte Vorstellung, wie das Bild aussehen soll, ob Schwarz/Weiß, Sepia, im Vintage-Stil … So dass ich die Vorlagen durchgehe und dann noch individuell für jedes Bild bearbeite, je nachdem, ob das Bild etwas zu dunkel oder zu hell ist, ob es noch etwas mehr Rauschreduzierung benötigt, oder Korrekturen kleiner Unebenheiten … Am Ende werden sie als jpg exportiert und auf DVD gebrannt, bzw. ins Internet gestellt.

Welchen Tipp hast du für Anfänger?

Dadurch dass es heutzutage eine solch riesige Auswahl an Kameras und Objektiven gibt, kann ich persönlich nur raten, geht in einen Fotoladen eures Vertrauens und probiert sie aus. Ihr müsst euch mit der Kamera wohl fühlen, ein Gespür für sie bekommen. Man glaubt es kaum, aber es gibt riesige Unterschiede!

Wenn ihr euch für eine Spiegelreflexkamera entscheidet, würde ich euch Canon oder Nikon empfehlen, da diese die größte Auswahl an Objektiven, Blitzen und sonstiger Ausrüstung haben. Nicht dass ihr euch eine teure Kamera anschafft, euch dafür begeistert und irgendwann feststellen müsst, da gibt es jetzt nicht mehr das passende Zubehör dafür.

Für den Start werdet ihr überall hören, kauft euch das 50mm mit einer Lichtstärke von 1,8, da es nur ca. 100 Euro kostet und ein tolles Objektiv ist, und das kann ich nur bestätigen. Vor allem für den Einstieg, da die Ausrüstung ja nicht gerade billig ist, freut man sich über jeden preisgünstigen Tipp. Ja, und dann … herzlichen Glückwunsch! Nun geht raus und fotografiert!

Danke für das Gespräch

Jörn Daberkow

Ergänzende Links

Autor: Joern

Fotografie und Musik sind ein substanzieller Teil meines genetischen Codes und keine freie Entscheidung.

7 Kommentare

  1. Vielen Dank Jörn für das Interview. Es hat mich sehr gefreut mit dir zusammen zu arbeiten!
    Liebe Grüße aus Stuttgart

  2. Schöne Bilder, interessantes Interview…. Wie schon im Interview gesagt wurde, denke ich, man braucht nicht unbedingt ne Ausbildung dafür, um gute Bilder zu machen… Aus eigener Erfahrung kann ich hier nur sagen, es ist manchmal auch nur reiner Zufall, bzw. etwas Glück, das es braucht, um ‘gute’ Fotos zu machen…

  3. Die Kunst des Fotografierens besteht im Blick des Künstlers das richtige Objekt zum richtigen Zeitpunkt im schönsten Licht zu fotografieren.
    Wunderschöne Fotos auf deiner Homepage und im Blog, du Künstlerin

  4. Vielen Dank an Jörn für die “Entdeckung” und Dir, Tanja, vielen Dank für die Fotos und Deine interessanten Antworten :-)

  5. Dass fotografieren harte Arbeit ist hab ich spätestens bei Deinem “interessantesten Auftrag” gelernt- dafür sind dann auch unglaubliche Bilder entstanden!

  6. Ein interessantes und sehr freundliches Interview. Gut gemacht, Jörn!
    Gruß, Ulf

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