Carmen Steiner ist eine Fotografin aus Hamburg, die sich recht erfolgreich im Stockmarkt etablieren konnte. Ich war neugierig, wie sie das gemacht hat, welche Arbeit dahinter steckt und mit welchem Equipment sie arbeitet. Hier ihre Antworten …

Carmen Steiner
Carmen, wie bist du zur Fotografie gekommen?
Eigentlich habe ich schon immer fotografiert. Als kleines Kind hatte ich eine Pocket Kamera und mit 19 habe ich mir eine einfache Spiegelreflexkamera gekauft und bin durch die Straßen von Berlin und Paris gelaufen, um die Städte in Schwarzweiß festzuhalten. Dann habe ich aber eine länger Pause gemacht und erst wieder vor 2 Jahren zur Kamera gegriffen.
Und wie bist du zur Stockfotografie gekommen?
Ich bin da per Zufall reingerutscht. Bis vor 2 Jahren wusste ich nicht einmal, dass es einen Stockmarkt gibt. Man kann es kaum glauben, aber “Schuld” ist eigentlich 1&1. Die hatten eine Werbeaktion für Fotolia gestartet und ich habe neugierig auf den Link geklickt und mit großen Augen die Welt der Stockfotografie entdeckt.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich eine kleine Handelsfirma und anstatt mich mit der Buchhaltung zu beschäftigen habe ich lieber stundenlang die Produkte arrangiert und für unseren Internetshop abgelichtet. Also kam mir die Entdeckung der Stockfotografie gerade recht.
Ich bin schon immer ein kreative Mensch gewesen, und habe mich in vielen Dingen ausprobiert, Zeichnen, Schreiben, Digital-Art insbesondere Terragen. Nun scheint es so als sei ich angekommen. Ich gehöre nun zu den Menschen, die morgens auf Frühstück verzichten, nur um schnell genug zur Arbeit zu kommen. Und es macht mir auch nichts aus, Nachts vor dem PC zu sitzen und die Fotos mit Keywords zu verschlagworten oder bei den Agenturen hochzuladen. Obwohl – grins – falls sich jemand finden würde der sich um die stupide Verschlagwortung kümmern würde, wäre ich auch nicht böse.
Wenn man die Preise sieht, die im Stockmarkt aufgerufen werden, wird jedem Fotografen erstmal schlecht … Kann man davon leben? Wie viel verdienst du damit und wie groß ist dein Aufwand?
Stimmt, wenn man nur den Microstock-Bereich sieht, mit Abo-Preisen, die zwischen 0,14 und 0,18 Euro pro Bildlizenz liegen, erntet man zuerst einmal Mitleid. Selbst wenn man erklärt dass diese Abo-Verkäufe nicht einmal 10 % vom Ganzen ausmachen und die restlichen 90 % im Microstock durchschnittlich 1 Euro pro Lizenz bringen, klingt das stark nach Taschengeld. Das ist aber ein Irrtum, da die Stockindustrie ein Massengeschäft ist. Wer ein thematisch gut gemischtes Portfolio mit mindestens 1.000 bis 2.000 technisch guten Fotos vorweisen kann, verkauft locker 30 bis 80 Lizenzen pro Tag.

Und dann kommt da noch der Midstock-Bereich hinzu. Dort verdient der Fotograf zwischen 15 bis 30 Euro pro Lizenz . In diesem Bereich gibt es aber deutlich weniger Verkäufe, da inzwischen selbst große Verlagshäuser auf dem Microstockmarkt einkaufen. Das ist auch ein Grund, warum ich – jedenfalls für mich – keine Zukunft auf dem Exklusiv-Markt sehe und bei einer großen Food-Agentur wieder den Fuß aus der Tür gezogen habe. Zumal, wer hat schon Lust zu jedem Foto auch noch ein Rezept zu liefern ;-)

Ja, man kann davon leben, wie bereits erwähnt, braucht man dafür aber ein paar tausend guter Fotos. Die großen Stockstars haben zwischen 6.000 und 12.000 davon im Stock und verzeichnen Umsätze im Jahr die gar die 1 Million Dollar Grenze knacken.

Umsatz ist natürlich nicht gleich Gewinn, aber selbst wenn man Steuern und Kosten fürs Team abzieht, bleibt da sicher noch ordentlich was übrig.
Auch ich verdiene jeden Monat mehr, da jeden Monat weitere Fotos hinzukommen. Letztes Jahr mit 500 Fotos im Durchschnitt 400 Euro/Monat, im Moment mit 1.000 Fotos zwischen 800 – 1.000 Euro/Monat. Zielsetzung: 2000 Fotos, Verdienst? Frag` mich einfach noch mal in 12 Monaten.

Meist starte ich so gegen 9 Uhr den Einkauf für das geplante Projekt und fahre dann ins Studio. Dort verbringe ich ca. 5 Stunden mit kochen, stylen und fotografieren.

Wieder zu Hause angekommen, beschäftige ich mich noch ein mal gut 2-4 Stunden mit Bildbearbeitung, Verschlagwortung und dem Upload auf die Agentur-Server. Das Ganze passiert mindestens 4 Tage die Woche, ab und an treibt es mich gar am Wochenende ins Studio, jedenfalls im Moment. Im Sommer sieht man mich dort weniger, da ich dann auch gerne die Natur mit meiner Kamera entdecke.

Auf einen Nenner gebracht: Am Anfang steht viel Zeitaufwand und wenig Verdienst. Mit wachsendem Portfolio pendeln sich Zeitaufwand und Verdienst ein.

Wie gehst du an das Thema Stockfotografie heran? Guckst du, welche Themen besonders gefragt sind, oder kümmerst du dich ausschließlich um die Dinge, die dir besonders viel Spaß machen?
Thematisch ist das bei mir im Moment etwas einseitig, da ich mich dieses Jahr fast nur mit Food beschäftigt habe. Schön anzusehen, aber nur bedingt verkaufsfähig, da die Einsatzmöglichkeiten nur begrenzt sind.

Nächstes Jahr werde ich wieder mehr auf Bildaussagen setzen, was dann mehr in den Business-Bereich geht. Das bedeutet, ich gehe morgens nicht einkaufen, sondern grüble am Schreibtisch erst einmal darüber nach, wie ich entweder ein aktuelles Thema in Szene setzen kann, oder altbekannte Bildaussagen, so darstelle, das sie frisch und neu wirken. Aber am besten ist es natürlich, man erfindet neue Dinge. Ohne Spaß und Überzeugung, geht in der Fotografie gar nichts, jedenfalls ist das bei mir so. Ich kann nur kreativ sein, wenn ich mich wohl fühle.
Dein Schwerpunkt liegt im Bereich Food, aus welchem Grund?
Nun ja, gleich in die Königsklasse einzusteigen, ist als Amateur natürlich schon recht dreist, aber für mich ist es im Moment – außer im Sommer Landscapes – genau das richtige, da ich nicht so viel Platz brauche. Den Anfang hat das Ganze in meinem Wohnzimmer genommen. Ein kleiner Klapptisch, ein paar alte Schreibtischlampen, Tageslichtglühbirnen, ein Bogen Fotokarton als Hohlkehre. So sind zum Beispiel meine Start- und Zielfotos mit dem Würfel entstanden …

… Wobei hier eher die Bildidee die Fotos zum Renner gemacht haben, da die technische Umsetzten heute besser wäre.
Nach ein paar Wochen war eigentlich alles was ich so in meinem Umfeld finden konnte abgelichtet, sogar Wilbert, der Marienkäfer …

… der sich in meiner Wohnung verirrt hatte, musste als Fotomodel herhalten ;-) Und ich merkte schnell, dass ich einige Dinge nicht umsetzen konnte, da ich nicht das richtige Handwerkszeug zur Verfügung hatte. Also habe ich mir zwei Blitzköpfe und eine Nikon D200 gekauft. Normalerweise lese ich keine Benutzerhandbücher, aber ich muss gestehen, dass das Benutzerhandbuch der D200 zu meiner “Bibel” geworden ist, da ich noch nie zuvor eine digitale Spiegelreflexkamera in der Hand gehalten hatte.

Inzwischen bin ich auf die Nikon D300 umgestiegen und mit meinen ganzen Softboxen, Stativen, Hintergründen in ein kleines Studio umgezogen. Jetzt kann ich sogar wieder Besucher in mein Wohnzimmer lassen. :-D
Man glaubt ja nicht, was man so alles zusammensammelt, wenn man sich mit Food-Fotografie beschäftigt, Ich habe ein wildes Sammelsurium an Geschirr, Decken, Deko, Untergründen usw. Das schöne an dem Studio ist auch, dass ich dort natürliches Licht mit einbeziehen und selbst auch mal Nachts arbeiten kann ohne das mein Blitzlichtgewitter Anwohner stört.
Du setzt inzwischen eine Nikon D300 ein – warum gerade dieses Modell?
Für mich ist die D300 im Moment die beste Kamera im Halbformat, die man in dieser Preisklasse kaufen kann. Und ich bin wirklich erstaunt, wie extrem der Unterschied zur D200 ist. Das hätte ich nicht gedacht, daher habe ich Anfangs auch gezögert und mit der D700 geliebäugelt, aber da ich nebenbei auch Sportfotos mache, ist Vollformat für mich nicht wirklich interessant, jedenfalls nicht zu diesem Preis.
Welches ist deine Lieblingsbrennweite?
Bitte jetzt nicht lachen, aber bei meinen Food-Fotos achte ich da gar nicht drauf, da muss ich jetzt erst einmal in meine Meta-Daten gucken. Also, meist zwischen 60-85 mm. Wobei im Foodbereich die Blende viel wichtiger ist, finde ich, um eben bestimmte Details zu betonen. Für die RC-Sportfotos 300 mm. Daher eben auch Halbformat.

Arbeitest du mit Blitz?
Im Studio ja, aber nur mit externen Blitzen und dann am liebsten nur indirekt, um möglichst weiche Schattenbereiche zu bekommen. Outdoor nie.
In welchen Situationen kommt man nicht ohne Blitz aus?
Immer dann, wenn man ein Foto mit niedrigen ISO-Wert aufnehmen muss, da man es verkaufen möchte. Bildagenturen nehmen nix über ISO 200 an. bzw. lehnen alles ab, was ein Bildrauschen wegen schlechtem Licht aufweist. Ich persönlich mag eigentlich keinen Blitz, da er jede Natürlichkeit zerstört.
Kein Fotograf kommt heute ohne Software aus. Welche Sachen setzt du ein und warum?
Jedes Foto geht erst einmal durch den RAW- Converter. Ich nutze dafür Capture NX2, dort finden auch kleine Tonwert- und Kontrastkorrekturen statt. Mich begeistert an diesem Programm die U-Point Technik. Damit lassen sich gezielt kleine Bereiche aufhellen. Wirklich genial! Farbsättigung und ggf. entfernen von Sensorflecken findet in Photoshop statt, wobei ich noch immer mit der alten guten 7.0 Version arbeite.
Danke für das Gespräch
Jörn
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