Seit längerer Zeit fällt mir auf, dass viele Leute mal so eben nebenbei ihre Fotos machen. Scheint der Zeitgeist zu sein, alles möglichst schnell zu „erledigen”. Wenn der Knipser (ich nenne ihn jetzt mal einfach so …) mit seinen so entstandenen Bildern zufrieden ist – OK, soll er so weitermachen …

Mir persönlich gefällt diese Art des Fotografierens nicht sonderlich. Wenn ich mich dazu mal hinreißen lasse, bin ich nachher mit den Bildergebnissen regelmäßig nicht zufrieden.
Auch die “Techniklastigkeit”, mit der heute viele Kamerabenutzer zu Werke gehen, halte ich für übertrieben. Sicherlich macht das Arbeiten mit einer “anständigen” Ausrüstung mehr Spaß und erleichtert womöglich das Erreichen der gewünschten Ergebnisse. Aber es ist doch so, dass noch keine Kamera und kein einziges meiner Objektive jemals alleine losgezogen sind, sich Motive gesucht haben, und dann die Bilder gemacht hätten …
Die Bilder entstehen idealer Weise schon vorher im Kopf des Fotografen. Erst, wenn ich weiß, was ich als Ergebnis haben will, kann ich mich daran machen, diese Idee umzusetzen. Dabei mag die Technik eine Hilfe sein, aber sie sollte mich auch nicht zu sehr beschäftigen, damit ich nicht vor lauter “Knöpfchendrehen” und “Tastendrücken” den besten Moment verpasse …
Das ist einer der Gründe, warum ich immer noch Kameras mit klassischem Bedienkonzept bevorzuge: Für jede Funktion ein Schalter oder Rädchen, keine verschachtelten Menüs, sondern direkter Zugriff auf alle Funktionen. So mag ich das am Liebsten. Dann kann ich mich mit meinem Motiv beschäftigen, statt ständig an der Kamera herumzufummeln.
OK, ich habe etwas entdeckt, das ich gerne fotografieren möchte. Also Programmautomatik eingestellt, schnell durch den Sucher geguckt und abgedrückt? Kann man so machen, siehe oben. Man könnte aber auch erstmal überlegen, warum man dieses Motiv eigentlich ablichten möchte:
- Was ist daran so besonders?
- Was gefällt mir daran?
- Sind es die Farben oder das spezielle Licht?
- Strukturen?
- Linien?
- Ist es eine besondere Situation?
Im letzten Falle habe ich jetzt möglicherweise das Bild verpasst, weil diese besondere Situation gerade vorbei ist. Manchmal ist Schnelligkeit doch nicht so schlecht … In den anderen Beispielen, kann mir Nachdenken dabei helfen herauszufinden, was das Wesentlich des Motivs ist, und erst dann kann ich mich daran machen, genau dieses Wesentliche möglichst gut darzustellen. Das kann bei mir schon einmal dazu führen, dass ich mich eine gute Stunde oder länger mit einem Motiv befasse, es von allen Seiten betrachte, verschiedene Perspektiven überprüfe, ohne auch nur einmal die Kamera auszulösen. Manchmal passiert es dabei auch, dass ich feststelle, dass dieses Objekt nicht so zu fotografieren ist, wie ich es mir vorstelle. Dann muss ich halt weitersuchen …

Meistens allerdings finde ich auf diese Weise einen oder mehrere Blickwinkel, mit denen ich dann zufrieden bin. Oft ergibt sich aus der ganzen Nachdenkerei eine deutliche Konzentration des Bildausschnittes auf das Wesentliche des Motivs. Ich lasse dann also alles, was vom eigentlichen Motiv ablenken könnte weg, indem ich nah herangehe. Wenn ich nun den passenden Bildausschnitt habe (wobei ein Stativ auch im Sinne einer “Entschleunigung” hilfreich ist), kann ich mithilfe der Blende bestimmen, wie groß ich den Bereich haben möchte, der auf dem Bild scharf abgebildet sein soll. Einige werden jetzt wahrscheinlich denken: “Na, alles natürlich”, aber gerade das Spiel mit Schärfe und Unschärfe hat seinen Reiz. Ich kann so das eigentliche Motiv scharf vor einem unscharf abgebildeten Hintergrund “freistellen”. Das funktioniert allerdings nur, wenn ich eine Kamera verwende, die es erlaubt, die Blende von Hand einzustellen, und noch besser geht es, wenn die Kamera auch eine Abblendtaste hat, die mir gestattet, das zu erwartende Ergebnis vorher im Sucher zu begutachten. Allerdings braucht es da schon einen guten, hellen und großen Sucher, den leider nicht alle der heutzutage erhältlichen DSLRs bieten …
Mit der Größe der Blendenöffnung lässt sich also der Bereich der Schärfentiefe steuern. Eine große Blendenöffnung (= kleine Blendenzahl) ergibt einen kleineren Schärfebereich, eine weit geschlossene Blende (= hohe Blendenzahl) ergibt folglich einen größeren Schärfebereich. Dieser Effekt ist allerdings auch von der jeweiligen Aufnahmeentfernung abhängig, denn im Nahbereich ist die Schärfentiefe ohnehin kleiner, so dass eine weit geöffnete Blende noch kleinere Schärfebereiche ergibt.
Wenn ich mich für die Blende entschieden habe, bleibt nur noch, die Menge des Lichtes, das den Film oder Sensor erreichen soll zu dosieren. Das geschieht zum einen durch die Größe der Blendenöffnung, die ja nun feststeht, und zum Zweiten durch die Dauer der Belichtungszeit. In der Regel machen das moderne Kameras automatisch richtig und gut, so dass nun das Bild im Kasten sein sollte.

Das hier soll bestimmt kein Artikel sein, im Sinne von: “Wie mache ich ab sofort nur noch supertolle Fotos?”, sondern eher eine Erinnerung daran, dass man sich bei der Beschäftigung mit seinen Motiven einfach mal wieder etwas mehr Zeit lassen sollte. Immerhin ist das doch für die meisten von uns ein Hobby, dem wir freiwillig nachgehen. Niemand hetzt uns, wir haben die Zeit, zu versuchen, das Beste, Schönste, Wichtigste, Besondere oder was auch immer an unserem Motiv herauszuarbeiten.
Mag sein, dass gerade dies etwas ist, was der Profi verliert, wenn er unter Zeit- und Erfolgsdruck gerät. Mir jedenfalls macht diese Weise zu fotografieren viel mehr Spaß, als von Motiv zu Motiv zu hecheln und so doch nur “Bilder einzusammeln” …
Andreas Lettow


25. Mai 2010 um 08:55 Uhr
Das war jetzt ein ganz anderer Beitrag, als ich durch die Headline vermutet habe. “Zeichnen mit Licht” oder frei ins Englische übersetzt “lightpainting” ist tatsächlich eine Fototechnik im Studio (einfach mal suchmaschinen). Darum gehts hier aber gar nicht …. ;-)
Gerade erst dieses Wochenende war ich mit meiner Liebsten wieder unterwegs, bewaffnet mit der Knipse, in einem motivschwangeren Park. Leider hat uns nach gut 2,5 Std. das Wetter wieder vertrieben. Trotzdem waren wir recht zufrieden mit der Ausbeute. Wir beide sind bekennende “Affekt-Knipser” (kommt möglicherweise noch aus meiner LOMO-Zeit). Keine Ahnung ob es das als amtliche Deffinition gibt, es bedeutet für uns genau das, was es vermuten läßt. Motiv gesehen und schon abgedrückt. Vielleicht noch ein zweites oder drittes Mal mit anderen Einstellungen, aber dann gehts schon weiter. Also das genaue Gegenteil. Und es macht uns trotzdem unglaublichen Spass. Auch der Vergleich der Bilder eines Tages, weil wir beide nicht unbedingt immer die selben Motive sehen. Man könnte es manchmal auch als eine Art fotografische Schnitzeljagd bezeichenen oder “photorace”. Auf jeden Fall eine lustvolle Form zu zweit auf “Jagd” zu gehen.
25. Mai 2010 um 20:11 Uhr
…tztztz, jetzt hat er doch tatsächlich Photographieren mit “F” geschrieben… ;-)
Andreas
13. Juni 2010 um 09:23 Uhr
@ Erich:
tja, so unterschiedlich kann Photographie sein. Für mich hat die Beschäftigung mit meinem Motiv mitunter schon ein wenig was von Meditation ;-), ich kann mich auf diese Art ziemlich gut aus dem Alltag ausklinken und abschalten. Daher bin ich (wie so viele Naturphotographen) meist auch allein unterwegs. Allerdings klingt das, was Du oben beschreibst nicht uninteressant; vielleicht ist das etwas, auf das ich mich auch mal einlassen sollte? Mal sehen! Danke für die Anregung jedenfalls schon einmal.
Gruß
Andreas
13. Juni 2010 um 09:36 Uhr
Zumindest klingt das was Erich sagt sehr nach Familie und Gemeinsamkeit. Für “ernsthafte Fotografie” ist es sicher nichts, aber nach Spaß klingt es schon …
23. Juni 2010 um 11:09 Uhr
Ich denke, das kommt auch sehr darauf an, ob man Fotografie mehr als “Dokumentation des Lebens” oder mehr als “Schaffen von Kunstwerken” sieht.
Fotografie ist halt nicht für jeden das Hinausgehen in die Welt mit der Kamera in der Hand und dem Ziel, möglichst “schöne” Bilder zu machen oder mit einem Bild seine Stimmung einzufangen, usw.
Ich fotografiere viel in meinem Arbeitsumfeld, und da bleibt nicht immer Zeit, gute Blickwinkel und ideale Ausschnitte zu finden. Mir geht es aber auch nicht so sehr darum, fotografische Kunstwerke zu schaffen, sondern ein bißchen von dem “aufzuheben”, was mir bei der Arbeit so begegnet. Natürlich freue ich mich, wenn es mir gelingt, ein Motiv besonders schön ins Bild zu bekommen, aber ich bin auch mit “Dokufotos” ohne künstlerischen Anspruch zufrieden.
Gerade mit Kindern ist die Beschäftigung mit dem Motiv eher das Beschäftigen des Motivs……
Fotografie ist für jeden was anderes, für manche nicht einmal mehr Hobby, als der Computer “Hobby” ist, wenn man Blogs liest ;-)
5. Juli 2010 um 12:56 Uhr
Es kann hier ja kaum darum gehen, ob und wie man „falsch“ oder „richtig“ fotografiert – das ist nicht zuletzt eine Frage der Zielrichtung. Dynamische Motive (also z.B. Menschen, Situationen etc.) erfordern oft eine schnelle, spontane Reaktion des Fotografen und reduzieren die Zeit für eine Motivplanung auf Sekundenbruchteile. Rein dokumentarische Fotografie macht es sinnvoll, mit einer großen Schärfentiefe zu arbeiten, da es mehr um das Festhalten möglichst vieler Details geht. Eine Motivplanung ist hier durchaus möglich und sinnvoll, allerdings geht es dabei eher um eben die Aspekte der Bilderfassung als um Ästhetik. Auch die klassische Presse-/Nachrichten-/News-Fotografie hat ihre eigenen Gesetze.
Aber darum geht es in diesem Artikel nach meinem Verständnis gar nicht. Jeder kennt diese Fotos, die man sich lange Zeit ansieht, obwohl rein formal gar nicht so viel darauf abgebildet ist. Die Welt hatte und hat große Fotografen, die solche Fotos auch in größeren „Mengen“ machen bzw. hinterlassen haben. Und sie alle zeichnen sich nicht etwa primär durch tolle Ausrüstung oder besondere handwerkliche Fähigkeiten beim Fotografieren aus. Beides ist zwar ungemein hilfreich, aber das Geheimnis liegt im Sehen – im Sehen des Motivs, im Erkennen des richtigen Winkels, des richtigen Ausschnitts. Ich bewundere Menschen, die diese Gabe, einen so sicheren Blick haben.