IMG_4532

Fotografieren bei Dunkelheit

| Keine Kommentare

„Fotografieren – Zeichnen mit Licht“ heißt ein anderer Artikel auf dieser Website. Blöd, wenn man nichts zum Zeichnen hat … Jeder, der unbeleuchtete, dunkle Innenräume ablichten möchte und neben dem dokumentarischen auch einen ästhetischen Anspruch an die Fotos hat oder auch einfach nur ein wenig Tiefe möchte, kennt das leidige Problem der Beleuchtung. Da ich häufig vollkommen unbeleuchtete Bauwerke wie etwa Bunker, Stollen, Keller und Katakomben fotografiere, die fast nie über Strom verfügen und in denen häufig nicht mit großer und/oder schwerer Ausrüstung gearbeitet werden kann, habe ich lange mit unterschiedlichsten Lösungen experimentiert.

Auf der Kamera montierte, also in der Objektivebene liegende Blitze machen das Bild flach, uninteressant und kontrastarm, darüber hinaus beleuchten sie vor allem den Vorder- und weniger den Hintergrund – besonders bei großen Räumen sind sie vollkommen ungeeignet. Gute Aufnahmen gibt es nur mit Stativ und langer Belichtungszeit, aber auch hierfür muss zumindest ein wenig Licht her. Viele gehen das Problem unter Zuhilfenahme des Bulb-Modus an, halten den Verschluss also so lange offen, bis das Motiv wunschgemäß ausgeleuchtet ist. Recht verbreitet sind zwei Methoden: „Ausmalen“ des Raumes mit einer geeigneten Hand- bzw. Taschenlampe oder eben einen von Hand ausgelösten Blitz, mit dem man umherlaufen und den Raum ausleuchten kann. Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile, manchmal ist nur eine von beiden einsetzbar.

Gemeinsam ist beiden der Nachteil, dass zum Ausleuchten viel Fantasie und Erfahrung gehört, damit das gewünschte Ergebnis auch zustande kommt. Plastizität im Bild, die durch das Spiel von Licht und Schatten entsteht, ist so nur schwer zu erreichen. Bei der Lampen-Methode kommt das Licht meist hauptsächlich aus einer Richtung – immerhin, diese liegt Sinnvollerweise in keiner der beiden Objektivachsen. Beim Blitzen ist es nur schwer möglich, das genaue Schattenspiel abzuschätzen – schließlich ist das Licht nur kurz an – beim Blitzen selbst.

Eine ganz gute Lösung sind kleine Halogen-Birnchen mit etwa 10 Watt, die man einfach mit einer kleinen Keramikfassung direkt an einen 12V-Akku schließt und an den gewünschten Stellen verteilt. Dies gibt eine sehr schöne, realistische und plastische Lichtsituation, die sofort und „live“ sicht- und überprüfbar ist. Nachteilig ist die Empfindlichkeit der ungeschützten Birnen, das Gefummel mit den Drähten und auch das Gewicht der Akkus.

Vor einiger Zeit entdeckte ich nun die OSRAM DULUX MINI, eine 3-Watt-Energiesparbirne, die von zwei Mignonzellen (AA) versorgt wird und zusammen mit diesem in einen Gehäuse untergebracht ist, das nur wenig größer als, aber nicht einmal so dick wie eine Zigarettenschachtel ist. Die Leuchtdauer liegt bei etwa 1,5 Stunden, erlaubt also mit einem Akku-/Batteriesatz schon eine ganze Menge Fotos. Die Farbtemperatur ist deutlich wärmer als beim Blitz und in etwa mit normalem Kunstlicht vergleichbar. Die 3 Watt entsprechen etwa einer „normalen“ Birne mit 10-15 Watt, lange Belichtungszeiten bleiben also unumgänglich. Diese Lampen kosten, je nach Quelle, zwischen 10 und 15 Euro und sind damit auch preislich eine echte Alternative zu den oben beschriebenen Methoden. Und das Schöne daran: Da die Dinger so klein und leicht sind, kann man fast immer ein paar davon in der Fototasche haben.

Nachteilig ist der etwas ungünstig platzierte Schiebeschalter, der die Lampe in der Tasche gern unbeabsichtigt einschaltet. Aber dieses Problem lässt sicht leicht mit einem Stückchen Gewebeband lösen.

Michael Grube

Autor: Joern

Fotografie und Musik sind ein substanzieller Teil meines genetischen Codes und keine freie Entscheidung.

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*