Film: The Dark Knight Rises

Endlich konnte ich den vorerst letzten Teil der von Nolan verfilmten Batman-Reihe sehen und bereits gestern “musste” ich mich auf dieser Seite dazu äußern, wie sehr mich diese Verfilmung beeindruckt hat. Für mich sind es viele kleine Dinge, die hier ein Gesamtbild erschaffen haben, das mehr als die Summer seiner Teile ist. Da ist einmal Bane, der Batman im Kampf Mann gegen Mann besiegt. Keine Waffen – nur Fäuste entscheiden dieses Duell. Die Szenen sind gewiss choreographiert, aber sie wirken ungeschliffen und rau – und sie erschüttern mit ihrer Dramatik. Batman wird geschlagen! Mit bloßen Fäusten! Wie konnte das geschehen?

Doch Bane ist nicht nur ein nahezu unbesiegbarer Kämpfer – ihm wurde eine weitere spannende Eigenschaft vom Autorenteam verliehen: seine Art zu sprechen. Ich mache das weniger an der Maske fest (diese ist konzeptionell allerdings in gleich mehrfacher Hinsicht genial) – mir geht es um die Art, wie Bane seine Worte betont und rhythmisiert. Ich kenne bislang nur einen Film, der mir diesbezüglich ähnlich gut gefallen hat: Blade Runner. In Blade Runner gelingt es Rutger Hauer als Roy Batty Betonung und Wortrhythmik auf die Spitze der Genialität zu treiben. Bane ist allerdings so nah dran und dabei so anders, dass man nicht darüber nachdenken muss, was besser umgesetzt wurde. Beides steht letztlich gleichwertig nebeneinander.

Mir gefallen im Film außerdem diverse ruhige Momente, die Stimmungen aus den vorigen Filmen zitieren. Gerade das „Waisenkinder-Gespräch“, welches Bruce Wayne mit dem Polizisten John Blake führt, ist ein solcher Moment. Aber auch Dialoge, die Bruce / Batman mit Freund, Ersatzvater und Hausdiener Alfred führt, sind für mich echte Highlights, zumal einer dieser Dialoge ganz am Ende der Handlung einen wunderschönen Abschluss findet …

An einer Stelle fühlte ich mich konzeptionell an die Geschichte aus der Box-Reihe “Rocky” erinnert. Nachdem Balboa im Kampf gegen Clubber Lang eine vernichtende Niederlage erlitt, musste er in beinahe jeder Hinsicht von vorne beginnen. Persönlich, Mental und Körperlich. All das geschieht auch Batman. Er muss zudem ein lebensbedrohendes Risiko eingehen, um Resignation gegen echte Angst zu tauschen und damit ins Leben zurückzukehren. Ich fand diese Momente sehr gelungen, wenn auch etwas zu kurz gefasst (was aber mit Sicherheit der maximalen Filmlänge geschuldet ist).

Als politisch Interessierter kommt man zumindest einmal auf seine Kosten, denn im Film wird auf das aktuelle Lebensgefühl von immer mehr Menschen eingegangen. Stichwort Kasino-Kapitalismus: An einer Stelle stürmt Bane mit einem Teil seiner Mannschaft die Börse, woraufhin einer der Broker Bane mit den Worten anfaucht:

„Das hier ist eine Börse, hier gibt’s kein Geld, das sie stehlen können“. Spöttische Antwort von Bane: „Wirklich? Warum seid ihr dann alle hier“?

Ja, stimmt: Für mich ist das die witzigste und gleichzeitig realistischste Stelle im Film – aber auch die einzige, an der es etwas zu lachen gab. Und auch das ist ein Punkt, der mich mit echter Bewunderung auf die Batman-Filme Nolans schauen lässt, denn diese Filme sind zu keiner Zeit albern. Es kommt keinerlei Klamauk auf. Die Handlung ist oft bösartig und jederzeit bedrohlich. Ich wüsste wirklich nicht, wie man das besser umsetzen könnte. Das hat mit gut nichts mehr zu tun. Das ist nicht weniger als genial.

Herr Nolan: Ganz ehrlich – Hut ab. Das haben Sie einfach fantastisch gemacht. Nun habe ich allerdings einen Wunsch an Sie: Am Ende des Films wird uns Robin offenbart. Ich wünsche es nicht – ich erwarte von Ihnen, dass Sie sich sofort an die Verfilmung des nächsten Teils machen. Und als 52-Jähriger möchte ich da nicht jahrelang drauf warten müssen. ;-)

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15 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Robin/Nightwing hätte für mich eher das Potential für eine TV-Serie – das wäre mal wieder etwas, worauf man sich eine Woche lang freuen könnte, bis die nächste Episode kommt. Und Joseph Gordon-Levitt mag ich ja eh. :)

    • Ich hab hier kein Fernsehen mehr (kommt eh fast nur Dreck), deshalb gefällt mir die Lösung nicht wirklich – es sei denn, die TV-Folgen sind dann zügig über iTunes zu haben (falls es denn lohnt).

  2. Der Abspann läuft gerade und ich bin noch vom Twist des Films gegen Ende und der düsteren Stimmung beeinflusst.

    Als Ende hätte ich mir in Anbetracht der hohen Brutalität und Rohheit auch die Zerstörung von Gotham City vorstellen können. Aber das passt natürlich nicht zu Batman und erst recht nicht zu Hollywood.

    Über die von Dir zitierte Stelle in der Börse musste ich auch lachen, wobei einem das Lachen angesichts der willkürlichen und extremen Brutalität natürlich vergeht.

    In der “Knastszene” war übrigens mein erster Gedanke “lass das Seil weg!” Aber nicht alles war so vorhersehbar und für eine Comicverfilmung durchwegs glaubwürdig. So ab Minute 50 kam auch eine gewisse Emotionalität auf.

    Insgesamt fand ich den Film auch sehr gelungen und hätte ihn gerne im Kino gesehen!

    • Das mit der Vernichtung der Stadt würde ich nie erwarten, denn die ist nunmal der Schauplatz der Batman-Geschichte. Damit hätten sie sich die Chance auf die nächste Verfilmung verbaut. Wäre Batman gestorben, hätte ich damit kein Problem, da ich eh’ davon ausgehe, dass er (in der Gotham-“Realität”) alle 20 bis 30 Jahre einem maskierten Nachfolger Platz machen würde.

      Knast-Szene: Echt? Nee, das habe ich nicht gedacht, schien mir dann (im Rahmen der Handlung) aber schlüssig.

  3. Ich habe den Film heute von DVD gesehen und er hat mir auch gefallen. Als der Name Robin fiel, dachte ich gleich: Aha, so machen sie also weiter! Batman und Robin. Ich habe zwar nie die Comics gelesen, aber man kennt die Namen trotzdem. Noch eine Stelle fand ich lustig: “Meine Mum hat gesagt, ich soll nicht zu einem Fremden ins Auto steigen.” “Das ist kein Auto.” Da kommt es natürlich auf die Stimmen und die Betonung an, aber im Film fand ich es witzig. Mal so zur Auflockerung auf die harmlose Art. Ann Hathaway hat gezeigt, dass sie mehr als nur “Prinzessin” kann, das hat mir auch gut gefallen.

  4. Hi Jürgen,

    das mit dem “Das ist kein Auto” fand ich nicht unbedingt lustig – eher cool. Wo du gerade “Stimmen und Betonung” sagst – mich stört in allen Nolan-Verfilmungen die Batman-Stimme. Die ist mir zu gewollt eindrucksoll tief und künstlich.

    Frau Hathaway ist mir bislang nur in “Der Teufel trägt Prada” aufgefallen. Als Catwoman in “Dienstkleidung” gefällt sie mir allerdings deutlich besser! :-)

  5. Hi Jörn,

    ja, mit der Batman-Stimme hast du recht. Ann Hathaway wurde soviel ich weiß mit “Plötzlich Prinzessin” bekannt (ich glaube, da gab es sogar mehrere Teile). Ich habe diese Filme nicht gesehen, aber “Prada” schon, dann “Alice im Wunderland”, wo sie wieder eine Prinzessin ist. Dass sie auch diese Kampfszenen glaubhaft darstellt, hat mich überrascht.

    Ich hatte vor deinem positiven Bericht einige negative Kritiken über den Film gelesen. Batman werde hier verletzlich dargestellt und würde sich sozusagen selbst zerstören, so ungefähr. Mir hat das aber gut gefallen und besonders das Happyend, das ich nicht wirklich erwartet hätte, auch wenn es vorher schon angedeutet wurde.

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