Wer in Kalifornien mehr sehen möchte als die Küste, oder die Nationalparks, hat in Anaheim die Möglichkeit, Disneyland zu besuchen. Disneyland habe ich mir als mindestens ebenso kitschige „Location“ wie Las Vegas vorgestellt – nur anders – und so war es dann auch …
… leider habe ich von Disneyland bis heute keine Genehmigung für die Veröffentlichung meiner Bilder bekommen (nicht mal eine Antwort auf meine Mails). Vielleicht kommt die ja noch und ich reiche die Bilder dann nach.
Während ich mich in Sachen Las Vegas selbst überrascht habe und zu einem wirklichen Fan dieser „Wüstenstadt“ geworden bin, fand ich Disneyland zugleich kitschig, hingebungsvoll und schrill.
Kitschig ist Disneyland weil hier alles bunt und „lustig“ ist. Mickey, Goofy und Co. laufen hier in Form lebensgroßer Kostüme durch die Menschenmassen. Jederzeit zur Stelle wenn es darum geht, mit einem Gast auf ein Foto gebannt zu werden.
Hingebungsvoll ist es, weil man den Mitarbeitern ansieht, dass sie ihren Job tatsächlich gerne machen. Zumindest schaffen sie es, dem Besucher ein entsprechendes Gefühl zu geben. Sogar die Einweiser beginnen schon ein bisschen zu tanzen, bevor die Abschlussparade überhaupt losgeht und sie die letzten Menschen durch Passagen dirigieren, die noch offen sind. Man lacht, ist gut drauf und das alles kommt überzeugend rüber.
Schrill ist es, weil Disneyland total überzeichnet ist. Allein Small World ist an Schrecklichkeit kaum zu überbieten. Hier sehen wir einen real gewordenen Albtraum aus laut singenden und umherwackelnden Puppen, der letztlich weder für Erwachsene, noch für Kinder geeignet ist. Nur eine einzige Bootsfahrt durch diese überdachte Landschaft voller fröhlich-mechanischer Kicher-Zombis hat mich an den Rand des Wahnsinns getrieben.
Während ich im Boot zusammengekauert darauf hoffte, dass diese Fahrt des Grauens endlich zu Ende gehen möge wurde mir klar, dass nur zwei Runden durch Small World eine schöne Bestrafung für Kleinkriminelle a la Kaugummiautomatenaufbrecher und Türzuknaller wäre …
Lohnt sich ein Besuch? Das ist eine höchst individuelle Entscheidung. Wer auf „zügige Fahrgeschäfte“ steht, bekommt hier ordentlich was geboten. Allein die große Achterbahn im alten Parkteil legt eine Beschleunigung hin, die dem Tritt eines Fußballstars beim Elfmeterschießen nahekommen dürfte.
Ich mag weder den Hamburger Dom, noch mag ich Disneyland. Der Unterschied ist, dass der Hamburger Dom halbwegs gewohnt-sachlich rüberkommt, während mich Disneyland zum Teil wirklich erschreckt hat. Ich hoffe wirklich, dass dieser „Vergnügungspark“ nichts mit dem Denken und Fühlen unserer amerikanischen Freunde zu tun hat …


18. März 2010 um 16:48 Uhr
Hi Jörn,
bei einer Umfrage zur Allgemeinbildung der Amerikaner Anfang/Mitte der 80er Jahre kreuzten mehr als 50% “Disneyland” als Hauptstadt der Vereinigten Staaten an.
Nebenbei: In der selben Umfrage waren 75% der Meinung, Deutschland sei ein Nachbarstaat von Süd Korea.
Welcome back to Germany.
Andreas.
18. März 2010 um 16:51 Uhr
Herrlich, der Lacher am Nachmittag!
Danke für das Willkommen.