Die Spiegelreflex ist tot – Es lebe die Systemkamera

Stimmt, ganz so weit, wie es die Überschrift suggeriert, sind wir noch nicht. Ich gehe aber davon aus, dass Die Spiegelreflex-Kameras auf dem Weg in die Nische sind. DSLRs werden nicht überflüssig, aber nur noch von absoluten Profis eingesetzt – oder Leuten, die dafür gehalten werden wollen …

Was war bisher der Hauptgrund für den Kauf einer Spiegelreflex-Kamera? Ganz einfach:

  • die Bildqualität
  • die Handlichkeit (Griffe für Hoch- und / oder Querformat
  • die Wechselobjektive
  • eine eventuelle Steuerung für externes Blitzequipment oder weitere Zubehörmöglichkeiten, wie drahtlose Bildübertragung usw.

Das waren lange die Vorteile dieses Kamerakonzeptes. Aber die „Spiegelreflexen“ haben auch Nachteile:

  • höhere Preise für den Body und die Objektive
  • mehr Gewicht
  • mehr Platzbedarf beim Transport
  • sie wecken eher Begehrlichkeiten bei Langfingern
  • der Spiegelmechanismus hat eine begrenzte Lebensdauer

Nun muss man sich fragen, wie viele Fotoenthusiasten so sehr die Vorteile einer Spiegelreflex-Kamera benötigen, dass sie dabei auch deren Nachteile in Kauf nehmen wollen.

Braucht man für gute Bilder eine Spiegelreflex-Kamera? Jetzt nicht mehr. Die Systemkamera ist zudem transportfreundlicher, kommt ohne Spiegel aus und die Objektive sind (zumindest für FourThirds) bei gleicher Brennweite erheblich kleiner. Gut, die Zubehörmöglichkeiten sind noch nicht so ganz umfassend und die Bildqualität hält einem Vergleich mit den teuersten Boliden natürlich nicht stand, aber hier kommen wir an den Punkt, an dem wir über die Ansprüche eines privaten Foto-Enthusiasten sprechen. Der wird – da bin ich mir sicher – mit einer Micro FourThirds von Olympus oder Panasonic schon sehr glücklich werden. Außerdem hat zumindest Sony inzwischen auch Systemkameras mit APS-C-Sensor im Angebot.

Die hier genannten Systemkamera-Hersteller bieten für ihre Kameras inzwischen eine Ausstattung, die vor einigen Jahren selbst bei DSLRs nicht selbstverständlich war. Darunter einen Verwacklungsschutz entweder in den Objektiven (Panasonic) oder im Gehäuse (Olympus). Bei den Brennweiten reicht das Objektivangebot bisher (aufs Kleinbildformat umgerechnet) von 15 mm bis hin zu 600 mm Die dazu aufgerufenen Preise sind Meilen von denen eines 600er Teles für APS-C- oder gar Vollformat-Kameras entfernt. Ja ich weiß: Die Qualität ist ebenso weit von den teuren Profigläsern weg. Merkt das unser gedachter Foto-Enthusiast? Ich glaube das nicht … Und selbst wenn: Der Preisunterschied dürfte ganz schnell für Ernüchterung sorgen – und zu einer Entscheidung für eine Systemkamera führen.

Wie geht’s weiter? Gut möglich, dass das Megapixelrennen immer noch nicht zu Ende ist. Der Kunde ist allerdings im Kompaktkamera-Segment so sensibilisiert, dass selbst die großen Hersteller wieder zurück auf 10 Mepapixel gegangen sind. APS-C- oder gar Vollformat-Sensoren bieten hier noch mehr Marketing-Potenzial. Sollten die Systemkamera-Hersteller also da weitermachen, wo sie mit den Kompaktkameras aufgehört haben, könnten wir in nicht all zu ferner Zukunft vielleicht Systemkameras kaufen, die mit Vollformat-Sensoren ausgestattet sind – und dann bis deutlich über 20 Megapixel gehen.

So oder so – die Spiegelreflex-Kameras sind auf dem Weg in die Nische.

Jörn Daberkow

  

Veröffentlicht von

www.hamburger-fotoblog.de

Fotografie und Musik sind ein substanzieller Teil meines genetischen Codes und keine freie Entscheidung.

25 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sehe ich ähnlich. Ich werde meine Vollformat-DSLR für den Job behalten, aber meine APS-C-DSLR jetzt verkaufen und mir eine Systemkamera zulegen.
    Übrigens hat nicht nur Sony eine Systemkamera mit APS-C-Sensor im Angebot, sondern auch Samsung mit der NX100.

  2. Sehe ich überhaupt nicht so. Ganz einfach weil mir so eine kleine Kamera das Gefühl von schnappschiessen und nicht von fotografieren gibt. Nicht nur wegen der Grösse, sondern vor allem wegen dem zentralsten Teil beim Fotografieren überhaupt: dem Sucher. Und da gibt es nach wie vor kein Konzept, was es auch nur annähernd mit einer SLR aufnehmen kann. Und da hab ich noch gar nicht mit so “Nebensächlichkeiten” wie einem schnellen AF o.ä. angefangen. Jörn, du sagst doch selbst, nur mit der E-3 hast du das Gefühl von “ernsthaftigem Fotografieren”. Was ist los?

    • Ich stimme Dir zu Thomas, mir geht es genau so! Aber ich denke, damit befinden wir zwei uns wohl in der zukünftigen Nische, denn die meisten “user” (wie die heute wohl heißen) stammen aus der i-phone-Generation und sind bereits dermaßen an “Mäusekino” gewöhnt, daß die mit ‘nem anständigen Sucher garnichts anfangen können. Gib doch mal sojemandem Deine DSLR in die Hand und bitte ihn, ein Photo zu machen: ich wette darauf, daß der die Kamera mit ausgestreckten Armen vor sich hält, um sich zu wundern, wo denn das Displaybild bleibt, und sich wenig später über das Gewicht des Gerätes zu beklagen ;-)

      Andreas

      • Ich glaube nicht dass das etwas wirklich neues ist. Das war vor 20 Jahren schon genauso. Die normalen Knipser hatten halt irgendeine Wegwerfkamera und mit einer SLR war man “der mit der Profikamera”, die sich keiner anzufassen getraut hätte.

    • Hi Thomas,

      nichts ist los. :-)

      Ich würde bei meinen Auftragsarbeiten gewiss nicht auf eine Spiegelreflex mit Sucher verzichten. Aber wenn ich mal an die Elbe gehe und entspannt fotografieren möchte, habe ich häufig auch nur meine E-P1 mit. Die steht dann auf einem Stativ, ich komponiere in Ruhe das Bild auf dem Display, lege die Schärfe dahin, wo ich sie haben will und löse dann mit 2 Sekunden Auslöseverzögerung aus. Das ist sehr meditativ.

      Ich könnte auch nicht ohne Spiegelreflex, dennoch glaube ich, dass sich die Marktanteile verändern werden.

  3. Für ambitionierte Hobbyfotografen reicht sicher eine Systemkamera, Profis werden aber wohl alleine wegen des “professionelleren looks” SLRs kaufen müssen.

    Btw.: Wird die Lebenszeit von DSLRs nicht eher durch den Verschluss definiert? Und da leben die meistens noch länger als Systemkameras. Hab zumindest selten gehört, dass der Spiegel das Element wäre, das als erstes den Löffel abgibt. Oder liege ich hier total daneben?

  4. Ich sehs auch so, dass das Problem beim Sucher liegt. Ich habe mir auf der photokina auch mal alle Systemkameras in die Hand genommen, und die elektronischen Sucher sind einfach schlecht… ruckelig, klein, Farbstichig, pixelig, kontrastarm…
    Und das ist für mich einfach Schrott.
    Ich arbeite sehr gerne mit dem Sucher, Live-View ist zwar in Ausnahmesituationen sinnvoll, aber ich komme mit meiner Kamera auch ohne Live-View gut aus.
    Eine Kamera mit schlechtem Sucher hat für mich einfach nichts mit meditieren zu tun, für mich ist das eine Qual (sorry, Jörn…)
    Genauso die Haptik. Ich habe gerne was in der Hand, und da bietet bislang nur Panasonic Kameras, die diesbezüglich meine Ansprüche zufriedenstellen. Aber die GH2 und Konsorten sind einfach wieder so groß und teuer, das man auch wieder eine Einstiegsspiegelreflex nehmen kann, und hat dann gleich den besseren Sucher.
    Außerdem sind die Materialen oftmals billig. Eine E-PL1, Samsung NX10/NX100 und einige Panasonic fühlen sich für mich billiger an als meine 80€ Kompaktknipse, sry, ist aber so…

    Fazit:
    Prinzipiell unterstütze ich Kameras ohne Spiegel, jedoch sind da einfach der Sucher, Haptik und Materialwahl, die selbst bei einer EOS 1000D mMn besser sind. Und diese kostet 400€, ne EVIL eher 600-800€!
    Eine Systemkamera, die meinen Ansprüchen bei Haptik, Qualität und Sucher wirklich genügt, ist eindeutig die Leica M9, die ist wirklich ein Traum.
    Technologisch müsste es ja eigentlich nicht schwer sein, wenn Pentax mit SO einer Kamera und den Limiteds als Kitlinsen rauskommen würde, würde ich mir die unverzüglich zulegen. Es wäre auch ein Preis um die 1000€ denkbar, schätze ich

    • Hi Aaron,

      “Meditation”: Ich nutze keinen Sucher bei meiner E-P1 – die hat nicht mal einen. Ich will hier auch keinen optischen Sucher überflüssig reden, oder gar schlecht machen. Im Gegenteil: Ich werde auch in Zukunf nicht darauf verzichten. Ich glaube dennoch, dass der Systemkamera-Markt stärker wachsen wird, als der DSLR-Markt.

      • Wäre schon denkbar, dass DSLRs irgendwann nur noch in höheren Preisebenen zu finden sein werden und die CSCs High-End-Kompaktkameras und Low-End-DSLRs ablösen. Potential wäre auf jeden Fall da – man bedenke nur, dass man die E-P1 bereits um 400 Euro mit Objektiv kaufen kann – grade mal 50 mehr als die Powershot S95.

        Durchsetzen werden sie sich erst, wenn elektronische Sucher besser als Echtsucher sind – also erst in ferner Zukunft.

  5. Hey Jörn,
    ich habe ja nicht verneint, dass der EVIL-Markt weiter und schneller wachsen wird, als der SLR-Markt.
    Diese Entwicklung sehe ich ja auch kommen.
    Ich wollte nur einmal zeigen, dass es für den Amateur durchaus Dinge gibt, die einfach Systembedingt an einer SLR besser sind. Und ich gehe daher nicht davon aus, dass SLRs nur noch von Profis genutzt werden.

    Oder siehst du mich als Profi an?

    • Du und ich führen gerade eine Diskussion, die wenig mit meinem Beitrag zu tun hat. Da ging es letztlich um eine Verschiebung von Marktanteilen – nicht darum, ob du oder ich oder 100.000 andere Leute auf einen Sucher verzichten wollen.

      • Jetzt spielst du das was du im Artikel geschrieben hast aber ganz schön runter. Zwischen “Verschiebung von Marktanteilen” und “auf dem Weg in die Nische” ist dann doch ein ganz schöner Unterschied. Ersterem kann ich zustimmen, letzterem definitiv nicht. Passend dazu gerade gelesen: http://www.fotografr.de/4939/die-suche-nach-einer-immer-dabei-kamera-fuer-anspruchsvolle-fotografen/
        Es ist wohl doch nicht so ganz klar, was denn nun die ach so tolle Alternative zur SLR sein soll…

        • Ich habe bei fotografr mal quergelesen. Ganz ehrlich, diese Frage kann ich auch nicht beantworten. Ich glaube sogar, dass wir heute noch keine bezahlbare Systemkamera-Alternative zur DSLR gibt – aber wir werden sie erleben – und zwar bald. Und ich behaupte nicht, dass sie dann für jeden Fotografen eine Alternative zur DSLR ist – aber für viele.

          • Abgesehen von der Bezahlbarkeit, ich finde 1500,- mit dem Zoom eher grenzwertig, ist die neue Pansonic GH2 aber verdammt nahe dran, sollte der Sucher tatsächlich sehr viel besser geworden sein. Und natürlich bleibt noch die 16MP-Frage zu klären. Aber am Papier ist die GH2 eine klare Kampfansage an alle Einsteiger- und Mittelklasse-DSLR.

          • Einen Vorteil hat diese ganze Diversifizierung: Es wird immer leichter, die für sich selbst am besten passende Kamera zu finden.

  6. So ne Nex 5 sieht ganz gut aus, eine richtige DSLR Kamera ist halt schon ein bisschen gross. Wobei Sony mit den neuen A33 + A55 nochmals einen neune Weg beschreitet. Die A55 wird auf alle Fälle gekauft (hoffe die kommt nächstens raus :-)

    • Steht auch fix auf der Einkaufsliste meiner Liebsten, ich weiß nicht, was da noch schiefgehen muss, damit sie die STL55 nicht kaufen wird.

      Objektive gibts dafür ja wirklich in allen Brennweiten und Preisklassen – bin selbst schon total gespannt auf erste Praxisfotos.

  7. Für Brot- und Butterfotografie reicht eine Systemkamera, da gibt’s keinen Zweifel. Aber viele Amateure experimentieren gern. Das sind Leute, die zum einen Geld und zum anderen Zeit haben. Und davon gibt’s viele. Das sind die, die mit D700 oder 5D rumrennen und solche Bilder machen:
    http://is.gd/fySEF

    Auf der anderen Seite gibt’s noch sowas:
    http://is.gd/fySya
    Stell ich mir mit ‘ner Systemkamera auch schwer vor. Bei Langzeitbelichtungen sind die Kleinen im Vorteil, weil da kein Spiegel ist, der Erschütterungen verursacht. Die meisten Einsteiger-DSLRs haben keine Spiegelvorauslösung, um das zu kompensieren. Ebenso punkten die Kleinen bei Streetfotografie, eben dort, wo man unauffällig bleiben will.

    Ich denke, die Systemkameras werden eine neue Nische schaffen. Dass sie den DSLRs gefährlich werden können, glaube ich auch nicht, wenn Canon/Nikon erschwingliche Modelle vorstellen und zu deren Gunsten ihre Einsteiger-DSLRs einsargen. Denn seien wir einmal ehrlich: ernsthafte Fotografie beginnt für die meisten Amateure mit dem Erwerb einer Canon oder Nikon. Einige – da hast du sicher recht – fühlen sich dadurch dem Profi näher. Aber einige sind es auch. Nehmen wir Konzertfotografie. Die Ergebnisse einer Nikon D3S sehen bei ISO 25.600 bedeutend besser aus, als die deiner Pen bei ISO 1600. Sicher, einen solchen Boliden wird sich kaum ein Amateur gönnen, aber er wird sich diesem Geschoss mit einer D7000 gewiss näher fühlen als mit einer Systemkamera.

    • Die 550D hat eine Spiegelvorauslösung ;-) Mit dem Kit-Objektiv ist die übrigens so leicht, dass ich aus Gewichtsgründen keine leichtere brauche. Ich habe den Kauf bisher keine Sekunde bereut. Das einzige, was Profis fehlen wird ist ein wertigeres und wasserdichtes Gehäuse.

  8. Es wird wohl immer Leute geben, die sich beim Thema fotografieren eher über Ihr Equipment – sprich teure, große DSLR-Kamera – definieren, anstatt über das was hinten raus kommt: das Foto. Natürlich benutze ich für den Job meine 5D mit allem Pipapo, aber unterwegs darf es ruhig etwas Kleineres wie eine Systemkamera sein. Man darf nur nicht vergessen, dass so eine Kamera immer ein Kompromiss ist, aber man trotzdem damit anständige Fotos machen kann. Selbst mit meinem iPhone gelingen teilweise brauchbare Bilder.

    • Hi Arnd,

      bei meinem letzten Job hätte ich beinahe die E-P1 anstelle meiner E-3 benutzt, weil die Kleine bei schlechterem Licht noch etwas bessere Bilder macht. War gerade so die Grenze …

    • Ich neige immer mehr zu DER EINEN Kamera. Ich habe immer schon eine kleine Snapshot-Kamera in der Tasche, bereue aber immer, dass die Bilder die ich mit ihr mache nicht mit der “großen” gemacht werden konnten. Mich persönlich entschädigt der “Schnappschuß” nur ganz selten für die mindere Qualität.
      So gesehen wüßte ich keine Einschränkung, ausser möglicherweise Brennweite, die ich bereit wäre für eine Systemkamera in Kauf zu nehmen. Bildqualität wäre es auf gar keinen Fall.

  9. EVIL im Vollformat würde mE die Vorteile des Konzepts verringern, da man dazu wohl auch größere Objektive benötigt, die die Kamera zu einem “Objektivdeckel” degradieren würden. Wie würde man denn das Äquivalent eines Zuiko 50-200 für Vollformat an einer EP-1 halten?

    Abgesehen davon ist es sowieso nur eine Frage der Zeit, bis man “Vollformat” wegen besserer Sensortechnologie nicht mehr so dringend brauchen wird. Die bisherigen (Nicht-System-)Kompaktkameras mit Vollformatsensor haben den Markt jedenfalls eher kaltgelassen.

    Irgendwann wird man auf Spiegel und Prisma verzichten können, irgendwann später vermutlich auch auf den Verschluß. Wann es so weit ist, hängt schon sehr davon ab, was man fotografiert. Bei “schnellen” Dingen ist man mit EVF derzeit noch klar im Hintertreffen, wenn auch beeindruckend ist, wie groß z.B. die G1/GH1-Sucher im Vergleich zu “kleinen” APS und 4/3-Kameras sind.

    Für 95% der Bevölkerung sind P&S sowieso genug. Die haben früher Fixfokus-135er-Kameras gekauft (oder wenn sie’s noch kleiner wollten Pocket) und sind jetzt mit dem Handy qualitativ auch nicht schlechter dran. Es hängt ja auch stark von der persönlichen Einstellung zur Fotografie ab, ob mir wichtiger ist, das Kind in lustiger Pose wenigstens irgendwie abgelichtet zu haben, oder ob ich der Fraktion “wenn nicht perfekt, dann lieber gar kein Bild” angehöre ;-)

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