Alte Medien

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Eben wurde mir bewusst, wie lange ich eigentlich schon keine Zeitungen und Zeitschriften mehr gekauft habe. OK, es gab immer mal die eine oder andere Ausnahme, aber die kann man wirklich an einer Hand abzählen.

Als Musiker war ich vor vielen Jahren natürlich Dauerkunde von Keys und Keyboards. Die wurden jeden Monat gekauft und ich hab die auch tatsächlich gelesen. Mit der Zeit wurde das dann unmerklich weniger. Ich hatte einfach nicht mehr die Muße. Es war nun nicht so, dass mich das Thema Musik Hard- und Software nicht mehr interessiert hätte – im Gegenteil, aber ich hätte gar nicht gewusst, wann ich das noch lesen soll.

Später hatte ich dann das Glück, dass ich von einem neuen Musikermagazin auf eine kostenlose Aboliste gesetzt wurde. Da bekam ich dann – wohl deshalb, weil die über mein Fantasy-Projekt Strange City berichtet haben – viele Monate lang eine kostenlose Ausgabe ins Haus geschickt. Der Witz ist, dass ich es trotzdem nie geschafft habe, die aus der Schutzfolie zu “tüdeln” und zu lesen … All das, was es dort zu lesen gibt, gibt es schneller und meist etwas mehr auf dem Punkt (weil kürzer) im Netz zu lesen.

Die einzige Form von Interaktivität, die es bei Zeitschriften gibt, sind Leserbriefe. Da diese Form von Interaktivität aber ein “kleines” zeitliches Problem hat, sind Webseiten mit Kommentarfunktion oder angeschlossenem Forum hier um Meilen überlegen. Nur hier gibt es einen Dialog, der diesen Namen auch wirklich verdient. Auch das ist ein deutlicher Vorteil gegenüber einer Zeitschrift.

Das Netz ist aus meiner Sicht der natürliche Feind der Tageszeitung. Wobei “Tageszeitung” hier wahrscheinlich für die Tatsache steht, dass sie einen Tag nach der Nachricht kommt …

Wer wirklich aktuell informiert werden möchte, schaut auf seine bevorzugten Nachrichtenseiten im Internet. Bei mir ist das Spiegel Online – auch wenn ich die schon mal eine ganze Weile boykottiert habe. Das war wegen eines Berichts, der einfach nur mit grauenvollen Details “glänzte”, die den Wert dieser Nachricht nicht wirklich erhöht haben. Aber bei Spiegel Online und vergleichbaren Seiten wird man teilweise minütlich über neue Ereignisse informiert. Das kann nun mal keine Tageszeitung leisten. Aus dem Grund spare ich mir diese Ausgabe seit vielen Jahren komplett – und ich glaube, dass jede neue Generation diesen Trend verstärken wird.

Ich bin in einer Zeit ohne Internet auf die Welt gekommen, bekomme aber auch schon nostalgische Gefühle, wenn ich im Wartezimmer beim Arzt mal eine Zeitung in die Hand nehme …

Diese Entwicklung wird – da muss man kein Hellseher sein – auch irgendwann das Fernsehen betreffen. Wohl deshalb versuchen die öffentlich rechtlichen Sender ihre Aktivitäten auf das Netz auszudehnen.

Ich für meinen Teil schaue nur noch sehr ausgewählte Sendungen im Fernsehen an. Da ist natürlich meine aktuelle Lieblingsserie Dr. House und dann und wann – wenn ich nicht im Internet arbeite – auch gerne mal CSI. Aber sonst geht mein Fernsehkonsum immer weiter zurück.

Was will ich mit all dem sagen?

  1. Zeitungen und Zeitschriften sind tot. Sie wissen es nur noch nicht.
  2. Dem Fernsehen in der heutigen Form steht – mit einer etwas längeren Frist – genau das gleiche bevor – hier ahnen einige Verantwortliche allerdings davon
  3. Das Internet wird die alten Medien immer weiter hinter sich zurücklassen und diese in der einen oder anderen Form ersetzen.

Für mich gilt, dass es erstens recht nett ist, alle Medien vom Computer zu nutzen – aber genau diese Tatsache – also dass ich alles vor einem “Wiedergabemedium” konsumiere / betreibe / erfahre, sorgt auch dafür, dass ich mich zunehmend darum bemühe, auch mal wieder was ganz anderes zu machen.

Die Abwechslung von früher (Fernsehen gucken, Zeitung lesen, im Internet surfen) fehlt einfach. Doch ich kehre nicht mehr zu den alten Medien zurück, sondern bemühe mich vielmehr darum, auch mal wieder in eine echte Interaktivität zu kommen. Ganz schlicht: Freunde “in echt” treffen. So hat das Internet, bzw. der Computer auch sein Gutes. Man kommt automatisch auf die “einfachen” Dinge zurück.

Autor: Joern

Fotografie und Musik sind ein substanzieller Teil meines genetischen Codes und keine freie Entscheidung.

3 Kommentare

  1. Ich habe die Tageszeitung schon lange “abgeschafft”, weil ich mir den Gang und die Schlepperei zum Papiercontainer ersparen möchte. Heute habe auch ich endlich die blaue Mülltonne, was aber mein Zeitschriftenkonsum nicht erhöht. In manchen Dingen denkt man also auch praktisch. Das Lokale (sowohl politisch als banal) geht mir aber allerdings dabei völlig verloren, da bin ich auf den Klatsch der Nachbarn angewiesen. Es scheint wirklich so, dass die Printmedien arg kämpfen müssen, denn auch die Generation über mir nutzt fleißig das It. Nur eins spricht bei mir noch für die gute alte Zeitschrift: meine Sitzposition auf dem Sofa ist deutlich angenehmer und beizeiten stört mich auch die Lüftung des Laptops, weil die mich an “Arbeit” erinnert.

  2. Der Artikel ist wirklich krass – aber es ist ein (wohl der Wirklichkeit entsprechender)Bericht – also ist nicht nur der Artikel grausig, sondern die Realität die dargestellt wird. Und das ist ein Unterschied. Noch etwas zu “ohne Tageszeitung leben”: Sicher ist das IT immer Top-aktuell und interessant. Nur: was um die Ecke in meinem Dorf oder im nächsten Dorf geschieht, habe ich dort noch nicht gefunden. Ich nutze möglichst alle erreichbaren Medien, um mir ein Bild der Lage zu machen. Nur dann kann ich mir eine Meinung bilden und bin nicht über bestimmt Entwicklungen verwundert, die ich verschlafen habe, weil mir Informationen fehlten. Allerdings: In der Zeitung (und wohl auch im IT) steht eine Menge Mist und Lügen werden nicht dadurch wahr, dass sie in der Zeitung schwarz auf weiss stehen. Das habe ich leider als Kommunalpolitiker oft genug am eigenen Leib erfahren. Dann hat man ungefähr eine Ahnung, wie unser Staat funktioniert und wie hier Meinung “gemacht”(!!) wird. Das ernüchtert.

  3. Morgen Raimund,

    “Nur: was um die Ecke in meinem Dorf oder im nächsten Dorf geschieht, habe ich dort noch nicht gefunden”. Ganz klar, das ist ‘ne Marktlücke!

    Zu “Meinungsmache” – ja, ist bekannt. Um so vorgehen zu können, muss das Blatt aber eine verdammt große Reichweite haben.

    Jörn

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